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Rucksäcke : Nicht die Last darf am längeren Hebel sitzen

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Frontlader: Haglöfs Air Bac Bild:

Wer einen neuen Rucksack kaufen möchte, kann aus einer großen Angebotsvielfalt wählen. Der Einsatzzweck sollte über Größe und Ausstattung entscheiden.

          Welche Ausrüstung verbindet den Steinzeitmenschen Ötzi und den terroristischen Verbrecher unserer Tage? Der Rucksack - wieder mal ein Thema, bei dem man von Olims Zeiten her anfangen könnte. Tatsächlich ist das Tragen einer Last auf dem Rücken etwas so allgemein Menschliches, so alt und dennoch aktuell, daß einen nur rat- und sprachlos machen kann, zwischen wie vielen verschiedenen Rucksäcken wir uns beim Kauf heute entscheiden können - und müssen.

          Dem Sprößling eine über dem Po hängende Schultasche für Schillers Dramen und das Pausenbrot zu erwerben ist vergleichsweise einfach: Da muß man nur beim gerade angesagten Label zwischen fünf Designs in fünfzehn verschiedenen Farben wählen. Schwierig wird's, wenn man mit einem ganz gewöhnlichen Rucksack übers Wochende ein Stückchen Fernwanderweg marschieren möchte. Ohne große Vergleichstests in Fachzeitschriften und intensive Beratung im Outdoor-Fachgeschäft wären wir inmitten der Fülle des Immer-wieder-Ähnlichen verloren.

          Die Wahl des Bewährten

          Es sei denn, man weicht in die gute alte Zeit aus: Bei Manufactum bekommt man nicht nur den klassisch-birnenförmigen Sack aus Loden oder vegetabil gegerbtem Schafleder (255 Euro), sondern auch das kantigere "Canoepack" aus gewachster Baumwolle (295 Euro) oder den Segeltuch-Seesack in schwerer Qualität (rund 30 Euro) mit gedoppelten Ösenkanten und Metallbeschlägen. Nur der "Affe" genannte Tornister aus Rindsleder ist leider, leider nicht mehr lieferbar. Sein Überschlag aus Pferdefell konnte seit Leipzig/Einundleipzig - nicht nur - im Felde notfalls als Kopfkissen dienen.

          Zum Schultern: Healthy Back Bag

          Rückengerechtes Tragesystem

          Wer sich aber nicht in Nostalgie flüchtet, sondern sich ein wenig überlegt, was die Mode der Schulrucksäcke mit den Rücken der Kinder macht, der stößt zwangsläufig auf den norwegischen Hersteller Bergans. 1908 erfand Ole F. Bergans ein Tragegestell für Rucksäcke. Seine alsbald patentierte Grundidee wirkt in den unterschiedlichen Tragesystemen moderner Rucksäcke bis heute nach: Es ist vorteilhaft, die Last auf dem Rücken in sich und gegen den Körper des Trägers zu stabilisieren. Ein schlecht sitzender Rucksack - das ist zum Beispiel einer, dessen Schultergurte zu lang sind - arbeitet auf Schritt und Tritt mit langem Hebel gegen den Körper: bestenfalls ermüdet das ständige Zerren der Last nach hinten bloß; ein Schülerleben lang den Büchersack in den Kniekehlen zu tragen kann ernste Wirbelsäulenbeschwerden bewirken. Mit dem ganzen Gewußt-wie eines Traditionsherstellers hat sich Bergans auf den Schülerrucksack geworfen. Herausgekommen ist eine Produktlinie mit altersgerecht unterschiedlich großen Rucksäcken. Die haben unter anderem anatomisch geformte Schultergurte, eine Rückenplatte mit einem eingearbeiteten Aluminiumstab, der sich der Rückenform anpassen läßt, einen abnehmbaren Hüftgurt und Kompressionsgurte zur Volumenreduzierung eines halbleeren Rucksacks. Dazu kommen Ausstattungsdetails, die teils zielgruppenorientiert, teils einfach praktisch sind: die vor dem Hauptfach liegende Dokumententasche mit Klappen-Stopper, eine einklappbare Flaschentasche, eine Spinne zum separaten Transport von Sportkleidung, ein formgegossenes Behältnis für den MP3-Player, eine Halterung für einen Leuchtdioden-Blinker, eine herausnehmbare Laptop-Tasche und reflektierende Streifen an den Außenseiten. Dazu gibt es für besorgte Eltern konkrete Empfehlungen, wie schwer ein Rucksack für Jugendliche sein darf: Unter Berufung auf eine amerikanische Studie wird das Maximum auf zwanzig Prozent des Körpergewichts festgelegt. Beispiel: Ein Zehnjähriger wiegt 33 Kilogramm und sollte in seinen XO 25, einen 1,4 Kilogramm wiegenden 25-Liter-Rucksack mit aufgesetzter Discman-Tasche, nicht mehr als 6,6 Kilogramm Schulsachen packen. Die 20-Prozent-Regel soll übrigens nicht nur für Heranwachsende, sondern ganz allgemein gelten.

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