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Schlangen vor den Fahrradläden : 435 Räder an einem Samstag

Der Niederlassungsleiter von Stadler in Frankfurt spricht von einer Stampede. Und Nachschub ist nicht in Sicht. Bild: Holger Appel

In den Fahrradläden ist die Hölle los. Händler können nicht mehr liefern. Die Werkstätten sind ausgebucht.

          3 Min.

          Es gibt Gewinner der Corona-Krise. Das private Auto, weil es Sicherheit vor Ansteckung verspricht. Und das Fahrrad. Landauf, landab berichten Händler von in die Läden stürmenden Kunden, „ausverkauft“ und „Lieferzeit“ sind die am meisten gehörten Wörter. In der Niederlassung Frankfurt der Handelskette Stadler sieht es aus wie nach einem Raubüberfall. Gewöhnlich verkauft Stadler dort an einem Samstag, dem umsatzstärksten Wochentag, rund 60 Räder. Am stärksten Samstag nach der Wiedereröffnung Ende April waren es 435. An einem Tag. In der Folge habe sich der Verkauf bei 300 Rädern je Samstag eingependelt, sagt Filialleiter Robert Raguz, mit dem Zusatz: „Als wir noch Räder hatten“. Denn der Nachschub geht aus. Raguz spricht von einer Stampede in den vergangenen vier Wochen, auf die niemand vorbereitet gewesen sei. Und nein, gesund sei das nicht. Was er im doppelten Sinne meint. Der Umsatzzuwachs sei natürlich klasse, aber das Geschäft könne mit dem Tempo nicht Schritt halten, die haufenweise Überstunden schiebenden Mitarbeiter auch nicht.

          Holger  Appel

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Technik und Motor“.

          Weil wegen der Hygieneregeln nicht alle Kassen und Beratungsplätze geöffnet haben, gehören endlose Schlangen zum Alltag. Das Verständnis der Kunden für wochenlange Lieferzeiten halte sich in engen Grenzen, sagt Raguz. Seine Sorgen werden nicht kleiner, frühestens Mitte Juli erwartet er neue Ware. Die Lieferketten waren oder sind unterbrochen. In Südostasien, wo viele Rahmen und Teile herkommen, standen Fabriken acht Wochen lang still. Und wie es in einer Branchenrunde des Pressediensts Fahrrad (PDF) diese Woche hieß, ist die Industrie von Normalform weit entfernt. Noch immer stünden viele Seecontainer nicht dort, wo sie sein sollten. Noch immer könnten viele Schiffe nicht auslaufen. Mancher Hersteller hat in seiner Not die Logistik umgestellt und holt die Ware nicht mehr mit dem Schiff, sondern mit dem Zug. Das spare drei Wochen Weg. Wenn Zeit Geld ist, lohnt sich das offenbar.

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