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Taschenlampen im Test : Es ist die helle Freude

  • -Aktualisiert am

Die getesteten Modelle Bild: Marcus Kaufhold

Im Steinbruch von Dossenheim haben wir Taschen- und Stirnlampen ausprobiert. Das Model flimmert, der Fotograf strahlt, und dann schwirrt auch noch eine Schulklasse herbei.

          7 Min.

          Das Maß aller Dinge hatte morgens um vier bei der Zeltlager-Nachtwache einen Namen: Maglite. Sie war der Suchscheinwerfer fürs Handgelenk und der Schrecken all jener, die sich im Dunkeln vor ihr verstecken wollten. Heute leuchtet ihr Nimbus nicht mehr so hell. Längst stellen andere Taschen- und Stirnlampen die Maglite in den Schatten.

          Wir sind also im Dossenheimer Steinbruch in der Nähe von Heidelberg und testen uns quer durch die Produktpalette der Taschen- und Stirnlampen. Glücklicherweise ist es nicht so gruselig wie in Ingrid Nolls Krimi „Der Hahn ist tot“, in dem dieser Ort eine Rolle spielt.

          Zum Glück werden wir auch von den Wildschweinen in Ruhe gelassen, die im Steinbruch ihr Unwesen treiben. Vielleicht ahnen sie, was ihnen blühen würde: Einige Testlampen haben einen Stroboskopmodus, der zur Selbstverteidigung dient und die Augen derart irritiert, dass es vermutlich sogar jede Sau grausen würde.

          Hyperreal aber angenehm

          Ein ungestörtes Naturerlebnis finden wir trotzdem nicht, denn hierzulande gilt ja, und zwar ganz egal wo, dass eigentlich immer jemand in der Nähe ist. Und irgendwann brummt immer ein Auto um die Ecke – auf den steilsten Hängen und den engsten Wegen. Im stillgelegten Dossenheimer Steinbruch hält eine Schranke die Autos fern. Doch gerade wuseln zwei ältere Damen mit Stirnlampen daher.

          Eigentlich passt das prima zum Text. Uneigentlich passt es gar nicht, weil wir gerade die großen Wummer aus dem Lampenarsenal testen möchten. Als die Stirnlampenfrauen von dannen ziehen und wieder Dunkelheit herrscht, ballern wir den Strahl der LED Lenser X21R.2 auf die Felswand. Die liegt etwa 100 Meter entfernt, doch die Lampe formt einen dicken Lichtfinger, der die Dunkelheit brutal von der Wand reißt.

          Falls dort Vögel nisten, sind sie nun wahrscheinlich für den Rest ihres Lebens traumatisiert. Wenn man die Lampe auf einen etwa 30 Meter entfernten Hügel richtet, wird die gesamte Umgebung nicht taghell, sondern „heller als Tag“, wie unser osteuropäischer Ko-Tester bemerkte. Die Lampe wirft tatsächlich ein hyperreales Licht, das allerdings nie unangenehm wirkt.

          Nur James Bond kann es verhindern

          Aber wer braucht diese Strahlkraft? Alpinisten, um der Ricola-Packung Lebwohl zu leuchten, die in die Schlucht gefallen ist? Aberwitzig, denn die X21R.2 ist gut 40 Zentimeter lang, mehr als ein Kilo schwer und somit nichts für Wanderer oder Camper. Eher empfiehlt sie sich für all die Eremiten und Survivalists, die im Wald leben und in keinem Telefonbuch stehen. Vermutlich würden Überlebenskünstler aber zur krisenfesten Sunartis Everlight Twist F379A greifen.

          So eine Lampe wird auch von Leuten empfohlen, die im Netz darüber informieren, wie man sich gegen ein „EMP-Ereignis“ wappnet. Im James-Bond-Film „Golden Eye“ soll ein „EMP-Ereignis“ von einer im Weltall gezündeten Atombombe ausgelöst werden: Der elektromagnetische Puls würde alle strombetriebenen Geräte auf der Erde lahmlegen. Nur James Bond kann etwas gegen solche Schrecknisse ausrichten – Otto Normalbürger ist zum Zuschauen verdammt.

          Oder er fabuliert im Netz über die „Zehn Dinge, die man vor einem EMP machen sollte“. Apokalypse-Profis besorgen sich demnach ein Handbuch, das erklärt, wie man aus Haushaltsgegenständen einen Generator baut. Um das Handbuch zu lesen, brauchen sie eine manuell ladbare Taschenlampe wie die Sunartis Everlight Twist.

          Kein Tag sondern Disko

          Zehn Mal am Schaft gedreht – und schon spendet sie für einige Minuten Licht. Wir hatten keine Leuchtorgie erwartet, trotzdem war die Lichtqualität ernüchternd. Die Everlight Twist erzeugt ein trauriges Licht, das sich eigentlich nur zur Orientierung eignet. Dem iPhone im Taschenlampenmodus muss sich die Everlight Twist geschlagen geben.

          Immerhin ist die männerhandgroße Lampe angenehm zu greifen. Als Notleuchte fürs Ferienhaus keine schlechte Wahl, doch Begeisterung ruft sie nur bei Apokalypse-Idioten hervor. Ob Apokalypse-Angst therapierbar ist, wissen wir nicht.

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