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Taucheruhren im Retro-Look : Mit Meerblick

  • -Aktualisiert am

Anonimo: Italianità wie Panerai, vergleichsweise günstig Bild: Häußermann

Anonimo und Certina tauchen mit neuen Zeitmessern in die Vergangenheit ein. Sie sind fürs Meer gemacht. Aber passen doch eher zum Anzug als zum Neopren.

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          Sprechen Fans über Taucheruhren mit italienischer Wurzel, geht es meist um Panerai. Das ist fraglos eine Marke mit großer Tradition und einem großen Freundeskreis, aber eben nicht der einzige Uhrenhersteller, der in Florenz gegründet wurde. Denn da gibt es auch noch Anonimo, eher unter Insidern bekannt und auch deutlich jünger. Gegründet wurde die Marke 1997, just in dem Jahr, als Panerai vom Richemont-Konzern gekauft wurde. Da blieben in Florenz und der toskanischen Umgebung einige Uhrenspezialisten und Zulieferbetriebe – nicht zuletzt ein kleiner, feiner Gehäusehersteller – übrig, für die Richemont keine Verwendung mehr hatte. Für den italienischen Geschäftsmann Federico Massacesi und eine weitere Handvoll toskanischer Uhrenenthusiasten war das ein unhaltbarer Zustand. Die Marke Anonimo war geboren.

          Die bietet die gleiche Italianità wie Panerai, aber zu vergleichsweise günstigen Preisen. Das Modell Nautilo Vintage, das sich bei uns vorstellte, ist für 2190 Euro wohlfeil. Selbst die günstigste Panerai, eine Radiomir Base, kostet mehr als das Doppelte. Dabei ist Anonimo alles andere als ein billiger Abklatsch, sondern kommt höchst eigenständig daher. Das zeigt sich schon am kissenförmigen 42-Millimeter-Gehäuse, das durch seine feine Verarbeitung gefällt. Die Krone ist von der klassischen Position Richtung vier Uhr gerutscht, flankiert von einem einseitigen, sichelförmigen Kronenschutz. Für den Retrolook sorgt der nur im Gegenuhrzeigersinn drehbare Tauchzeitring mit 60er-Teilung. Der ist aber mangels Minuteneinteilung zwischen 0 und 15 eher als Zierde geeignet.

          Obgleich die Uhr bis 20 bar (200 Meter Wassertiefe) druckfest ist, wird sie kaum jemand ins Wasser mitnehmen. Mit ihrem hellbraunen Band aus italienischem Leder passt sie eher zum dunkelblauen Business-Anzug als zum Neopren. Als Antrieb dient ein solides Schweizer Automatikwerk, das Kaliber SW200-1 von Sellita. Das überzeugte während unseres Tragetests durch gleichmäßigen Gang und erfreuliche Präzision. Und auch der Tragekomfort gefiel, nicht zuletzt wegen des handschuhweichen Lederbandes.

          Certina: Ein Band aus dem Meer, nun ja. Ansonsten recht fein.
          Certina: Ein Band aus dem Meer, nun ja. Ansonsten recht fein. : Bild: Häußermann

          Das können wir zum zweiten Vertreter der Retro-Taucher-Riege nur eingeschränkt sagen. Schließlich wird die Certina DS Super PH500M serienmäßig mit einem Textilband ausgeliefert, das zur Befestigung unter dem Gehäuse durchgeschleift wird. Das erhöht die mit 15 Millimetern ohnehin nicht gerade flache Uhr um weitere drei Millimeter und macht sie obendrein etwas kopflastig. Das Band besteht aus recyceltem, aus dem Ozean gefischten Kunststoff, beruhigt das ökologische Gewissen des Trägers, belastet aber den Tragekomfort. Wir würden uns eher für ein optional erhältliches Kautschukband entscheiden.

          Sonst gibt es an der Certina nichts zu mäkeln, ganz im Gegenteil. Der geforderte Preis von 860 Euro oder wahlweise 895 Euro mit Kautschukband ist angesichts des Gebotenen gut wettbewerbsfähig. Schließlich liefert die Swatch-Group-Tochtergesellschaft hier ein solide verarbeitetes Produkt mit einem 43-Millimeter-Edelstahlgehäuse, das bis 50 bar (500 Meter) dicht hält. Das Saphirglas ist entspiegelt, der Tauchring ist gegen unbeabsichtigtes Verdrehen gesichert und kann mit nur leichtem Druck von oben gegen den Uhrzeigersinn gedreht werden.

          Auch wenn die DS Super PH500M ein Vorbild aus den 1960er Jahren nachahmt, das seinerzeit während eines Unterwasserforschungsprojekts eingesetzt wurde, ist sie im Grunde eine alltagstaugliche Sportuhr auf der Höhe der Zeit. Dafür spricht schon allein das Uhrwerk Powermatic 80.611 der Konzernschwester ETA mit 80 Stunden Gangautonomie und einer antimagnetischen Spiralfeder, das hinter einem Glasboden ausgestellt ist. Uns hat das Gesamtpaket gut gefallen. Und das Band lässt sich ja problemlos und günstig tauschen.

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