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Selbstfahrender Bagger : Mit Strom am Fluss verladen

Derzeit arbeiten zwei Elektrobagger für die RMR. Bild: Wolfgang Eilmes

Am Main belädt ein selbstfahrender Bagger Schiffe mit Schrott. Statt eines Diesels bewegt ihn ein Elektromotor. Das spart eine Menge CO2.

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          Manche Lösung ist zum Greifen nah, man muss nur zupacken. Zum Beispiel mit dem Bagger. Während alle Welt darüber nachdenkt, wie durch elektrisch betriebene Automobile die Luft der Innenstädte reiner werden könnte, kam Bernd Ott der naheliegende Gedanke, dass schweres und weitgehend stationäres Arbeitsgerät doch ebenfalls seinen Beitrag leisten könnte. Der geschäftsführende Gesellschafter der RMR Rhein-Main-Rohstoffe GmbH aus Frankfurt, die jährlich 100 000 Tonnen Schrott verarbeitet, ist deshalb gerade dabei, die bislang von Dieselmotoren bewegten Umschlagbagger seines Entsorgungsunternehmens auf elektrische umzustellen. Neben den Auswirkungen auf die Umwelt interessiert auch die Wirtschaftlichkeit, Ott hat deshalb nach der Anschaffung erst einmal gemessen und gerechnet. Die Ergebnisse liegen jetzt vor.

          Lukas Weber
          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Elektrische Umschlagbagger liefern in allen Größen für stationären Betrieb, aber auch mobil auf Rädern, Raupen oder Schienen unter anderem die großen Anbieter Sennebogen, Liebherr und Fuchs. Manche werben mit Kosteneinsparungen gegenüber Geräten mit Verbrennungsmotor von 50 Prozent und betonen den Umweltvorteil, dennoch sind die Elektrischen bisher reine Nischenprodukte. Auf rund 30 bis 40 Verkäufe im Jahr schätzt Stefan Rittersberger den Markt. Genaue Zahlen gebe es nicht, sagt der Vertriebsleiter Mitte des Baumaschinenhändlers Kiesel und Fachmann für Umschlagbagger. Dem stehen etwa 800 bis 1200 dieselbetriebene Exemplare gegenüber.

          Die Zurückhaltung hat Gründe, denn die Elektrifizierung hat auch Nachteile. Während die Bagger mit Dieselmotor von der Stange gekauft und sofort eingesetzt werden können, sind die elektrisch betriebenen auf den jeweiligen Einsatz zugeschnitten. Mit Akkus ist wegen des hohen Strombedarfs nichts zu machen, das Arbeitsgerät hängt also am Kabel und ist zwar mobil, in seiner Bewegungsfreiheit aber von dessen Länge abhängig. Man könne das nicht einfach eins zu eins umsetzen, sagt Ott. Zum Beispiel arbeitet der Elektromotor mit anderen Drehzahlen, und der Drehmomentverlauf ist gleichmäßiger.

          Immerhin reichen die 230 kW (313 PS) des fast 70 Tonnen schweren Fuchs 870, um 20 Tonnen Last zu heben. Bilderstrecke
          Immerhin reichen die 230 kW (313 PS) des fast 70 Tonnen schweren Fuchs 870, um 20 Tonnen Last zu heben. :

          Derzeit arbeiten zwei Elektrobagger für die RMR; der kleine aus der 40-Tonnen-Klasse versieht seit Oktober seinen Dienst in der Halle, der schwere belädt direkt am Ufer des Mains schon seit September Schiffe mit Metallschrott. Solch ein Monstrum ist nichts für grobe Hände: Der Verfasser dieses Textes hat durch zu forschen Einsatz der Kräfte – der Arm stoppt auf Befehl des Hebels schlagartig – das Ding arg ins Wanken gebracht. Profis hieven ohne Ruckeln Stahlträger aus dem Lager an Bord. Immerhin reichen die 230 kW (313 PS) des fast 70 Tonnen schweren Fuchs 870 nach Auskunft Rittersbergers, um 20 Tonnen Last zu heben, in 20 Meter Entfernung am Ende des Greifarms ist es noch ein Kleinlaster.

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