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Ausblick bis 2030 : Laborsteak im Klimahaus

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Wertstoffrecycling

Nach dem Sendung-mit-der-Maus-Prinzip berichtet „Technik und Motor“ immer wieder darüber, wie Autos, Flugzeuge oder andere technische Apparate hergestellt werden. Im Jahr 2030 ist die Frage danach, was am Lebensende eines Geräts passiert, ebenso spannend geworden. Denn mit der Verteuerung von Energie und wachsendem Umweltbewusstsein wird es immer wirtschaftlicher, Rohstoffe aus Abfällen zu gewinnen, statt sie aus dem Boden zu holen. Deutlich wird das an der Batterie eines Elektroautos: In einem aktuellen Lithium-Ionen-Akku der 50-Kilowattstunden-Klasse, gut für rund 300 Kilometer Reichweite, stecken etwa zehn Kilo Mangan, elf Kilo Kobalt, 32 Kilo Nickel und mehr als sechs Kilo Lithium. Die Herausforderung bei jeglichem High-Tech-Müll liegt darin, die Rohstoffe aus komplexen Verbindungen wieder zu separieren. Die Basistechnologien wie spezielle Hochofenprozesse oder die Hydrolyse sind jedoch weit entwickelt.

High-Tech-Nahrung

Backöfen, die automatisch auf den Punkt garen, oder Kühlschränke, die ihr Innenleben über Handyverbindung preisgeben, erregen auf Fachmessen dieser Tage keine Aufregung mehr. Trotzdem wird eine Küche auch 2030 wie eine Küche aussehen – der wesentliche Unterschied besteht darin, was da brät, brutzelt und kocht. Denn nach Schätzung der UN-Ernährungsorganisation FAO muss die Nahrungsmittelproduktion bis zur Mitte des Jahrhunderts um 50 Prozent gesteigert werden, um die wachsende Weltbevölkerung mit den benötigten Kalorien zu versorgen. Allein durch Produktivitätssteigerungen ist das auf den bestehenden Anbauflächen nicht zu machen, die Agrarflächen müssten je nach Szenario um bis zu 21 Prozent wachsen. Dem entgegenwirken kann man nur durch konsequenten Vegetarismus – oder durch Fleisch aus dem Labor. Das Gemüse, ob Hauptgang oder Beilage, stammt aus vertikalen Farmen in Lagerhallengröße. Dort wächst es übrigens, mit LED-Licht in der richtigen Wellenlänge bestrahlt, deutlich schneller – und mit rund 50 Prozent weniger Energieeinsatz als auf dem Acker.

Intelligente Implantate

Die Lebenserwartung steigt, doch unweigerlich lassen Sehkraft und Gehör mit den Jahren nach. Nicht nur Sinnesorgane verlangen zunehmend nach Wartung oder Austausch, wobei das Ersatzteil manchmal mehr kann als das Original. Implantate, welche die Cochlea (Gehörschnecke) ersetzen und die über 2,4-Gigahertz-Funk direkt mit dem Smartphone verbunden werden können, sind heute bereits erhältlich. Die vom Bundesforschungsministerium mit vielen Millionen geförderte Entwicklung eines Chips, der die Retina (Netzhaut) ersetzt, scheiterte in der kommerziellen Umsetzung zwar jüngst, zeigte aber das Potential, das im Einsatz digitaler Medizintechnik steckt. Wenn die Basistechnologien einmal entwickelt sind, werden sie vermutlich nicht mehr nur zur Heilung eingesetzt, sondern auch zur Selbstoptimierung. Technikredakteure, die neue Produkte gern auf Herz und Nieren testen, stehen dann vor ganz neuen Herausforderungen.

Mark Weiser starb 1995. Daher konnte er nicht mehr erleben, dass er mit seiner Vision vom allgegenwärtigen Computer recht behalten würde – und auch nicht, dass er in einem entscheidenden Punkt die technische Entwicklung unterschätzte: Zwar konnte man mit dem von ihm erdachten Tablet schon Videokonferenzen durchführen. Doch dass es dafür nur ein hosentaschengängiges Smartphone braucht, ahnte er nicht. Deshalb legen wir uns diesen Beitrag auf Wiedervorlage. Für den 1. Januar 2030.

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