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Licht gestalten : So leuchtet die Straße in Zukunft

LED ersetzt Natrium- und Quecksilberdampf

Für die seit den dreißiger Jahren überwiegend verwendeten Quecksilberdampf-Hochdrucklampen gilt das freilich nicht. Sie arbeiten mit einem Betriebsdruck bis 10 bar, den sie mit der Erwärmung aufbauen. Nach dem Start geben diese Lampen zunächst kaum Licht ab, bis ausreichend Quecksilber verdampft ist. Sie brennen mit einer blaugrünen Lichtfarbe. Nachteil ist die relativ geringe Lichtausbeute von rund 50 lm je Watt. Außerdem zieht das abgestrahlte UV-Licht Insekten an, diese wiederum Spinnen, beides zusammen bedeutet erhöhten Reinigungsaufwand. Der Farbwiedergabeindex (Ra) ist mit etwa 50 auch nicht überzeugend (Glühlampen erreichen bis 100). Etwas mehr als ein Viertel der Straßenbeleuchtung in Deutschland sind immer noch veraltete Quecksilberhochdrucklampen, in Europa ist es ein Drittel. Da sie seit dem vergangenen Jahr nicht mehr verkauft werden dürfen, werden sie nach und nach durch modernere Leuchtmittel ersetzt.

Das waren bisher überwiegend Natriumdampfhochdrucklampen. Sie starten mit einem schummerigen Rotlicht und brauchen einige Minuten, bis sie insektenfreundlich in hellem Orange erstrahlen. Dieser Lampentyp erreicht bis zu 140 lm je Watt. Im Betrieb wird er allerdings sehr heiß. Die Lebensdauer wird mit etwa 30.000 Stunden angegeben, was den gegenüber den Quecksilberlampen (rund 15.000 Stunden) deutlich höheren Preis etwas relativiert, allerdings mögen solche Lampen häufiges An- und Ausschalten nicht. Im Handel übliche Modelle haben 35 bis 400 Watt. Nachteil ist die relativ schlechte Farbwiedergabe (Standard ist Ra 30), allerdings gibt es verbesserte Ausführungen mit einem höheren Index.

Die alte Gaslaterne ist stimmungsvoll aber schwach. Bilderstrecke
Die alte Gaslaterne ist stimmungsvoll aber schwach. :

Doch die Entwicklung geht weiter, und längst hat die LED auch in der Straßenbeleuchtung Einzug gehalten. Die ist im Preis inzwischen konkurrenzfähig und erreicht durch ständige Verbesserung nun ebenfalls bis zu 140 lm je Watt - die Energieeffizienz wurde in den vergangenen vier Jahren um rund 50 Prozent gesteigert. Von einer Handvoll Hersteller werden LED-Straßenleuchten in Versionen bis 180 Watt und 22.000 lm angeboten. Zwei Drittel der verkauften Straßenbeleuchtung seien inzwischen LED, sagt Zembrot.

LED hat eine Reihe von Vorteilen

Der Anteil am Bestand wächst, derzeit dürften es etwa 14 Prozent sein. Denn die LED hat auch auf der Straße eine Reihe von Vorteilen: Sie ist dimmbar, ständiges Schalten macht ihr nichts aus. Die Lichtfarbe kann den Erfordernissen angepasst werden, und die Leuchten sind auch mit Leistungen von weniger als 50 Watt erhältlich – wenn zum Beispiel in Anwohnerstraßen nicht viel Licht gebraucht wird. Die Farbwiedergabe ist mit Ra 70 bis 80 deutlich besser als die der Quecksilberdampf- und Natriumdampflampen. Da sie kein UV-Licht ausstrahlen, werden Insekten kaum angezogen, der Reinigungsaufwand ist dadurch gering. Beim Recycling fällt kein giftiges Schwermetall an. Und die relativ kleinen LED gestatten vielfältige Formen der Leuchten.

Protzen kann die LED außerdem mit ihrer Lebensdauer: 50.000 bis 100.000 Stunden verspricht Trilux je nach Produkt, das sind etwa acht bis 25 Jahre ununterbrochener Betrieb. Dann sollen immer noch 80 Prozent der ursprünglichen Leuchtkraft vorhanden sein. Denn auch die LED altert, vor allem unter Hitzeeinwirkung. Immer noch wird etwa die Hälfte der eingesetzten elektrischen Energie in Wärme umgesetzt – bei der Glühlampe sind es 95 Prozent. In unseren Breiten sei das kein Problem, sagt Zembrot, in südlichen Ländern vielleicht schon.

Die Vielseitigkeit der Leuchtdiode gibt zugleich Raum für Zukunftsvisionen: Durch intelligente und vernetzte Außenbeleuchtung ließe sich das Licht besser an den Bedarf anpassen und so weiter Energie sparen. Router und Repeater eines öffentlichen W-Lan-Netzes könnten in Leuchtmasten eingebaut werden, sagt Zembrot, und auch Ladestationen für Elektrofahrzeuge. Und sogar die Parkplatzsuche soll die Außenbeleuchtung der Zukunft vereinfachen; Sensoren am Lichtpunkt erkennen dann freie Plätze und melden sie über App an das suchende Fahrzeug.

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