https://www.faz.net/-gy9-8ebqs

Marke Eigenbau : So baut man sich eigene Ski

Da steckt viel Arbeit drin: Unsere Selbstbau-Skier mit „Technik und Motor“-Design. Bild: Wille

Die exklusivste Art, sich einen neuen Ski zuzulegen? Das ist, ihn selbst zu bauen. Aber lohnt die Mühe? Taugt das Ergebnis etwas? Wir haben es ausprobiert.

          Am Anfang bekommt jeder einen Werkzeugkasten. Profiversion aus Metall, mit Schraubzwingen drin, Kantenbieger, Schutzbrille und einigem mehr. Damit ist schon mal klar: Das hier ist kein Lullifax. Die Leberkäs-Semmel in der Mittagspause wird man sich ehrlich erarbeiten müssen.

          Walter Wille

          Redaktion „Technik und Motor“

          Anderthalb Tage intensiven Werkens stehen bevor, als sich die Gruppe am Samstagmorgen um halb neun in der Werkstatt versammelt. Die steht in Farchant, wenige Kilometer von Garmisch-Partenkirchen entfernt. Hinter der ehemaligen Schreinerei murmelt ein Bach vorbei, man genießt den Zugspitzblick und einen würzigen Duft in der Luft, für den ein Kuhstall in der Nähe sorgt. Wohlige Zweckmäßigkeit strahlen die Räume aus, in denen sich neben Utensilien und Gerätschaften aller Art auch eine ältere Maschine findet, mit der sich Kaffee zubereiten lässt. Gute Sache um diese Uhrzeit.

          Gezeichnete Liebe zum Detail: Unter einem Brandloch schaut eine Schraube hervor. Bilderstrecke

          Es ist ein uriger Ort, den sich drei Burschen um die 30 ausgesucht haben für ihr Business namens "Build 2 Ride": Skier und Snowboards zum Selberbauen lautet das Geschäftsmodell. Kunden kommen nach Farchant und tun Dinge, die sie noch nie getan haben, bis sie am Sonntagnachmittag ihre Bretter fix und fertig in der Hand halten. Damit das auch gelingt, erhalten sie tatkräftige Unterstützung durch kundige Helfer wie den Michi und den Jakl. Denn Skibau ist für Laien keine banale Angelegenheit.

          Dem Sebastian, 23, war das vorher klar. "Ich hab ein bisschen Schiss gehabt, als ich hergefahren bin", sagt der Student aus der Oberpfalz. Er will sich ein Paar Freeride-Latten bauen, breit und bunt. Deren gesamte Oberseite soll ein Foto schmücken, das ihn selbst beim Freeriden zeigt. Das Motiv hat er zuvor auf eine Stoffbahn drucken lassen.

          Vieles ist denkbar, was das Design, die Form und die Eigenschaften der Bretter betrifft. Der Robert aus München plant ein Paar Racecarver mit bayerischem Landeswappen auf weißblauem Rautenmuster. Acht Männer und eine Frau sind es an diesem Wochenende, fast alle haben die Teilnahme am Skibau-Seminar zum Geburtstag geschenkt bekommen. Etwa die Hälfte wählt schlichtes, edel anmutendes Holzfurnier als Oberfläche: Zirbe, Mahagoni, Eiche, Nussbaum, Zebrano, Pinie sind vorrätig.

          Vielfältige Möglichkeiten: Was auf den Skiern zu sehen ist, entscheidet die künstlerische Freiheit.

          Der handwerklich etwas eingerostete Zeitungsmann aus Frankfurt hat sich vorgenommen herauszufinden, ob sich bei Build 2 Ride auch schwierige Fälle lösen lassen. Ein 185 Zentimeter langer, in der Mitte satte 100 Millimeter breiter Tiefschnee- und Tourenski soll es werden, der zugleich auf präparierter Piste ordentlich funktioniert. Nicht zu hart und nicht zu weich also, nicht zu leicht und nicht zu schwer. Die Schaufel auf stattlicher Länge gerockert (leicht hochgebogen), damit der Ski im Sulz und Pulver schön schwimmt, von da an bis zum Heck ausgeprägte Vorspannung, damit die Kante auch auf steilem, festem Untergrund greift - so lautet die Wunschliste. Die bekannten Marken der Ski-Industrie bieten solche Vielseitigkeitswunder an.

          Was es in der Serienfertigung nicht gibt, ist ganz und gar auf den Nutzer zugeschnittene Ware, einschließlich des Designs. Die Zeitungslatten sollen auf Ober- wie Unterseite auf voller Länge den Schriftzug "Frankfurter Allgemeine" tragen, aber nur soeben zu entziffern, wenn man die Skier dicht nebeneinander hält. Durch "Brandlöcher" mit Schmauchspuren fällt der Blick scheinbar ins Innere auf Schrauben, Federn, Zahnräder - "Technik und Motor" unterm Mantel der F.A.Z. sozusagen. Die Idee dazu hatte Markus Lehmann vom Hamburger Unternehmen "Freaks of Fashion", das spezialisiert ist auf individuell bedrucktes Vliesmaterial für die Bretter von Wellenreitern, Stehendpaddlern, Snowboardern und Skifahrern. Für unsere Vliese zum Einlaminieren wurden 140 Euro berechnet. Merke: Es geht beim Selbstbau nicht darum, Geld zu sparen. Billig ist das keineswegs, wie man noch sehen wird.

          Stahlkanten lassen sich nicht gerne verbiegen

          Als der Michi und der Jakl den Kandidaten Beläge und Stahlkanten auf die Arbeitstische legen, wird es ernst. Die Kanten müssen so gebogen werden, dass sie spaltfrei am Belag anliegen, um dann mit Sekundenkleber und Klammern fixiert zu werden. Das ist schon mal eine Herausforderung, denn die Stahlkanten wehren sich mit allen Mitteln dagegen, verbogen zu werden, insbesondere an den Rundungen der Schaufel und des Hecks.

          Weitere Themen

          Samsung präsentiert faltbares Smartphone Video-Seite öffnen

          Galaxy Fold : Samsung präsentiert faltbares Smartphone

          Smartphone und Tablet in einem: Als erster großer Hersteller präsentiert Samsung ein faltbares Mobilgerät. Mit dem Galaxy Fold wollen die Südkoreaner zeigen, dass der hart umkämpfte Smartphone-Markt immer noch für Innovationen gut ist.

          Imposante Flugmanöver Video-Seite öffnen

          Präsentation von Neuheiten : Imposante Flugmanöver

          Bei der „Aero India“ in Bangalore zeigen militärische und zivile Luftfahrtindustrie ab Mittwoch, was sie zu bieten haben. Überschattet wurde die Messe von einem Unfall bei Übungen zur Flugschau.

          Topmeldungen

          Das Duo „S!sters“ gewinnt den deutschen Vorentscheid zum Eurovision Song Contest.

          Vorentscheid zum ESC : Zusammengecastet für Tel Aviv

          Mit „S!sters“ gewinnt ein Duo den deutschen Vorentscheid für den ESC, das weder sich selbst noch seine Musik gut kennt. Ob die Sängerinnen mit ihrem eher gewöhnlichen Song beim Finale in Israel punkten werden, ist fraglich.

          Resolution gegen Notstand : Trump droht mit Veto

          Vor einer Woche hatte Präsident Trump den Notstand ausgerufen, um die von ihm versprochene Mauer an der Grenze zu Mexiko bauen zu können. Die Demokraten wollen die Maßnahme nun im Kongress kippen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.