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Eine besondere Regatta : Georgs Welt

  • -Aktualisiert am

Der Macher der Veranstaltung: Georg Milz auf einem 22er-Schärenkreuzer, Baujahr 1935 Bild: Wolf Hansen - Sailingpix

Georg Milz hat sich dem kleinen Boot verschrieben. Er organisiert die Regatta „Schlank und Rank“, die am nächsten Wochenende bei Fehmarn stattfindet. Dicke Pötte haben hier nichts zu suchen.

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          Es ist beeindruckend, welche Annehmlichkeiten schon eine mittelgroße Segelyacht in der heute üblichen Machart bietet: mehrere Kabinen mit voller Steh- statt früher üblicher Bückhöhe. Eine Küchenzeile mit allem Drum und Dran. Ein Bad mit fließend Warmwasser, dazu einen separaten Toilettenraum. Natürlich gibt es wie im Caravan einen Flachbildschirm zur Abendunterhaltung. Würde das Gefährt im Hafen nicht wenigstens mal leicht schaukeln, wir vergäßen, an Bord zu sein. Man kann das auf den Websites der Hersteller, beim Händler und an der Ostmole von Lemkenhafen besichtigen. Dort sind, wie überall an der Küste, solche Volumenmodelle vertäut.

          Das ist nicht die Welt von Georg Milz. Er hat als Reetbauer auf Fehmarn gearbeitet. Im Winter Schilf schneiden und die kalte Fuhre mit klammen Fingern in die Halle bringen war kein Zuckerschlecken. Auch verdient man damit nicht so viel, dass ein bequemes Wohnboot mit sämtlichem Schnickschnack für den Wert eines Hauses oder einer Eigentumswohnung drin ist. Milz kommt vom Jollensegeln. Er hat sich sein Segelerleben mit beharrlich beiseitegelegten 50-Mark-Scheinen ermöglicht. Das Ergebnis ist gegenüber von den modernen Bootsmodellen zu besichtigen.

          Dort liegt eine Flotte flachbordiger Schönheiten. Klassische Holzschärenkreuzer aus Schweden. Sie sind so schnittig, dass man beim Schritt auf die Bugspitze am besten darauf achtet, die schlanken Planken überhaupt zu treffen. Man landet sonst zwischen den Booten im Hafenbecken.

          Die alten Schärenkreuzer sind schwimmende Avantgarde

          Die Antiquitäten haben noch die oben eigenartig gekrümmten Holzmasten, wie sie in den 1920er-Jahren üblich waren. Damals löste die sogenannte Marconi-Takelage das Gaffelrigg ab. Die vogelschwingenartige Besegelung war Avantgarde. So was kann man eigentlich nur behalten, ab und zu reparieren und weiter segeln.

          Die Ecke beim Clubhaus sieht ein bisschen aus wie ein Bootsmuseum. Das ist Georgs Welt. Zwei Boote werden von ihm bereedert, ein weiteres von seinem Bruder Hans. Die anderen von denen, die Milz in den vergangenen Jahrzehnten für den sagenhaft sensiblen Segelgenuss begeistert hat. Es ist seine puristische Seglerweltanschauung. Er hat 15-Qua­dratmeter-Schärenkreuzer, 22er und 40er geholt, zurechtgemacht, gesegelt und weitergereicht. Dabei kann man bekanntlich immer bloß ein Boot segeln.

          Georg Milz mit seiner Partnerin Suse Bruns auf seiner Finiekette von 1935.
          Georg Milz mit seiner Partnerin Suse Bruns auf seiner Finiekette von 1935. : Bild: Wolf Hansen - Sailingpix

          Die Geschichte der schnittig schlanken Planken in Lemkenhafen beginnt 1974. Damals verbindet seit einem Jahrzehnt der „Kleiderbügel“ Fehmarn mit dem Festland. So wird die markante Brücke hier genannt. Volkswagen präsentiert zur Ölkrise den Golf. Die Bundesrepu­blik wird 25 und gewinnt die zu Hause ausgetragene Fußball-WM. Vicky Leandros singt „Theo, wir fahr’n nach Lodz“. Die Koteletten sind lang. Die Hosen haben einen enormen Schlag. Die Hemdkragen werden zu Segeln.

          „Es war das Schiff meiner wilden Jahre“

          Mittlerweile hat Milz die Scheine immerhin für ein halbes Boot zusammen. Gemeinsam mit einem Segelfreund holt er „Gisela“ nach Lemkenhafen. Der orangefarben gestrichene Rumpf wird bald durch zweckmäßiges Rot ersetzt. Damit wird so ein segelndes U-Boot an grauen Tragen in der Ostsee besser gesehen. Über dem niedrigen Rumpf erhebt sich eine gestreckte, am Einstieg in den Unterschlupf stufig angehobene Kajüte. Das Boot ist schmal, lang und Baujahr 1936. „Es war das Schiff meiner wilden Jahre. Kein Wind zu stark, keine Welle zu hoch“, erinnert sich Milz. Nach weiteren tapfer beiseitegelegten Scheinen ist ein deutlich längeres Geschoss Typ „Lotus“ drin. Das Boot aus Schweden bietet die gewohnt volle Bückhöhe, aber auch einen Petroleumherd, vier Kojen plus Achterkajüte. Damit brettern Georg und sein Bruder sonntags um die Insel. „Hans arbeitet beim Bundesgrenzschutz. Damit war er automatisch für nasse Segelwechsel auf dem relingslos schmalen Bug zuständig.“ Bei richtiger Ansage macht der jüngere Bruder meistens, was der ältere erwartet.

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