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Ausprobiert : Taucheruhren aus dem Schwarzwald

  • -Aktualisiert am

Die Modelle Sporttaucher von Archimede und Seatime Prodiver von Stowa Bild: Häußermann

Auch wenn das Meer weit ist, werden im Nordschwarzwald bezahlbare Taucheruhren gebaut. Ob die Uhren auch für den Landgang geeignet sind, verrät dieser Test.

          3 Min.

          Ist von Uhren aus dem Schwarzwald die Rede, fällt nahezu zwangsläufig der Begriff Kuckucksuhren. Ob man die nun schön findet oder nicht, ist Geschmackssache, eine Tatsache aber ist, dass im Schwarzwald auch sehr gute Armbanduhren gebaut werden. Nicht nur bei Junghans und Hanhart mittendrin im größten deutschen Mittelgebirge, sondern auch an dessen nördlichem Rand in Pforzheim und Umgebung.

          Dort, genauer gesagt im kleinen Städtchen Engelsbrand, ist Stowa zu Hause, eine der wenigen deutschen Uhrenmarken, die seit Anfang des vergangenen Jahrhunderts ununterbrochen aktiv ist. Hier trotzte man vielen Krisen. So gelang es der Gründerfamilie Storz nach der Zerstörung ihres Stammhauses Ende des Zweiten Weltkriegs, die Geschäfte schnell wiederaufzunehmen. Werner Storz, Sohn des Firmengründers, machte die Marke international bekannt und verkaufte sie 1996 an Jörg Schauer, der bis dahin ausschließlich Uhren unter seinem eigenen Namen baute. Heute ist Stowa Schauers wichtigstes Standbein. Ein großer Teil seiner Kollektion besteht aus Interpretationen alter Erfolgsmodelle.

          Von Limettengrün bis Schwarz

          So wie die Taucheruhr namens Seatime, die Stowa erstmals Anfang der Sechziger vorstellte und von Schauer im Jahr 2006 wiederbelebt und mit dem Beinamen Prodiver versehen wurde. Diesen Namen trägt die Neue vollkommen zu Recht, schließlich verfügt sie über ein äußerst robustes Gehäuse, das einem Wasserdruck von 100 atm - das entspricht 1000 Meter Wassertiefe - standhält. Dazu tragen Konstruktionsmerkmale wie ein doppelt abgedichteter massiver Gehäuseboden, eine verschraubbare Krone mit O-Ring-Dichtung auf der Welle sowie ein 3,7 Millimeter starkes entspiegeltes Saphirglas bei. Trotz ihrer Robustheit ist die Uhr dank eines 42-Millimeter-Gehäuses aus mattiertem Titan kein Tauchgewicht, sondern durchaus komfortabel zu tragender Alltagsbegleiter. Einzig die Kanten des markanten Gehäuses könnten Hemdmanschetten gefährlich werden. Ein Hingucker ist sie allemal, erst recht dann, wenn man sie wie wir in der Farbvariante mit orangefarbenem Zifferblatt und korrespondierendem Kautschukband wählt. Alternativ ist die vom Großserienwerk ETA 2836-2 angetriebene Taucheruhr auch in Limettengrün zu haben - und für den etwas dezenteren Auftritt auch in Schwarz. In jedem Fall kostet die Seatime Prodiver Titan 1220 Euro und wird von Stowa im Direktvertrieb verkauft.

          Ebenfalls direkt vertreibt die Uhrenmarke Archimede ihre Sporttaucher Bronze. Hinter Archimede steckt das Unternehmen Ickler, das sich als Hersteller hochwertiger Uhrengehäuse in der Branche einen guten Namen gemacht hat. Unter der Leitung von Thomas Ickler wurde die Geschäftstätigkeit auf die Herstellung kompletter Uhren erweitert. Dazu kauft Ickler ebenfalls in der Schweiz Großserienwerke und schalt sie in seine im eigenen Haus gefertigten Gehäuse ein. Als Antrieb für das Modell Sporttaucher verwenden die Pforzheimer ein Sellita SW 200, das konstruktiv und qualitativ mit einem ETA 2824-2 vergleichbar ist. Solche Uhrwerke bringen das Herz eine Afficionados nicht zum Rasen, zuverlässige und genaue Alltagsbegleiter sind diese Kaliber aber allemal.

          Eine höchstpersönlicher Begleiter

          Das Spezielle an der Sporttaucher ist, wen wundert’s, das Gehäuse. Ickler verwendet dafür eine Bronzelegierung, die nach Werksangaben zu 92 Prozent aus Kupfer und zu zwei Prozent aus Zinn besteht. Der Reiz des im Vergleich zu Stahl oder gar Titan weichen Materials liegt darin, dass es im Laufe der Zeit Patina bekommt, die Farbe verändert sich, kleine Kratzer sind bei diesem relativ weichen Material nahezu unvermeidlich. So wird eine Bronzeuhr immer mehr zum höchstpersönlichen Begleiter. Wir habe das schon ausprobiert und an dieser Stelle auch schon bereits ausführlich erläutert - am Beispiel der Panerai Luminor 1950 Bronzo, die sowohl im Image als auch im Preis in einer anderen Liga spielte als die Archimede. Der Kurs für die Panerai, die längst ausverkauft ist, betrug knapp 10 000 Euro.

          Für diesen Betrag würde Thomas Ickler neun Sporttaucher Bronze liefern. Genau 1085 Euro verlangt er in seinem Online-Shop für diese Uhr, die ein wirklich gutes Preis-Leistungs-Verhältnis bietet. Serienmäßig ist sie mit einem Kalbslederband ausgestattet, das mit Kautschuk beschichtet ist. Zum Schwimmen eignet sich das Band allerdings nicht. Das ist schade, denn die Uhr würde das ohne weiteres mitmachen, sie ist bis 30 atm wasserdicht. Dazu trägt die verschraubbare und abgedichtete Krone ebenso bei wie der voll verschraubte Stahlboden, optional mit Sichtfenster. Wer die Taucheruhr ihrer Bestimmung gemäß einsetzen will, wählt stattdessen ein Textil- oder Kautschukband, die Ickler in seinem Shop ebenfalls anbietet. Die angenehm dimensionierte Uhr (Durchmesser 41,5 mm, Höhe 12 mm) trägt sich sehr angenehm, zumal die Krone bei 4 Uhr plaziert ist und damit nicht auf den Handrücken drückt. Der nur im Gegenuhrzeigersinn drehbare Tauchring rastet satt, das Zifferblatt ist dank klarer Gestaltung und mit reichlich Leuchtmasse versehenen Zeigern, Ziffern und Indexen bei Tag und Nacht gut ablesbar. Ein Lob, das übrigens auch für die Stowa gilt. Beide Taucheruhren eignen sich als zuverlässige, sportliche Alltagsbegleiter, die sich dank vieler Farb- und Ausstattungsvarianten auch perfekt an den eigenen Geschmack anpassen lassen. Man sieht: Im Schwarzwald können sie nicht nur Kuckucksuhren bauen.

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