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Sprengung des AfE-Turms : Wenn das Max und Moritz wüssten

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Sitzt, passt, wackelt und fliegt in die Luft: An diesem Sonntag ist der AfE-Turm in Frankfurt dran Bild: picture-alliance / dpa

In Frankfurt flog am Sonntag der AfE-Turm in die Luft. Gesprengt wird freilich seit Jahrhunderten. Und das nicht nur mit Sprengstoff.

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          Wenn der geneigte Leser sich über diesen Artikel hermacht, dann hat es in Frankfurt möglicherweise längst geknallt. Um genau zehn Uhr in der Früh sollte an diesem Sonntag der 116 Meter hohe AfE-Turm, mitten in der Innenstadt, auf dem Unigelände in Bockenheim in ein eigens eingerichtetes Fallbett sinken. Mit großer Wahrscheinlichkeit ist alles wie geplant abgelaufen. Nur hundert Prozent sicher kann man sich nie sein, wenn Technik im Spiel ist. So ist bei Sprengungen auch schon vieles schiefgelaufen: Schornsteine fielen in die „falsche“ Richtung, Gebäude sackten nur zum Teil in sich zusammen, oder Bunker aus dem Zweiten Weltkrieg, mit ihren mehrere Meter mächtigen Wänden und Geschossdecken, blähten nur kurz die Backen, obwohl man sie für die Sprengung randvoll mit Sprengstoff gefüllt hatte.

          Zerstören, Abreißen und Abtragen von (Gesteins-)Material - mit Hilfe von Brand- und Sprengmaterial - hat eine lange Tradition. Mit Griechischen Feuern, das waren mit Schwefel, Pech und Harzen gefüllte Behälter, die man gegen feindliche Behausungen schleuderte, versuchte man diese in Brand zu setzen. Bei der Belagerung von Harfleur durch die Engländer 1415 und beim Angriff der Türken auf Wien im Jahr 1529 sollen bereits ausgetüftelte Sprengbomben im Einsatz gewesen sein. Deutlich bessere Ergebnisse wurden erzielt, nachdem man das in China erfundene Schwarzpulver Ende des elften Jahrhunderts in Europa wiederentdeckte. Als dann 1864 Alfred Nobel den ersten sprengkräftigen Zünder baute und drei Jahre später mit Dynamit den ersten handhabungssicheren (brisanten) Gesteinsprengstoff zusammenmixte, konnte es so richtig losgehen. Nichts war mehr sicher. Mit seinem wenig später aus Dynamit und Nitroglyzerin zusammengerührten (gelatinösen) Ammonsalpeter setzte Nobel noch einen drauf. Ein Sprengstoff, der bis heute gern zum Sprengen von Bauwerken eingesetzt wird.

          Von solch kolossalen Sprengkräften konnten die Römer vor rund 2000 Jahren nur träumen, als sie im vorderen Odenwald, im Felsenmeer, aus Dioritgestein unter anderem mächtige Säulen herausarbeiteten, von denen Bruchstücke im Mauerwerk des Trierer Doms und im Brunnenhaus des Heidelberger Schlosses zu finden sind. Auch die Römer sprengten schon. Und zwar bedienten sie sich wassergetränkter Holzkeile, die sie in entlang der angepeilten Bruchlinie in zuvor mühsam geklopfte Löcher stopften, um im folgenden Winter dann die Ausdehnungskräfte des zu Eis gefrorenen Wassers zu nutzen.

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          Gesprengt wird im Bergbau. Beim Auffahren eines Tunnels wird immer dann Sprengstoff eingesetzt, wenn das Arbeiten mit Vollschnitt-Tunnelbohrmaschinen (TBM) zu aufwendig und zu teuer ist. Bodenschätze werden in Tagebauten aus der Erde gesprengt, und mit Hilfe der Sprengtechnik lassen sich Metalle verbinden. So nutzt man für das Anstückeln von Freileitungs-Hochspannungskabeln Sprengmuffen - nicht in Zentraleuropa, sondern in den klimatisch rauhen Regionen Islands und Kanadas. Dazu werden die Kabel über die Masten gezogen. Erst dann lässt man es krachen: Durch die großen Sprengkräfte und die dabei auftretenden hohen Temperaturen verbacken die Kabelenden mit den Muffen fugenlos, so dass kein Wasser eindringen und keine Korrosion auslösen kann.

          Explosionen haben schon immer auch etwas Faszinierendes. Nur so ist zu erklären, dass zum Jahreswechsel rund um den Globus zig Millionen Raketen und Leuchtfeuer in den Abendhimmel geschossen werden. Vielen reicht es, wenn es nur ordentlich kracht. Mitunter stecken sie die Böller gar in aufgedrehte Wasserhydranten und Mülltonnen, wohl wissend, damit die Sprengwirkung gefährlich zu steigern. Auch Max und Moritz, diese Bösen, haben gesprengt. Sie füllten ihrem Lehrer Lämpel Flintenpulver in die Meerschaumpfeife, mit verheerender Wirkung: „Nase, Hand, Gesicht und Ohren sind so schwarz als wie die Mohren, Und des Haares letzter Schopf ist verbrannt bis auf den Kopf“.

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