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Luxus-Spüle für die Küche : Spült sich ganz schön auf

Das Becken senkt sich bei Bedarf. Bild: Hersteller

Mit Glanz und doppeltem Boden: Dieses Becken kocht und sprudelt Wasser, trocknet Handtücher und kann sich verstecken. Für 10.000 Euro.

          3 Min.

          Wer plant, eine Küche einzurichten, denkt vermutlich viel über Backofen, Kochfeld, Kühlschrank oder Dunstabzugshaube nach. Der Spüle wird wenig Aufmerksamkeit gewidmet. Lediglich mit dem Wasserhahn beschäftigen sich Hobbyköche gerne. Solitaire, eine Marke der BSH Hausgeräte GmbH, will mit „The Waterbase“ die Spüle zum Zen­trum der Küche machen. Funktionell jedenfalls. Optisch versteckt sie sich bewusst: Das Spülbecken verschwindet auf Tastendruck.

          Marco Dettweiler
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Mit diesem technischen Clou bewirbt die Marke ihre Spüle als Weltneuheit. Der Keramikboden des Beckens kann sich auf Knopfdruck so weit nach oben bewegen, bis er eine Ebene mit der Arbeitsplatte bildet. Drumherum bleibt lediglich ein Spalt frei, so kann Wasser immer noch abfließen, falls der Hahn geöffnet wird. Rechts daneben verläuft eine Glasleiste, in die am unteren Rand ein knapp sieben Zoll großer Bildschirm eingelassen ist. Damit steuert man Solitaire, lediglich vorne am Hahn sitzt noch ein Sensor, der auf Berührung reagiert.

          Zu steuern gibt es einiges. Denn aus Solitaires Hahn kommen sechs verschiedene Wasserarten, die alle gefiltert sind: stilles Wasser in Raumtemperatur oder eisgekühlt, mäßig oder ordentlich sprudelnd, kochend oder achtzig Grad heiß. Allerdings bietet das Luxus-Spülbecken alle Funktionen nur in der Komplettversion an. Armaturen, aus denen sprudelndes oder verschieden temperiertes Wasser kommt, sind nichts Neues.

          Es gibt sie von Herstellern wie Grohe, Blanco oder Quooker. Während bei diesen Geräten die Bedienelemente am Hahn sitzen, wird Solitaire über den üppigen Bildschirm gesteuert. Während wir das Produkt für ein paar Minuten ausprobieren durften, wirkte die Bedienung einfach und durchdacht. So wird beim Beziehen von kochend heißem Wasser mit ein oder zwei Zwischenschritten darauf geachtet, dass es nicht gleich aus dem Hahn schießt und sich möglichst niemand versehentlich verbrennt.

          Solitaire versucht sein Waterbase so gut zu verstecken, wie es geht. Bilderstrecke
          Solitaire : Spüle der Extraklasse

          Vom Display aus startet ebenso der Aufstieg des Spülenbodens. Allerdings liegt das Geheimnis in einem zweiten Boden, der dicht über dem anderen sitzt. Unter dem untersten Boden hat Solitaire eine Hubeinrichtung angebracht, auf deren Spitze zwei sich kreuzende Streben sitzen. Bis auf die kleine Hebebühne lässt sich alles herausnehmen, sodass das Becken sauber gehalten werden kann. Über ein gewöhnliches Ventil mit Siebeinsatz und ein Siphon läuft das Wasser ab.

          Solitaire ist als System mit Unterschrank konzipiert. Zum einen braucht es Platz für den Filter, die CO2-Kartusche und die Elektronik. Zum anderen hängen in einem Rahmen zwei Behälter als Mülleimer, auf einer Ablage verstecken sich Spülmittel, Stahlschwämmchen oder anderes, was normalerweise auf der Spüle steht. Und dann wärmt und trocknet noch eine Schublade Geschirrhandtücher, die man dort feucht ablegt. Wie stark und lange die Miniheizung wärmt, ist einstellbar. Man zieht den unteren Teil heraus wie die große Schublade eines Unterschranks, den man von üblichen Kücheneinrichtungen kennt. Dabei ist die Front frei wählbar und somit in beliebige Küchen integrierbar. Mit sechzig Zentimetern erfüllt Solitaire das Standardmaß der meisten Küchenbauer.

          Ökologisch kann das zum Nachteil werden

          Wie könnte nun der Alltag mit dieser Spüle aussehen? Dreht man den Hahn nach links oder rechts zur Seite, wird aus der ebenen Fläche eine erweiterte Arbeitsplatte, auf der etwa ein Küchenbrett Platz findet, auf dem es sich schnippeln lässt. Bis zu vierzig Kilogramm hält der Keramikboden mit seiner Hebebühne aus. Allerdings müsste alles wieder zur Seite geschoben werden, wenn Wasser zum Abspülen oder für andere Aktionen gebraucht wird. Am besten sieht es aus, wenn gar nicht gekocht wird. Dann ragt einfach ein Hahn ohne Einhandmischer mitten aus der Arbeitsplatte, unter den man lässig ein Glas stellt und sich gefiltertes, stilles oder sprudelndes Wasser zieht. Praktisch ist die 80-Grad-Funktion für Grüntee-Trinker. Weil ebenso knapp hundert Grad heißes Wasser bezogen werden kann, dürften die Tage des Wasserkochers gezählt sein.

          Ein Vorteil dieses Systems: Man entnimmt genauso viel heißes Wasser, wie man braucht. Das können bis zu 2,8 Liter sein. Ökologisch kann das zum Nachteil werden. Der Boiler hält das heiße Wasser ständig vor. Solitaire gibt den Stromverbrauch in Bereitschaft mit elf bis 26 Wattstunden je Tag an, etwa so viel wie ein Smartphone. Die Stromkosten dürften den Kunden ökonomisch nicht wehtun. Sie haben sich immerhin eine Spüle mit Unterschrank für 10.000 Euro geleistet.

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