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Smartes Schlafzimmer : Morgens weckt das blaue Licht

Helle: Withings-Lichtwecker Bild: Hersteller

Withings hat einen Lichtwecker mit iPhone-Anbindung entwickelt. Dieser analysiert den Schlaf und erfasst auch gleich noch Geräuschpegel und Temperatur im Schlafzimmer. Doch so viel Service hat seinen Preis.

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          Wenn dem Schläfer ein Licht aufgeht: Nach dieser Maxime arbeiten Lichtwecker. Das Funktionsprinzip besteht darin, dass ein sanftes Licht etliche Minuten vor der eingestellten Weckzeit den Körper auf das Aufwachen vorbereitet. In den frühen Morgenstunden sind angeblich unsere Augen lichtempfindlicher als während des Tages. Mit geringer und dann kontinuierlich ansteigender Lichtintensität werde man durch einen simulierten Sonnenaufgang angenehmer aus Morpheus’ Armen entrissen. Das alles hört sich sehr nach Marketing an. Wir hatten ein Gerät von Philips im November vorgestellt und waren davon jedoch so überzeugt, dass die Wecklampe mit LED anschließend gekauft wurde.

          Michael Spehr

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Nun hat uns Withings sein Aura-Wecksystem mitsamt Schlafmonitor geschickt. Der französische Hersteller bietet etliche Produkte rund um das Thema Fitness an. Alle sind stets App-vernetzt, so dass sich persönliche Gesundheitsdaten vom Gewicht bis zum Ruhepuls im Health Mate von Withings zusammenführen lassen. Die App auf dem Smartphone ist für die Details und Programmierung zuständig, auf der Webseite im Browser sieht man das Gesamtbild.

          Wer ein Withings-Produkt mit dem iPhone von Apple verwendet, profitiert von weiteren Synergieeffekten: Withings holt sich, wenn man das erlaubt, die Health-Daten von Apple und fungiert auch in umgekehrter Richtung als Zulieferer für die Gesundheitszentrale in Cupertino. Man benötigt also mit einem neueren iPhone keinen zusätzlichen Schrittzähler, weil sich die Daten aus dem Koprozessor des Smartphones auslesen lassen.

          Nur mit Smartphone sinnvoll nutzbar

          So wundert kaum, dass auch das Aura-System nur mit App und Smartphone sinnvoll nutzbar ist, es geht weit über einen simplen Lichtwecker hinaus. Der Basisapparat erinnert vom Design her an das Periskop eines U-Bootes. In der Mitte des Bullauges sitzt die LED-Lampe, deren Farbe und Leuchtintensität sich anpasst. Morgens erstrahlt blaues Licht, um das Schlafhormon Melatonin zu hemmen, abends zum Einschlafen gibt es einen orangefarbenen Ton. Die Leuchtstärke lässt sich mit der zugehörigen App stufenlos einstellen. Eine rudimentäre Bedienung ist direkt an der Lampe möglich: Man streicht mit der Hand etwa über die rechte Seite, um die Helligkeit zu regulieren, oder tippt oben kurz auf die Kopfseite, um die Beleuchtung ein- und auszuschalten. Mit dem Lautsprecher im Fuß kann man fürs Einschlafen oder Wecken ein Musikprogramm dazuschalten, auch gibt es an der Rückseite zwei USB-Buchsen zum Laden des Smartphones.

          Wer optional den Schlafsensor mit dazunimmt, legt diesen auf Brusthöhe unter die Matratze. Das dickere Ende des Sensors mitsamt Kabel hin zur Aura-Basisstation darf nicht unter der Matratze liegen, sondern ragt gegebenenfalls an der Seite heraus, was unschön aussieht. Auch der damit verbundene Kabelverhau im Schlafzimmer stört.

          Aura wird über Bluetooth und W-Lan flink ans iPhone angebunden, und mit dem wiederum werden zunächst die Weckzeiten programmiert. Das ist flexibler und geht schneller als mit einem Standgerät und kleinen Tasten. Die Vorlaufzeit fürs endgültige Wecken lässt sich ebenfalls individuell einstellen. Am ersten Morgen stellt der Test-Schläfer fest, dass Licht und Klang schon zu Beginn der Aufwachphase zu hell und zu laut sind. Er ist sofort wach, 20 Minuten zu früh. Nun werden beide Parameter auf den kleinstmöglichen Wert gesetzt, einmal im Hauptmenü und dann ein zweites Mal in den Einstellungen für den individuellen Weckvorgang. Darauf muss man erst mal kommen.

          Der hohe Preis kann den Schlaf rauben

          Zudem ist das Wechselspiel mit dem Schlafsensor zu berücksichtigen, denn mit seiner Hilfe soll man zum richtigen Zeitpunkt außerhalb einer Tiefschlafphase in den Tag geholt werden. Ein Blick auf die von ihm erhobenen Daten zeigt wenig Erhellendes: jede Nacht zu wenig Schlaf, durchschnittlich viereinhalb Stunden. Der Ruhepuls wird sehr präzise erfasst, aber es bleiben auch viele weiße Flecken in der Schlaflandkarte, wo der Proband weder wach gelegen noch geschlafen hat. Vielleicht ist er ein Schlafwandler?

          Deutlich interessanter und aufschlussreicher als die Schlafanalyse ist die Erfassung von Helligkeit, Geräuschpegel und Temperatur im Schlafzimmer, die entsprechenden Werte sind in einer Grafik visualisiert. Man sieht sehr schön, wann es nachts ruhig ist oder wird und wie tief die Temperatur sinkt.

          Nach einer Woche mit Schlafsensor startete die zweite ohne. Mit erfolgreichem Feintuning von Licht und Ton fanden wir das morgendliche Aufwachen überaus angenehm. Die blaue Farbe bleibt gewöhnungsbedürftig. Und der hohe Preis von 200 Euro kann einem gleich wieder den Schlaf rauben. Für das Paket mit dem Sensor sind sogar 300 Euro fällig. Wir würden auf dieses Extra verzichten. Im Zusammenspiel aus Aura und App entsteht indes ein Mehrwert, den andere Lichtwecker nicht bieten. Man denke an die Integration der Fitnessdaten oder die Raumanalyse. Wer sich für die Quantified-Self-Bewegung begeistern kann, bekommt hier ordentliche Hardware und dazu eine pfiffige Software in einem ansprechenden Gesamtpaket.

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