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Ausblick bis 2030 : Laborsteak im Klimahaus

  • -Aktualisiert am

Blick in die Zukunft Bild: Dmitri Broido

Allen Unkenrufen zum Trotz: Technische Entwicklungen lassen sich vorhersagen. Wir trauen uns, schon heute die Technikthemen bis 2030 zu nennen.

          6 Min.

          Manchmal kommt es anders als gedacht. 1991 zum Beispiel schmiedet der Telekombereich der Bundespost eifrig Pläne: Im Osten Deutschlands fehlen, so die Berechnungen, sieben Millionen Festnetzanschlüsse, 90.000 Telefonzellen und 360.000 Faxgeräte. Im selben Jahr veröffentlicht Mark Weiser in der populärwissenschaftlichen Zeitschrift „Scientific American“ einen Aufsatz über den Computer im 21. Jahrhundert. Der Informatiker beschreibt darin nicht nur die Grundidee dezentraler und miteinander vernetzter Rechner, sondern schildert den Alltag der fiktiven Büroangestellten Sal, die ihr Haus, ihre Arbeit und ihr Privatleben mit Hilfe eines Tablets steuert. Das iPad kam erst 19 Jahre später auf den Markt. Doch Weiser war mitnichten Hellseher, sondern kombinierte nur die wissenschaftlich bereits erarbeiteten Grundlagen mit sich wandelnden gesellschaftlichen Bedürfnissen. Was wir heute daraus lernen können? Auch im Zeitalter der Digitalisierung ist es möglich, grundlegende Techniktrends vorherzusagen. „Disruptiv“ mögen Technologien aus Sicht der Unternehmen sein, die zu lange an Althergebrachtem festhalten. In den Grundzügen steht längst fest, womit sich Technikredakteure im Jahr 2030 beschäftigen werden. Als da wären:

          Wasserstoff

          Ob Erdwärmekraftwerke, Sonne, Wind oder Wasser: Wo immer erneuerbare Energien statt Gas, Kohle und Öl genutzt werden, entsteht erst einmal Strom. Ein wunderbarer Energieträger, wenn man ihn sofort nutzen kann. Akkus auf Lithium-Ionen- oder auf Metall-Luft-Basis sind auch 2030 eine gebräuchliche Methode, ihn kurzzeitig im Zaum zu halten. Doch wo Energie für lange Zeit oder in großen Mengen gespeichert werden soll, wird Wasserstoff zum Energieträger erster Wahl. Der von Thyssen-Krupp durchgeführte Pilotversuch „Carbon2Chem“ in Duisburg zeigt, dass selbst bei stark schwankendem Stromangebot die Wandlungsverluste weniger als 20 Prozent betragen. Das Bundeskabinett streitet derzeit noch über die Wasserstoffstrategie für Deutschland, die eigentlich schon Ende 2019 verabschiedet werden sollte. Doch zehn Jahre später ist Wasserstoff die Basis für klimaneutrale Mobilität wie für CO2-freie Stahl- und Kunststofferzeugung.

          Gleichstrom

          Vom Kohlekraftwerk bis zum Gebläse eines Haushaltsföns oder dem Antrieb eines Industrieroboters fließt heute Wechselstrom. Für eine Energiewelt, in der wenige zentrale Erzeuger vielen dezentralen Verbrauchern gegenüberstehen, hat dieses Prinzip der Stromübertragung schon einen Sinn. Künftig wird jedoch jedes Gebäude und über Energierückgewinnung sogar jede Maschine zum Stromerzeuger. Solarzellen und Akkus liefern aber immer Gleichstrom, der mit Verlust durch Wechselrichter in den vom Antrieb benötigten Wechselstrom gewandelt wird. Welche Vorteile ein Systemwechsel haben kann, untersucht derzeit das Forschungsvorhaben „DC-Industrie“ des Fraunhofer-Instituts für Produktionstechnik und Automatisierung, an dem sich unter anderem Daimler und Siemens beteiligen. Die ersten Gleichstrom-Hochspannungsleitungen, die Wasser- oder Windstrom über weite Strecken transportieren, sind schon in Betrieb.

          Autonomes Fahren

          Auch im Jahr 2030 braucht eine Technikredaktion noch des Fahrens kundige Journalisten. Doch immer häufiger werden sie während der Fahrt Notizen dazu machen, wie gut die Maschine das Lenken übernimmt. Die Basistechnologien für das autonome Fahren – von der Sensorik über die Rechenleistung bis hin zur Regelungssoftware – sind bereits vorhanden und werden in großen Kooperationen von den Autoherstellern weiterentwickelt. Doch die hohen Kosten für den selbstfahrenden Computer machen ihn auch 2030 nur dort zum Geschäftsmodell, wo ansonsten Gehälter für einen menschlichen Fahrer zu Buche schlagen: Im Güterverkehr sowie im öffentlichen Personentransport. Das Letztgenannte funktioniert auch in der Stadt, wie das von Hamburg initiierte Projekt „HEAT“ zeigen soll: Zum ITS-Weltkongress soll im Herbst 2021 ein autonomer Kleinbus mit bis zu 50 km/h auf öffentlichen Straßen durch die Hafen- City fahren.

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