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Scheibenwischer : Wischi-Waschi, aber mit System

Bild: F.A.Z.

Scheibenwischer sind eine unverzichtbare Alltagstechnik. Ohne sie würden wir manchmal ganz schön dumm schauen. Ihre komplizierte Technik wird aber oft unterschätzt. Hinter dem simplen Hin und Her versteckt sich Hightech.

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          Sechs Wochen lang hatten sie nichts zu tun. Sonnenschein, kein Wölkchen am Himmel, geschweige denn eine Wolke, die uns sichtbehinderndes Nass auf die Windschutzscheibe hätte schütten können. Erst seit Anfang vergangener Woche zeigt der Frühling wieder sein für unsere Breiten übliches feuchtes Gesicht, und den Motoristen begleitet wieder jenes vertraute, von schlurfenden Geräuschen begleitete Surren.

          Manfred Lindinger

          Redakteur im Ressort „Natur und Wissenschaft“.

          Ihr harmloses Hin und Her ist nicht der einzige Grund, warum wir die Scheibenwischertechnik gewöhnlich unterschätzen. Mechanik hat im Zeitalter von Nano und Neuro generell ein Imageproblem. Dabei sind Scheibenwischer heute ausgesprochenes Hightech. Denn ihre Gummikanten müssen Schwerstarbeit leisten, wenn das Wischblatt bei Tempo 160 gleichmäßig in einem Winkel von etwa 45 Grad über die Scheibe zieht und bei jedem Richtungswechsel umklappt. Das macht keine Plaste und kein Elast ewig mit. Aber ein moderner Scheibenwischergummi immerhin schon eine ganze Weile

          Hebel und Seilzugmechanismus

          „Im Labor bewältigt ein Scheibenwischer etwa 1,5 Millionen Wischzyklen“, sagt Stephan Kraus von der Firma Bosch, seit jeher der Marktführer auf diesem Gebiet. Doch in der Praxis, wenn der Wischer den harschen Umweltbedingungen ausgesetzt ist, sind es wohl eher nur 500000 Zyklen. Da muss das Blatt Eis und Schnee oder Sand und Insekten von der Scheibe wischen und dabei auch noch perfekt der aerodynamisch geformten Frontscheibe folgen können.

          Unterschätzte Alltagstechnik: Scheibenwischer

          Da hatte der erste Scheibenwischerkonstrukteur es noch wesentlich einfacher. Wer das war, ist allerdings nicht ganz leicht auszumachen. Schließlich hat der Scheibenwischer gleich mehrere Väter - und zumindest eine Mutter: „Allen, die es betreffen könnte, wird bekanntgegeben, dass ich, Mary Anderson, Bürgerin der Vereinigten Staaten, wohnhaft in Birmingham im Staate Alabama, eine neue und nützliche Verbesserung von Fensterreinigungsanlagen erfunden habe.“ Mit diesen Worten beginnt eine Patentschrift mit der Nummer US743801 vom 10. November 1903. Die darin beschriebene Vorrichtung, die man als den Vorfahren des automatischen Scheibenwischers bezeichnen könnte, bestand aus einem nahe dem Lenkrad angebrachten Hebel, mit dem der Fahrer über einen Seilzugmechanismus einen gefederten Schwingarm mit einem Gummiblatt auf der Außenseite der Windschutzscheibe in Bewegung versetzen konnte (siehe Zeichnung). Die Anlage war schon damals zur Beseitigung von Schnee, Regen oder Graupeln gedacht und konnte jederzeit abmontiert werden, damit sie „bei schönem Wetter nicht das gewohnte Aussehen des Automobils verderbe“. Allerdings ließ sich mit der Vorrichtung nur ein Teil der Scheibe reinigen.

          Erstes elektrisches System 1926

          Wir wissen nicht, ob Heinrich Prinz von Preußen Kenntnis von diesem Patent hatte. Jedenfalls entwickelte auch der automobilbegeisterte Bruder Kaiser Wilhelms II. einen eigenen handbetriebenen Scheibenwischer für die vordere Windschutzscheibe seines Opel. Das Gerät, das der Prinz selbst als „Abstreichlineal“ bezeichnete, meldete er 1905 in Deutschland zum Patent an, welches ihm auch am 24. März 1908 unter der Nummer DRP204343 erteilt wurde.

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