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Frohes Schaffen! : So arbeitet man bei Microsoft und Google

Unterschied zwischen Einzelarbeit und Teamwork

So verspielt geht es bei Microsoft nicht zu. Es gibt auch keinen Kicker und keinen Billardtisch. In München spielt man allenfalls mit den Begrifflichkeiten. Sabine Bendiek spricht immer wieder vom „Work-Life-Flow“, den der „Smart Workspace“ des neuen Quartiers garantiere. Was nach üblicher PR-Sprache klingt, hat aus wissenschaftlicher Perspektive Hand und Fuß. Microsoft hatte das Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO) damit beauftragt, die Stockwerke und Räume zu gestalten. Das daraus hervorgegangene Konzept unterscheidet zunächst zwischen Einzelarbeit und Teamwork. Daraus ergibt sich für den Mitarbeiter, in welchen Bereichen er sich im Stockwerk aufhält. Hat er nur mit sich zu tun, kann er konzentriert Aufgaben abarbeiten oder entspannt planen. Tut er sich mit anderen zusammen, muss die Gruppe entscheiden, ob sie sich über Projekte unterhält oder im Dialog Lösungen finden. Diese vier Zonen gibt es in jeder Etage des Gebäudes. Wer im Gebäude wandert, nimmt seine Gegenstände mit, in der Regel ist das ohnehin nur ein Notebook. Der Rest kommt gleich morgens ins Schließfach.

Das Fraunhofer IAO hatte zwei Jahre Zeit, dieses Konzept für Microsoft zu erstellen. Dabei flossen Erkenntnisse aus unterschiedlichen Wissenschaften ein. Die Arbeitswissenschaft bedient sich der Theorien aus Soziologie, Psychologie, Architektur und Neurowissenschaft, „um mit der eigenen Methodologie herauszufinden, was die wichtigen Parameter in einem Unternehmen sind“, erklärt Udo-Ernst Haner, Leiter des zuständigen Teams des Fraunhofer IAO. Dazu gehöre die Analyse der typischen Situationen in der Arbeitswelt bei Microsoft. Fraunhofer habe dann „das Drehbuch“ für das Innere der neuen Microsoft-Zentrale geschrieben. Akustikeigenschaften, Sichtbezüge, Lichtverhältnisse sind nur einige Parameter, die großen Einfluss haben. Wie diese umgesetzt werden, ist bei jedem Unternehmen anders. Das Konzept für Microsoft passe nicht unbedingt zu anderen Unternehmen und Organisationen, sagt Haner, auch ließen manche Gebäude die Umsetzung gar nicht zu.

Sich zu konzentrieren fällt leicht

Was in München-Schwabing herausgekommen ist, wirkt einerseits tendenziell kühl, leicht streng, etwas leblos und durchgestylt. Weil nur ganz wenige persönliche Gegenstände das holistische Konzept durchbrechen, fehlt auch die sinnliche Erfahrung des Individuellen. Andererseits lenkt nichts ab, sich zu konzentrieren fällt leicht, und es lockt gewissermaßen die Arbeit. Das Konzept geht dann auf, wenn sich die Mitarbeiter irgendwann zu den Zonen begeben. Gar nicht zu sehen ist die Technik, die in den Räumen steckt. Schalldämpfende Elemente sind sehr gut in die Einrichtung integriert. Dass sich das Licht und Klima in jedem Raum exakt einstellen lässt, erkennt man als Besucher erst beim Blick auf das Notebook des Mitarbeiters, der, egal wo er ist, das Licht, die Jalousien oder die Temperatur digital einstellen kann.

Die neue Zentrale von Microsoft in München ist letztlich für ihre Mitarbeiter so angelegt, dass sie sich auf die Arbeit freuen können, wenn sie eintreten, aber der Ausgang nicht das Ende ihres Arbeitstages bedeutet. „Das Büro ist der Ankerpunkt“, sagt Bendiek. Der Austausch unter den Mitarbeitern und Kunden findet sowieso auf digitalem Wege statt. Der Computer bleibt weiterhin das wichtigste Instrument, um die tägliche Arbeit zu bewältigen. Weil die Angestellten keinen eigenen Schreibtisch haben, breiten sie sich erst gar nicht aus. Es gibt zwar im Eingangsbereich eine Verpflegungsstation, wo Espresso, Cappuccino und kleinere Mahlzeiten zu bekommen sind, aber dort müssen die Angestellten ebenso bezahlen wie die Gäste, für die das Café frei zugänglich ist.

Während bei Microsoft trotz des neuen Gebäudes dennoch das Homeoffice reizt, will und muss man das Google-Gebäude in Hamburg gar nicht verlassen. Es gibt natürlich ein Fitnessstudio, selbst zum Friseur kann man hier an manchen Tagen gehen. Die zwei Kantinen locken mit hervorragendem und kostenlosem Essen, die „gesunde“ von beiden sogar mit einem tollen Ausblick über Hamburg. Obwohl von Google alles dafür getan wird, dass die Mitarbeiter gar nicht erst nach Hause gehen, kommen die meisten gegen 9 Uhr und gehen um 18 Uhr. Homeoffice gibt es nicht, in der Kernarbeitszeit sollten alle da sein. In dieser Hinsicht ist Microsoft innovativer als Google.

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