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Stretchhosen für Männer : Dehnt sich so schön

Kann man machen, muss man aber nicht: Der Herr trägt Stretchhosen. Bild: Shaping New Tomorrow

Stretch ist aus Sportkleidung nicht mehr wegzudenken. Doch auf der Straße und im Büro kommt der Stoff nicht richtig an. Das wollen Unternehmen ändern, die auf ein Kleidungsstück setzen: die Herrenhose.

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          Karl Lagerfeld hatte recht. „Wer eine Jogginghose trägt, hat die Kontrolle über sein Leben verloren.“ Dass Menschen sie dennoch anziehen, hat einen guten Grund. Diese Hosen sitzen einfach bequem. Sie dehnen sich, wenn die Beine mal woanders hinwollen, als es die Form vorgibt. Doch aus der Jogginghose wird schnell eine Schlabberhose, weil sich die Baumwolle nicht mehr zu ihrer ursprünglichen Form zurückbewegt und an Knie und Hintern ausbeult. Also schlüpfen viele Menschen erst nach der Arbeit aus ihren zähen Jeans oder zwickenden Anzughosen erleichtert in ihre Jogginghosen. Doch es gibt Hosen, die beides sind: bequem und schick – sogar tauglich für den Businesslook.

          Marco Dettweiler
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Die Lösung heißt Stretch. Bekannte Marken wie Boss, Diesel, Zegna und einige weitere führen Produkte mit Stretchanteil schon länger. Jedoch muss man nach solchen Kollektionen gezielt suchen. Charly Diehl hat in seinem alteingesessenen Frankfurter Bekleidungsgeschäft einige Sakkos und Hemden verschiedener Hersteller hängen, die sich bequemer tragen als Kleidungsstücke aus klassischen Materialien. „Stretch ist bei Frauen schon lange ein Trend. Auch bei Männern gibt es mittlerweile eine gute Auswahl. Aber Stretch kommt bei denen nicht so richtig an und wird von den Männern auch selten nachgefragt“, sagt Diehl.

          So nimmt er spontan ein Jersey-Sakko der japanischen Marke „D by D*Syoukei“ von der Stange, das sich ordentlich dehnt, wenn man sich darin bewegt. Was Diehl nicht im Sortiment hat, sind Hosen dieser Art. Diese Nische versuchen nun Unternehmen zu besetzen, denen man allerdings eher auf Facebook und Instagram begegnet als im klassischen Bekleidungshaus. Sie heißen L’Estrange London, Mr Marvis oder Shaping New Tomorrow. Sie werben mit jungen Menschen, die in ihren Hosen über Geländer springen, Rad fahren und sie nur zum Schlafen ausziehen.

          Die reine Baumwolle gibt der Hose die Farbe, deren Fäden wie in einem schwarzen Fundament immer wieder auf- und abtauchen. Bilderstrecke
          Stretchhosen : Dehnt sich so schön

          Die Materialzusammensetzung solcher Hosen ist kein Geheimnis. Fast immer bestehen sie zu 97 Prozent aus Baumwolle und zu drei Prozent aus Elasthan. Letzteres ist eine chemisch hergestellte Faser, die manchmal auch Spandex oder Dorlastan genannt wird. Lycra heißt sie dann, wenn sie vom amerikanischen Unternehmen Dupont hergestellt wird. Diese Kunstfaser ist sehr elastisch und besteht zu 85 Prozent aus Polyurethan. Sie kann bis auf das Siebenfache ihrer Länge gedehnt werden. Ein klarer Vorteil gegenüber Naturstretch: So bezeichnet man Baumwolle, Schurwolle oder Garn aus anderen Stoffen, die so verwebt sind, dass sich das Kleidungsstück etwas dehnt. Unter starker und häufiger Belastung leiert der Stoff jedoch aus, weil er sich nicht gummiartig wie Elasthan auf die ursprüngliche Länge zurückziehen kann.

          „Elasthan hat schon mehrere Lebenszyklen hinter sich“, sagt Klaus Meier. Er ist Professor für Textiltechnologie an der Hochschule Reutlingen. Anfang der sechziger Jahre sei Elasthan sehr beliebt gewesen, ebenso in den siebziger Jahren. „Der Stoff hat sich überall im Modebereich etabliert“, sagt Meier. Elasthan steckt vor allen Dingen in Badeanzügen und -hosen, BHs, Unterhosen, Strümpfen, Leggings oder Radlerhosen. In diesen Kleidungsstücken ist der Elasthananteil recht hoch, was einen Nachteil hat. Sie sind nicht mehr so atmungsaktiv.

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