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Stiftung Warentest : Wie aus Messen Verurteilen wird

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Wichtig ist, dass die Stiftung Warentest Fahrräder als Ganzes praxisnah testet und nicht nur Einzelteile prüft. Man gewinnt den Eindruck, bei solchen Tests stehe immer noch ein Sportgerät auf dem Prüfstand und kein Verkehrsmittel. Hier sollte ein Umdenken einsetzen.“ Deutlicher wird da schon Albert Herresthal, Vorsitzender des Verbunds Service und Fahrrad (VSF): „Die Stiftung Warentest hat die wichtige Aufgabe, Verbraucher objektiv zu informieren und sie bei der Marktbeurteilung zu unterstützen. Beim letzten E-Bike-Test ist allerdings das Gegenteil davon herausgekommen, nämlich eine Verunsicherung der Verbraucher durch dramatisch aufgemachte Testergebnisse, die sachlich kaum nachzuvollziehen sind.“ Überrascht vom lange nachhallenden Echo gerade dieser Untersuchung zeigt sich auch Holger Brackemann, als Bereichsleiter für Untersuchungen zuständiges Mitglied der Geschäftsleitung der Stiftung: „Sehr ungewöhnlich.“

Der Test verunsicherte viele

Es ist allerdings nicht das erste Mal, dass sich Widerspruch gegen einen die Fahrradbranche betreffenden Test der Stiftung regt. Im Mai 2010 ging es um Kinderanhänger: Vier von sieben wurden wegen Schadstoffen in Sitzen, Gurten und Verkleidung als mangelhaft bewertet. Der Test verunsicherte viele Eltern, nicht zuletzt wieder infolge nachgedruckter Ergebnisse mit knalligen Überschriften wie „Anhänger im Test: Gift am Haken“.

Der Göttinger Pressedienst Fahrrad, der sich, unter anderem von der Industrie unterstützt, der Förderung des Qualitätsfahrrads widmet, hakte nach. Es ergab sich, dass zum einen die Stiftung Warentest für die Schadstoffe einen Grenzwert angenommen hatte, als ob es sich bei der Verkleidung eines Fahrradanhängers um einen Schnuller handele. Andererseits hatte die Stiftung nicht untersuchen lassen, ob die Schadstoffe aus dem Material austreten und vom Körper aufgenommen werden können. Ein sogenannter Migrationstest beim TÜV Rheinland ergab: Die behauptete Gesundheitsgefährdung sei „nahezu ausgeschlossen“.

Die ominöse Störspitze bei 68 MHz: Dieses Ergebnis der EMV-Messung im Auftrag der Stiftung hat sich bei Nachmessungen nicht reproduzieren lassen. Nach zähem Verhandeln wurde wenigstens der Online-Testbericht von der Stiftung korrigiert

Im Falle des Pedelec-Tests machten sich gleich mehrere Unternehmen an Nachprüfungen. Bei Biketec versuchte man theoretisch und praktisch, den Bruch des Ausfallendes zu begreifen: Dass ausgerechnet der C-Flyer, ein viel von touristischen Verleihern eingesetztes Rad, und noch dazu auf der linken und nicht auf der Kettenseite, am Ausfallende eine gefährliche Schwachstelle haben sollte, glaubte man im Kanton Bern so wenig wie in der sogar amüsiert reagierenden Branche: „Wenn das bei E-Bike-Primus Flyer so wäre, wüsste das doch jeder“, wurde gewitzelt.

Ernüchterndes Fazit

Das rechnerische Ergebnis von Computersimulationen und von brutalen Testfahrten eines 120-Kilogramm-Radlers ergab: Um das Ausfallende brechen zu lassen, muss man den Rahmen fest und nicht entsprechend der Norm EN 14764 federnd einspannen. Das führt zu einer mehr als vierfach höheren Beanspruchung, und zwar auf der linken Seite in der Nähe der Einspannstelle. In der Praxis ergibt sich eine solche Beanspruchung nicht einmal, wenn der schwere Fahrer über eine Bordsteinkante donnert. Linkes und rechtes Ausfallende werden auch nicht so unterschiedlich beansprucht wie in der von der Stiftung ausgewerteten Testanordnung.

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