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Allerletzter Geschenketipp : Vielleicht ein Radlader zu Weihnachten?

  • -Aktualisiert am

Gilt als größtes Einzelteil, das Lego je verbaut hat: die schwarze Schaufel Bild: Peter Thomas

Der Radlader vom Typ Volvo L350F packt sein Ladegut mit einer Schaufel. Sie gilt als größtes Einzelteil, das je für Lego Technic in Kunststoff gegossen wurde.

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          Daumendick und verlockend liegt die Bauanleitung auf dem Tisch, um sie herum quellen unsere Sortierschalen über von Lego-Teilen: Mehr als 1500 einzelne Elemente wollen für den sonnengelben Radlader zusammengebaut werden, den Lego zusammen mit Volvo als Modell im Maßstab 1:16 entwickelt hat. Aus dem 540-PS-Boliden für die ganz schweren Erdarbeiten ist dabei ein Technikspielzeug mit hohem Anspruch entstanden. In der zweiten Jahreshälfte - rechtzeitig für Weihnachten - hat Lego den Lader für rund 200 Euro auf den Markt gebracht.

          Vier Abende am mit buntem Plastik übersäten Esszimmertisch später ist klar: Der Transformationsprozess des Volvo L350F vom schwedischen Stahl in dänischen Kunststoff ist den Entwicklern gut gelungen. Und das gilt nicht nur für die fertige Miniatur, sondern auch für die entsprechende Anleitung.

          Diese Partitur für die Klötzchen-Sinfonie ist zwar manchmal etwas kleinteilig geraten, erzählt die Baugeschichte des mächtigen Erdbewegungsgerätes aber so klar und flüssig, dass auch Technic-Neueinsteiger vom Grundschulalter bis in den agilen Ruhestand gut mit dem Bauprojekt zurechtkommen werden.

          Der Erfolg von Legos großen Baumaschinenmodellen aus der Technic-Serie hält nun schon seit rund einem Jahrzehnt an. Angesichts der Komplexität und des oft stolzen Preises ist die große Gemeinde der erwachsenen Lego-Freunde eine wichtige Zielgruppe dieses Programmsegments. Wer für den technikbegeisterten Vater oder Ehemann noch ein Weihnachtsgeschenk sucht, dürfte mit dem Modell also nicht falsch liegen.

          Zwölf Batterien benötigt der Spielspaß

          Neben Kranen (insbesondere den vielachsigen Mobilkranen), Baggern und Lastwagen hatte in den vergangenen Jahren der aufwendig gestaltete Mercedes-Benz Unimog für Aufsehen in der Technic-Welt gesorgt. Während das Universal-Motorgerät jedoch Legos Pneumatikzylinder als Linearantriebe erhielt, haben die dänischen Modellbauer bei dem Radlader auf Schraubspindelzylinder gesetzt. Dank vergleichsweise schnell laufender Elektromotoren ahmen sie die Hydraulik, die Hubgerüst und Baggerschaufel antreibt, gut nach.

          Für intensiven Spielspaß sorgt die Fernsteuerung der diversen Elektromotoren, die insgesamt vier Funktionen (Fahren und Lenken sowie Heben und Kippen der Schaufel) möglich machen. Das gab es zwar schon früher - beispielsweise bei der vor sieben Jahren vorgestellten Planierraupe (Set Nr. 8275), aber die Vielseitigkeit des neuen Bausatzes (Set Nr. 42030) ist deutlich größer als jene des auf Gleisketten dahin ratternden Vorgängers. Die Motoren werden von sechs AA-Batterien im Heck mit Energie versorgt, die Fernsteuerung verlangt nach weiteren sechs Energiespeichern im Format AAA.

          Fast wie in echt: Radlader von Volvo, interpretiert von Lego

          Im Tageslicht allerdings steigt die Fernsteuerung gerne einmal aus: Weil Lego bei dem Großmodell auf eine Signalübertragung der vier Kanäle durch Infrarotstrahlen setzt, paradiert der Radlader im Hof nur dann unter strahlender Wintersonne, wenn der Steuermann direkt neben dem Modell steht. Drinnen hingegen lässt sich der König der Baustellen vom Sofa aus quer durch die Wohnung steuern.

          Besser gelöst haben die Konstrukteure hingegen das alte Problem der ausschließlichen Verwendung von Steckverbindungen auch bei großen Technic-Modellen. Zwar werden die Elemente des Konstruktionsbaukastens nicht nur wie die klassischen Lego-Klötzchen mit Noppen aufeinander geschichtet, sondern mit Steckern und Kreuzstangen verbunden. Gerade auf Zug lassen sich diese Verbindungen dennoch kaum belasten, auch Scherkräfte ertragen sie nur mit Abstrichen.

          Bei dem Radlader sorgt deshalb ein Dickicht in verschiedenen Achsen ausgerichteter Verbinder für die nötige Stabilität. Entsprechend aufwendig ausgeführt ist bei dem Modell beispielsweise die Knicklenkung, aber auch die Lagerung des Hubgerüstes. Dessen Schaufel ist zudem extrem stabil, weil sie aus einem Stück gegossen wurde - man kann sie guten Gewissens auch mit Kieselsteinen statt mit Kunststoffklötzchen beladen. Das prädestiniert den Lego-Lader für die Stippvisite bei einem Treffen von RC-Trucks. Denn abgesehen vom ruppigen Lenkeinschlag kann die dänische Miniatur durchaus mit einfacheren Funktionsmodellen mithalten.

          Lego hat sein Spitzenmodell für jeden Untergrund gewappnet

          Dass der Radlader dabei allerdings kaum in den Sandlöchern der RC-Truck-Szene zum Einsatz kommen wird, liegt an seiner offenen Mechanik. Denn die Zahnräder von Allradantrieb, Planetenachsen, Knicklenkung sowie Hebe- und Kippmechanik liegen frei hinter der aus Lochbalken und anderen Elementen zusammengesetzten Karosserie.

          Auch die Kolben des Reihensechszylindermotors im Heck bewegen sich an der frischen Luft. So lässt sich zwar im Betrieb die Funktion erkennen, Sand und Erde vertragen solche Elemente nicht. Auf solidem Grund spricht hingegen nichts gegen den Betrieb im Freien. Bei uns hat sich hier zum Beispiel der Kiesstreifen in der Hofeinfahrt bewährt, der für Offroad-Gefühl ohne Dreck im Getriebe sorgt.

          Leichtgewicht im Vergleich zu seinem Abbild

          Ach ja: Das knatschgrün modellierte Kraftherz der Maschine ist keine geschmackliche Entgleisung, sondern auch diese mutige Lackierung des Motors mit den auf- und abtanzenden gelben Kolben entspricht dem Original. Was uns für ein absolut rundes Modell noch fehlt, ist ein Licht-Paket. Mit der aktuellen LED-Technik sollte es kein unüberwindbares Problem sein, zum Lego-Raster passende Leuchtbausteine anzubieten, die Dauer- und Blinklicht abgeben können.

          Mit 60 Zentimeter Länge und knapp 15 Zentimeter Breite ist der Klötzchen-Bagger ein stattliches Modell, das allerdings durch die Verwendung von Spritzguss-Elementen aus dem Kunststoff ABS (Acrylnitril-Butadien-Styrol-Copolymerisat) lediglich zwei Kilogramm auf die Waage bringt. So leicht mit einer Hand packen lässt sich das Original nicht: Der Radlader L350F ist der größte seiner Art im aktuellen Sortiment von Volvo Construction Equipment und wiegt mehr als 50 Tonnen: Heavy Metal aus dem hohen Norden eben.

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