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Haibike Xduro Nduro 8.0 : Dieses Rad zeigt klare Kante

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Kleiner Buckel am Oberrohr, flache Schwinge am Hinterbau: die Anklänge an eine Enduro mit Verbrennungsmotor sind nicht zu übersehen. Bild: Hans-Heinrich Pardey

Das Haibike Xduro Nduro 8.0 ist im besten Sinne eigenwillig. Sein kompaktes Getriebe und der Motor aus der Schmiede von Raumfahrtexperten versprechen 120 Newtonmeter Drehmoment.

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          Ein Autokäufer hat in der Regel die Wahl: In der gleichen (oder einer sehr ähnlichen) Karosserie können ganz verschiedene Motoren stecken. Bei Elektrorädern ist es genau umgekehrt. Räder, die sich nicht nur stilistisch stark unterscheiden, sondern die tatsächlich verschiedene Fahrzeugarten sind, werden von den gleichen Motoren angetrieben. Als Marken trifft man immer wieder auf Bosch, Yamaha, Brose, Shimano oder Panasonic. Und es kann passieren, dass in einem exklusiven Bike der 5000-Euro-plus-Klasse der gleiche chinesische Nabenmotor arbeitet wie in einem billigen Pedelec aus dem Baumarkt, das weniger als ein Drittel kostet. Letztlich ist es nicht befriedigend, ein besonders edles Rad zu entwerfen und dann als Herzstück einen der üblichen Verdächtigen verbauen zu müssen. Genau dieser Überlegung verdanken wir das Xduro Nduro 8.0 in der Serie der Flyon-Modelle von Haibike.

          Das Bike steht mit rund 7000 Euro in der Liste und, sapperlot, so sieht es auch aus. Von den vergitterten Nüstern am Steuerkopf, in denen die Kabelzüge nach hinten verschwinden, über das dahinter mit einem kleinen Buckel angreifende Oberrohr bis zu der sich flach an den Hauptrahmen herandrängelnden Schwinge des Hinterbaus sind die Anklänge an eine Enduro mit Verbrennungsmotor unübersehbar.

          Das Material des Rahmens: Karbon und Aluminium. Apropos Ober- oder Unterrohr, Rohr im Sinne von gerundetem Querschnitt ist hier gar nichts. Mal breit und flächig dort, wo der 630-Wattstunden-Akkupack untergebracht ist, mal schmal und hart wie ein abgenagtes Hühnerbein, wo das zentrale Federelement angelenkt ist, zeigt der Rahmen überall klare Kante. Dieses Rad sieht eher geschnitzt als laminiert oder geschweißt aus. Nicht nur farblich noch einen Zacken knalliger tritt nur das Xduro Nduro 10.0 auf, das für rund 9000 Euro insgesamt höherwertig, unter anderem auch mit einer starken Lichtanlage für die Nachtfahrt im Gelände, ausgestattet ist.

          Hingucker am Haibike: Im Zentrum des Xduro Naturo 8.0arbeitet der Motor von TQ. Bilderstrecke
          Haibike Xduro Nduro 8.0 : Dieses Rad zeigt klare Kante

          Hauptblickfang in Haibikes Flyon-Serie aber ist der Motor. Der HPR 120S, entwickelt von dem in der Nähe von München angesiedelten und unter anderem auf dem Feld der Luft- und Raumfahrt und Robotik tätigen Unternehmen TQ Systems, versteckt sich keineswegs diskret wie andere Motoren in Mountainbikes. Er setzt sich allerdings auch nicht bloß optisch mit seinen strahlenförmig angeordneten Rippen beinahe aufdringlich in Szene, sondern er bietet mit 120 Newtonmetern mehr Drehmoment als andere. Und obendrein ist der Antrieb mit seiner ringförmigen Bauweise, Durchmesser knapp 15 Zentimeter, auch eine technisch interessante Lösung.

          Das Untersetzungsgetriebe im Verhältnis 1:37 ist als „Pinring“ konzentrisch um den 48-Volt-Motor und das Tretlager herum angeordnet. Ein elliptisches Wälzlager bewegt 150 Pins, die alle ständig im Eingriff sind, wellenartig zwischen einem äußeren feststehenden und dem inneren bewegten Zahnrad. Während beispielsweise mit achtzig Umdrehungen in der Minute pedaliert wird, macht der Motor knapp 3000 Touren. Von der äußerst kompakten Bauform des patentierten Getriebes abgesehen, ist der Antrieb besonders leise. Wird der Motor abgestellt, bewegen sich im Innern des Antriebs keine Teile. Der HPR 120S wiegt knapp vier Kilogramm, der Wirkungsgrad wird von TQ mit über achtzig Prozent angegeben.

          Nun kommt von einem Mittelmotor, der über die Kette und Ritzel aufs Hinterrad wirkt, nicht alles, was auf dem Papier steht, als Vortrieb auf der Straße und im Gelände an. Das gilt für diesen Motor wie für die Mittelmotoren des Wettbewerbs. Aber es ist ein deutlich zu spürender Unterschied, ob man, Verluste hin, Verluste her, mit 60, 80 oder eben den 120 Newtonmetern des HPR unterwegs ist. Mit mehr Drehmoment bei einer Nennleistung von 250 Watt – es gibt auch Versionen des HPR 120S mit 500 und 900 Watt für die 45-km/h-Klasse und als nicht straßenverkehrstaugliche Race-Version – ist man nicht schneller als mit anderen Elektrorädern der 25-km/h-Klasse unterwegs. Aber doch mit mehr Mumm.

          Man muss weniger schalten, bekommt auch in niedrigeren Trittfrequenzen kräftigere Unterstützung. Dieses Mehr an Durchzugskraft lässt einen auch im Verkehr entspannter mitschwimmen, man beschleunigt leichter, kommt nach Abbremsungen und Stopps müheloser wieder aufs vorherige Tempo. Im Gelände mit seinen wechselnden Anforderungen sind die 120 Newtonmeter eine noch deutlichere Erleichterung.

          Fordert man das Xduro Nduro 8.0 richtig, erscheint der Akku nicht überdimensioniert. Die übrige Ausstattung der Güteklasse Shimano Deore XT und Fox 180 Millimeter geht in Ordnung, ohne aufseufzen zu lassen. Die Bedienungsoberfläche des Displays steckt voller Gimmicks, für die beim schönen Fahren des Bikes eigentlich gar keine Zeit ist.

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