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Blizzard Firebird : Je schneller, desto puuuhh

Eine Wintersportlerin bei der Abfahrt (Symbolbild). Bild: Hersteller

Skier der Sorte Racecarver sollen schnell sein und ruhig bleiben. Deshalb tüfteln Konstrukteure nun an einer Entwicklung, die an den Bootsbau erinnert. Den Durchschnittsfahrer dürfte das Ergebnis überfordern.

          Das Ziel ist immer das gleiche: schnell sein, ruhig bleiben. Das macht den Unterschied zwischen Skiern der Sorte Racecarver und dem zahmeren Rest. Hochgeschwindigkeitsstabilität, Torsionssteifigkeit, Dämpfung, Laufruhe, Kantengriff, klare Rückmeldung, direktes Einlenken und kräftiger Schub am Ende des Bogens sind Eigenschaften, auf die es ankommt. Um derlei zu erreichen, tüfteln die Konstrukteure der Skihersteller Jahr für Jahr an neuen Lösungen. Nun gibt es eine Entwicklung, die ein wenig an den Bootsbau erinnert.

          Walter Wille

          Redaktion „Technik und Motor“

          Stringer werden die Versteifungen eines Bootsrumpfs in Längsrichtung genannt. Etwas Ähnliches führt Blizzard mit dem „Carbon Spine“ in seiner neuen Firebird-Baureihe ein, die zum Winter 2018/19 auf den Markt kommt. Dieses Kohlefaser-Rückgrat ist das Ergebnis einer recht aufwendigen Konstruktion:

          Als Kernmaterial des Skis verwenden die Österreicher Holzleisten unterschiedlicher Härte, nämlich weiche Pappel zur Gewichtsersparnis innen, harte Esche zur Förderung des Griffigkeit auf der Kante an den Seiten. Zwischen diese Holzleisten werden zur Versteifung in Längsrichtung zwei senkrecht stehende Kohlefaser-Lagen eingearbeitet – das ist das Rückgrat. Zwei Metallschichten ober- und unterhalb dieses Holz-Kohlefaser-Kerns komplettieren die Konstruktion, zudem wird im Bindungsbereich zur Vibrationsdämmung und Stabilisierung noch eine Kohlefaserlage aufgesetzt.

          Firebird WRC im Test

          Einen vergleichbaren Ansatz verfolgt Rossignol mit seiner LCT-Technik. Die Franzosen verstärken den Holzkern allerdings nicht durch Karboneinsätze, sondern durch eine hochkant in den Holzkern eingebrachte Metall-Leiste („Titanal Power Rail“). Die erstreckt sich mittig über die gesamte Skilänge von der Schaufel bis zum Heck. Im Rennsport habe sich das Prinzip schon bewährt, teilt Rossignol mit. Zur Saison 2018/19 werde es in der kompletten Racecarver-Linie Hero sowie auch in der Allmountain-Serie Experience Einzug halten. Schon seit dieser Saison setzt die Marke Bogner Titanal-Stringer in dem 3500-Euro-Modell B-Light VT ein. Dessen Kern wird aus Bambus und Paulownia-Holz zusammengesetzt und durch fünf dünne, vertikal eingesetzte Titanal-Leisten verstärkt.

          Kernforschung: Zwischen den Holzsegmenten unterschiedlicher Härte stehen zwei Karbon-Inserts. Ober- und unterhalb des Blizzard-Skikerns liegen Schichten aus Metall und Karbon.

          Wie fühlt sich dergleichen in der Praxis an? Wir hatten schon Gelegenheit, den Firebird WRC, Spitzenmodell von Blizzards neuer Supersport-Baureihe, auszuprobieren. Der Firebird WRC ist in Längen von 1,70 bis 1,85 Metern erhältlich, mit 68 Millimeter Mittenbreite und einem Radius von 18,50 Metern eindeutig eine reine Pistenmaschine mit Vorliebe für längere Bögen.

          Der Skifahrer kann zwischen der original „Piston“-Rennplatte aus dem Weltcup oder der ein wenig weicher abgestimmten FDT-Bindungsplatte wählen. Er muss 950 Euro mitbringen (Preisempfehlung einschließlich Bindung, ohne 750 Euro) sowie Kraft und Kondition, denn der Firebird trägt seinen Namen zu Recht.

          Der Name ist Programm: Firebird, neue Sportskanone von Blizzard.

          Unsere Exemplare waren mit der besonders steifen Weltcup-Platte ausgestattet. In dieser Konfiguration ist der Firebird ein wirklich anspruchsvoller Ski, was die Fähigkeiten seiner Besatzung betrifft. Er will exakt geführt werden, zieht mit seiner breiten Boxerschnauze verzögerungsfrei in die Kurve und zündet an deren Ende den Turbo, wenn man Druck gibt, wobei das schmale Heck für einen schön geschmeidigen Kurvenausgang sorgt. Schleichen und Driften sind nicht seine Sache, Kurzschwünge im schnellen Wechsel ebenso wenig. Das Bolzen liegt ihm mehr als alles andere, in dieser Disziplin ist er überragend. Je schneller es zugeht, desto lebendiger der Ski und desto puuuhh!

          Steifigkeit, Stabilität, unbedingte Zuverlässigkeit auf der Kante sind seine hervorstechenden Eigenschaften, die enorme Dämpfung ist jederzeit zu spüren und für Durchschnittsfahrer wohl zu viel des Guten. Experten allerdings gibt dieses Material aus Mittersill jenen Kick, den man vorzugsweise früh am Morgen auf perfekt präparierter und noch leerer Piste sucht. Für den Abend bucht man eine Massage.

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