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Schnelles Laufband : Läufst du noch oder fliegst du schon?

  • -Aktualisiert am

Go and Shop: Das Laufband kann beschleunigen und abbremsen Bild: Anton Gvozdikov - Fotolia

Im Forschungszentrum von Thyssen-Krupp wird ein Laufband erprobt, das viermal so schnell ist wie sonst üblich. Es befördert mit einer Spitzengeschwindigkeit von bis zu zwölf Kilometern pro Stunde.

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          Aufs Band oder laufen? Diese Frage stellen sich nicht nur geplagte Economy-Passagiere, kaum haben sie nach dem Atlantikflug den Flieger verlassen. Mit steifen Gliedern tapsen sie in Richtung Gepäckausgabe - und müssen nun wählen zwischen einer geruhsamen Steh-Fahrt auf einem der mittlerweile auf allen großen Flughäfen anzutreffenden elektrisch angetriebenen Laufbänder und einem durchblutungsfördernden Fußmarsch.

          Wer körperlich nicht beeinträchtigt ist und seinen Körper ab und an gerne belastet, der wählt die sportliche Variante. Das auch, da das Laufband nur dann ein schnelleres Fortkommen verspricht, wenn man nicht darauf stehen bleibt, sondern läuft oder besser gesagt schnell geht. Dass man sich dabei an wie angewurzelt dastehenden Passagieren samt ihrer umgehängten Taschen und Beutel vorbeischlängeln muss, mindert das Vergnügen entscheidend.

          Verdoppeltes menschliches Gehtempo

          Deutlich attraktiver könnte das Fahrsteig-Fahren werden, sollte sich die in der vergangenen Woche von „Thyssen-Krupp Elevator“ im spanischen Gijón vorgestellte neuartige Version, dieses, vom technischen Grundsatz her an eine planliegende Rolltreppe erinnernde Transportsystem, durchsetzen. Denn das auf den Namen Accel getaufte Personen-Beförderungsband ist deutlich schneller unterwegs als herkömmliche Anlagen. Anstatt mit meist nur etwas mehr als einem halben Meter je Sekunde (1,8 km/h) dahinzuschleichen, erreicht der neue Personenbeförderer schnelle zwei Meter in der Sekunde - mithin das vierfache Tempo. Damit die Passagiere diese Schnellfahrt gefahrlos aufnehmen können, muss der Fahrsteig beschleunigen können. Das anfangs moderat dahineilende Gliederband legt nach den ersten paar Metern richtig los. Die Geschwindigkeit steigt kontinuierlich, bis sie nach der Beschleunigungsphase rund sieben km/h erreicht, rund das Doppelte des menschlichen Gehtempos. Wer sich dann auch noch selbst bewegt, kann Geschwindigkeiten von bis zu zwölf km/h erreichen, ohne zu rennen.

          Um die drei Geschwindigkeitsfenster - Anfahren, Schnellfahrt, Abbremsen - zu ermöglichen, ist der Laufsteg teleskopartig in sich verschiebbar. Jede einzelne Palette besteht dazu aus einem Vorder- und einem Hinterwagen, wobei der nacheilende Wagen bei Langsamfahrt sich unter die Palette schiebt, um mit steigender Geschwindigkeit immer weiter zum Vorschein zu kommen. Geht das Tempo zurück, verschwindet der hintere Teil der Palette unter dem Vorderwagen. Dank dieses Konzepts kann sich das Band auseinanderziehen, maximal auf das Dreifache der Ausgangslänge des Bandes.

          7300 Personen lassen sich in einer Stunde befördern

          Doch mindestens so wichtig wie ein problemloses Auseinander- und Zusammenziehen des Fahrsteigs ist dessen Antrieb. Versuche mit herkömmlichen Elektromotoren waren nur bedingt erfolgreich. So konnte sich der von Thyssen-Krupp bereits vor mehr als zehn Jahren am Pearson International Airport in Toronto installierte beschleunigende Fahrsteig „Turbo Track“ nicht durchsetzen. Erst mit dem im Zuge der Entwicklung der Magnetschwebebahn perfektionierten Linearmotor gelang ein vibrationsarmer und zudem leiser Antrieb: Unter jeder Palette steckt ein Magnet, der von unter dem Fahrsteig fest installierten Linearmotoren bewegt wird. Sollte ein Motor ausfallen, greift eine mechanische Sicherheitskette und schleppt die betroffene Palette weiter. Knifflig zu lösen war der erforderliche Synchronlauf von Band und Handlauf. Gelöst wurde es mit zwei separaten Systemen, die von sensiblen Sensoren auf Gleichschritt gebracht werden.

          Thyssen-Krupp will den beschleunigenden Personenbeförderer nicht nur an Flughäfen verkaufen. Ein großes Potential sieht man in der Möglichkeit, mit dem Accel-Laufsteg den innerstädtischen Personentransport auszubauen - beziehungsweise zu optimieren. So verfügten U-Bahnen vielfach über nicht genutzte Kapazitäten, nur deshalb, da Passagiere nicht schnell genug und in ausreichender Menge an die Züge herangebracht werden können. Für diesen Dienst sei der beschleunigende Laufsteg ideal, könne man mit ihm doch 7300 Personen in der Stunde auch über größere Entfernungen befördern.

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