https://www.faz.net/-gy9-9buo1

So wird Trinkwasser produziert : Die Welt hat Durst

  • -Aktualisiert am

Nur ein Rinnsal: Ein ehemals reißender Fluss nahe La Muedra in Spanien. Bild: dpa

Trinkwasser ist knapp, Meerwasser dagegen ist reichlich vorhanden: Um das genießbar zu machen, gibt es auf der Welt 19.000 Entsalzungsanlagen. Aber die benötigen enorme Mengen Energie. Was tun?

          Wasser bedeckt mehr als zwei Drittel der Erdoberfläche. Dennoch ist sauberes Trinkwasser rar und damit ein überaus kostbares Gut. Mehr als eine Milliarde Menschen haben keinen Zugang zum „Lebensmittel Nummer eins“. Und die Situation verschärft sich weiter. Dafür gibt es gleich mehrere Ursachen. So hat der Wasserkonsum in einigen der an Süßwasser armen Länder rund um den Persischen Golf mittlerweile ein Niveau erreicht, das deutlich über dem der Wohlstandsregionen in Europa und Amerika liegt. Der Wasserverbrauch der Bewohner Dubais liegt bei 500 Liter je Tag und nimmt damit einen Spitzenplatz ein. Dagegen nimmt sich der Verbrauch in Deutschland mit etwa 130 Liter je Person und Tag vergleichsweise bescheiden aus.

          Der sorglose Umgang mit dem kostbaren Nass verschlimmert die Lage. Wasserleitungen sind oft porös, häufig wird aufwendig in Wasserwerken aufbereitetes Wasser beim Einsatz in industriellen Prozessen so stark verunreinigt, dass die natürlich gegebene Kreislauffunktion gestört wird, Quellen unbrauchbar werden und nur noch ungenießbares Brackwasser liefern. Ein weiterer wichtiger Grund für den sich verschärfenden Mangel ist der Klimawandel, der mit ausbleibenden Niederschlägen und sich ausbreitender Versteppung unübersehbare Zeichen setzt. Südafrika leidet momentan unter einer Dürreperiode. Die Trinkwasservorräte gehen zur Neige, in Kapstadt muss ein Teil der Bevölkerung schon mit Hilfe von Tanklastwagen versorgt werden.

          Salzwasser zu Süßwasser

          Der Wasserverbrauch in der Welt wird weiter steigen, das World Resources Institute in Washington sagt für die nächsten Jahrzehnte eine wachsende Knappheit voraus. Ein Gegenmittel wäre ein sparsamerer Umgang mit Wasser, vor allem auch beim größten Verbraucher, der Landwirtschaft. Ein weiteres wäre es, Meerwasser zu entsalzen. Davon stehen schier unerschöpfliche Mengen zur Verfügung, bestehen doch etwa 98 Prozent der verfügbaren Reserven aus salzhaltigem Meerwasser. Schon heute arbeiten auf der Welt rund 19.000 Entsalzungsanlagen, darunter zahlreiche kleine, aber auch etwa 500 große mit Produktionsmengen von mehr als 50.000 Kubikmeter am Tag. Deren Energiebedarf ist gewaltig.

          Die momentan größte Anlage steht in Dubai. Der Dschabal-Ali-Komplex produziert täglich 2,1 Millionen Kubikmeter Trinkwasser. Die benötigte Energie liefern ein Dutzend dicht zusammenstehender Gaskraftwerke mit einer Leistung von zusammen 7200 Megawatt. Insgesamt gewinnen die Golfstaaten täglich rund 20 Millionen Kubikmeter Trinkwasser aus dem Meer. Doch auch in anderen Ländern werden Entsalzungsanlagen immer wichtiger, so kommen etwa in Israel heute schon 75 Prozent des Leitungswassers aus dem Meer. In wenigen Jahren sollen es gar 100 Prozent sein.

          Die Idee, Trinkwasser aus Meerwasser zu gewinnen, treibt die Menschen seit vielen Jahrhunderten um. Schon der griechische Philosoph und Wissenschaftler Aristoteles erwähnt in seinem Werk „Meteorologie“ eine Lösung: Eine mit Harz beschmierte Membran, wohl eine Tierhaut, wird über die Öffnung eines Tongefäßes gespannt, das somit dicht verschlossene Gefäß tief im Meer versenkt. Der dort herrschende Druck treibt die Wassermoleküle hindurch, während das Salz zurückgehalten wird. Nach einigen Stunden befindet sich Süßwasser in der Keramik.

          Weitere Themen

          Ein Porsche ist kein Ponyhof Video-Seite öffnen

          Fahrbericht Porsche 911 Cabriolet : Ein Porsche ist kein Ponyhof

          Porsche ist mit dem 911 Cabriolet ein tolles Auto gelungen – am besten macht man ihn nie zu. F.A.Z-Redakteur Holger Appel hat den Wagen getestet und erklärt, warum 180.000€ nicht zwingend in eine Eigentumswohnung investiert werden müssen.

          Topmeldungen

          Gefährliche Hitzewelle : Amerikas Sommer der Extreme

          In vielen Gegenden Amerikas herrschen derzeit gefährlich hohe Temperaturen. Städte wie New York müssen sich in Zukunft auf noch extremere Sommer einstellen, warnen Klimaforscher.

          Attacke von Tony Blair : „Johnson ist kein Dummkopf“

          Der frühere britische Premierminister Tony Blair sieht einer möglichen Regierung von Boris Johnson kritisch entgegen. Die CDU wiederum könnte sich vorstellen, dass Johnson positiv überrascht.
          Weiß, was uns fehlt: ARD-Hauptstadtkorrespondentin Kristin Joachim.

          Klimahysterie im Ersten : Wir müssen gezwungen werden!

          Von der ARD lernen heißt, gehorchen lernen. Den Eindruck bekommt man, wenn man abends die „Tagesthemen“ einschaltet oder morgens das Radio. Da werden Vorschriften gemacht, dass es nur so kracht.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.