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Schadstoffmessung per Drohne : Stinkt da was zum Himmel?

  • -Aktualisiert am

Quadrocopter als fliegender Luftmesser Bild: Mayer

Die Schadstoffmessung per Drohne soll Klarheit bringen. Der Versuch wird drei Jahre laufen.

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          Dass in der Luft gemessene Schadstoffkonzentrationen entscheidend von der jeweiligen Position der Messeinrichtung beeinflusst werden, dürfte inzwischen bekannt sein. Schon wenige Meter rechts oder links, über oder unter der Messstation können die Werte zum Teil drastisch nach oben oder unten abweichen. Ein typisches Beispiel für diese Erkenntnis ist die Messeinheit am Stuttgarter Neckartor, die in extrem ungünstiger Position unmittelbar am Straßenrand steht. Erwartungsgemäß schnellen im Verkehrsstau die dort gemessenen Feinstaub- und Stickstoffdioxid-Konzentrationen haushoch über die von der EU festgelegten Grenzwerte hinaus. Das von Umweltaktivisten geprägte Prädikat „Deutschlands schmutzigste Straßenkreuzung“ dient als willkommene Waffe im ideologischen Kreuzzug gegen das Automobil.

          In manchen anderen europäischen Großstädten sehen Behörden und Kommunalpolitiker das Thema Luftverschmutzung wesentlich entspannter. So haben beispielsweise mehrere Kommunen in Frankreich, Italien und anderen Ländern ihre Messstationen in Parks und Grünanlagen oder verkehrsarmen Straßen in Wohngebieten installiert, in einigen Fällen auch auf den Dächern von Hochhäusern. Die dort gemessenen Schadstoffwerte bleiben naturgemäß fast immer unter den gesetzlichen Grenzwerten, während sich auf den oft nur wenige hundert Meter entfernten Magistralen der Verkehr staut und die Messwerte weit über die Toleranzgrenze treibt. Aber dort misst ja niemand. Fahrverbote und Straßensperrungen lassen sich dank solcher Chuzpe elegant umgehen.

          Weil, wie geschildert, die stationäre Erfassung von Emissionen des Straßenverkehrs nicht unproblematisch ist, sollen in Deutschland künftig vertikale Messungen Informationen liefern, wie sich Stickstoffdioxid, Feinstaub- und Rußpartikel in der Höhe verteilen. „Zur Verbesserung modellgestützter Vorhersagen und Überprüfung von Maßnahmen zur Schadstoffreduzierung ist deshalb ein flexibel einsetzbares Messsystem erforderlich,“ lautet das Fazit der Bundesanstalt für Straßenwesen (Bast). Sie erforscht in Zusammenarbeit mit der Technischen Universität Braunschweig, der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt (PTB), dem Umweltbundesamt, dem Leibniz-Institut für Troposphärenforschung, dem Forschungszentrum Jülich und dem Unternehmen Leichtwerk Research seit kurzem die luftgestützte Messung der atmosphärischen Schadstoffbelastung.

          Geleitet wird das Forschungskonsortium vom Institut für Flugführung (IFF) der Technischen Universität Braunschweig. Im Rahmen des vom Bundesverkehrsministerium mit 2,27 Millionen Euro geförderten Projekts hat das IFF-Team ein fliegendes Messsystem entwickelt, das aus drei Quadrokoptern besteht, die mit Miniatursensoren für Feinstaub, Ruß, Stickoxide und Ozon bestückt sind. Das Drohnentrio ermöglicht Messungen des vertikalen und horizontalen Profils an und über Fernstraßen und Ballungsräumen.

          Mit dem auf zunächst drei Jahre befristeten Pilotprojekt soll geprüft werden, wie sich die genannten Schadstoffe in Höhen bis zu 1000 Meter verteilen. Die dabei ermittelten Daten sollen die bisherigen Modellrechnungen optimieren und klären, ob und wie sich lokale Maßnahmen zur Schadstoffminderung bewährt haben, beispielsweise durch Vergleichsmessungen mit den stationären Messstationen an den Autobahnen A 555 bei Wesseling und A 4 bei Bensberg in Nordrhein-Westfalen.

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