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Riesenaquarium : Im Aufzug durchs Korallenriff

  • -Aktualisiert am

Taucher im Aquadom Bild: dpa

Der Aquadom, ein 1,6 Millionen Liter Salzwasser fassendes Plexiglas-Aquarium, ist Berlins neueste Attraktion. Die aufwendige Technik zum Bau der rekordverdächtigen Anlage kommt aus Amerika.

          3 Min.

          Spektakuläre Kraneinsätze, technische Premieren und Superlative: das Interesse am größten zylindrischen Aquarium der Welt, das mit 14,02 Metern auch noch die größte Wassertiefe aufzuweisen hat, wurde in den vergangenen Monaten ordentlich angeheizt. Einmalig ist freilich auch der technische Herstellungsprozeß dieses mit 120 Tonnen größten Stücks Kunststoff der Welt.

          Am Anfang stand die Idee des Architekten Sergei Tchoban vom Büro NPS Tchoban Voss Architekten. Er wollte dem Neubau des Radisson-Hotels im Herzen von Berlin, in unmittelbarer Nachbarschaft von Dom, Palast der Republik und irgendwann vielleicht des wieder aufgebauten Schlosses, etwas Unverwechselbares, Spektakuläres als Wettbewerbsvorteil mitgeben. Vielleicht angeregt von der Voliere im Hof des Neuen Kranzler-Ecks in Charlottenburg, dachte auch er an Zoologisches und ließ sich ein Aquarium einfallen, ein besonderes natürlich.

          Publikum strömt in den Multifunktionsbau

          Das Dom Aquarée ist ein Multifunktionsbau mit Hotel, Büros, Restaurants und Konferenzzentrum, acht Geschosse hoch, eine Blockrandbebauung unter maximaler Ausnutzung des Grundstücks. Nichts Aufregendes im neuen Berlin-Mitte. Und dennoch strömt das Publikum, denn Sea Life, eine Freizeitattraktion mit 30 als Dioramen herausgeputzten Süß- und Salzwasserbecken, hat im Erdgeschoß eröffnet, und der Höhepunkt des Rundgangs ist die Fahrt mit dem Aufzug durch den Aqua Dom.

          Der Aquadom faßt eine Million Liter Wasser
          Der Aquadom faßt eine Million Liter Wasser : Bild: AP

          Der riesige Glaszylinder erhebt sich sechs Geschosse hoch im Lichthof des Gebäudes, der zum Teil als Lobby des Radisson dient, und ist erlebbar von den atriumseitigen Hotelzimmern, von den Hotellifts, den Büros und den Lofts im Glasdach aus. Im Erdgeschoß ist er aufgebockt; dort betritt man den zweigeschossigen Aufzug (mit innerer Wendeltreppe, ebenfalls eine Weltneuheit), der im Inneren des Zylinders nach oben schwebt und bei langsamer Fahrt 48 Besuchern die Beobachtung der Unterwasserwelt ermöglicht.

          Amerikanische Technik

          International Concept Management (ICM) aus Junction/Colorado beherrscht als einziges Unternehmen die Technik, solche Aquarien fugenlos aus Acryl zu bauen. Daher mußten die zwölf Einzelteile (Paneele) des äußeren und die drei Teile des inneren Zylinders in Übersee gegossen, in Form "gebacken", in Stahlrahmen gespannt und auf dem Seeweg nach Berlin gebracht werden. Auf der Baustelle waren dann ungewöhnliche Vorkehrungen zu treffen, um die bis zu zehn Tonnen schweren und acht Meter langen Paneele zusammenzufügen. Logistik und Bauleistungen vor Ort wurden vom Stuttgarter Bauunternehmen Müller-Altvatter übernommen.

          Zunächst mußte eine frei stehende, 22 Meter hohe Einhausung in den Innenhof gebaut werden, komplett mit Flucht- und Rettungskonzept und baurechtlicher Genehmigung. 400 Kilowatt Kühl- und 1800 Kilowatt Heizleistung wurden installiert, um die geforderten 21 Grad Celsius Dauertemperatur zu garantieren. Ferner waren drei Kompressoren aufgeboten, die zehn Monate lang Druckluft mit garantierter Ausfallsicherheit bereitzustellen hatten. Die Ausrichtung und Fixierung der Teile geschieht bei konstant 21 Grad, um die geforderten Toleranzen von 0,5 Millimeter einhalten zu können.

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