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Richtiger Umgang mit Brennholz : Sie sind gefeuert!

Das Holzfeuer strahlt angenehme Wärme aus Bild: Picture-Alliance

Wohl dem, der jetzt einen Kaminofen hat. Wer das Brennholz nicht kaufen möchte, kann es sich aus dem Wald holen. Das erfordert etwas Begeisterung - und noch ein paar Kleinigkeiten mehr.

          7 Min.

          Wenn die Nächte länger werden und die Tage im Nieselregen versinken, kehrt in vielen Wohnstuben Trübsal ein. Der Körper sehnt sich nach Licht und Sonne. Hausrezepte gegen den Winter-Blues gibt es einige, ob sie helfen, lässt sich schwer sagen. So stellt manch einer Tageslichtlampen in den Raum und gibt sich dann der Illusions hin, der Sommer sei da. Es geht auch anders: Von Freunden und Bekannten, die derzeit abends gern auf ein Glas Wein hereinschauen, wissen wir: Es ist der Ofen. Er strahlt Wärme und Behaglichkeit aus, und alle lieben das Spiel der Flammen im großen Sichtfenster.

          Lukas Weber

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Einen offenen Kamin, wie er früher oft in die Einfamilienhäuser eingemauert wurde, kann man gleich wieder vergessen. Er ist zwar hübsch anzusehen, im Hinblick auf die Effizienz aber eine Katastrophe - die Wärme entweicht zum größten Teil ungenutzt aus dem Schornstein, das offene Feuer frisst die Scheite schneller, als man sie bereitlegen möchte. Deshalb sieht der Gesetzgeber sie zu Recht nur zur gelegentlichen Feuerung vor. Wer also so etwas hat und mit Holz heizen will, lässt sich besser einen geschlossenen Einsatz mit Sichtfenster einbauen und verbraucht dann nur noch ein Drittel. Moderne Kaminöfen verbrennen mit Primär- und Sekundärluft relativ sauber, nur Modelle, die strenge Abgasnormen einhalten, werden noch neu zugelassen.

          Umweltfreundlich ist das Verbrennen von Holz trotzdem nicht immer; es gibt noch viele alte Öfen im Bestand, außerdem kann der Kaminofen durch Falschbedienung zur Dreckschleuder werden, wovon noch die Rede sein wird. Wer sich einen Kaminofen zulegen möchte: Der erste Gang ist zum Schornsteinfeger, der die Anlage später abnehmen muss und weiß, ob überhaupt eine eingebaut werden darf. Und gleich als Tipp für die Auswahl des Ofens: Wenn lange Scheite in die Brennkammer passen, spart das Arbeit an der Säge. Kohle geht als Brennstoff auch, sie riecht aber unangenehm und brennt nicht so schön. Eine saubere Alternative, für Puristen aber halt kein „richtiges“ Holzfeuer, sind Kaminöfen für Holzpellets, die es als Schüttgut und in kleinen Beuteln gibt. Auch kein echter Scheit sind Briketts aus Holzspänen, sie eignen sich aber gut zum Anmachen. Behandeltes Holz ist selbstverständlich ungeeignet.

          Sobald ein Platz gefunden wurde, an dem es gelagert werden kann ...

          Ob Kaminofen, Kachelofen oder gar eine moderne Zentralheizung für Scheite - sobald ein Platz gefunden wurde, an dem es gelagert werden kann, ist Holz aus dem Wald die erste Wahl. Kaminfertige Scheite gibt es zu kaufen, manche Anbieter liefern auch. Die Preise sind regional unterschiedlich, im Raum Frankfurt beginnen sie bei etwa 65 Euro je Schüttraummeter Buche (ein loser Kubikmeter geschnittenes und gespaltenes Holz).

          Das ist auf Dauer ziemlich teuer, deshalb lohnt die Eigeninitiative, wenn Wald in der Nähe ist. Der Autor dieser Zeilen macht sein Brennholz seit vier Jahrzehnten selbst und freut sich, dass ihm dabei gleich viermal warm wird: beim Sammeln, Sägen, Hacken und Brennen. Das kann man auch als Sport oder Therapie betrachten, früher hielt sich der Opa mit der Axt am Hackklotz fit. Ganz so leicht wie damals geht das heute nicht mehr, außerdem ist die Konkurrenz um das Holz im Wald groß. Kein Förster erteilt mehr einen Holzschein ohne die Urkunde, dass der Selbstwerber einen Kursus an der Motorsäge belegt hat.

          Auch der Autor dieses Beitrags musste den Führerschein machen, obwohl er zuvor jahrzehntelang unfallfrei Holz eingebracht hat. Dabei hat er allerdings gelernt, die Kette mit der Rundfeile zu schärfen - eine Prozedur, die der Händler gern mit elektrischem Gerät gegen einen zweistelligen Betrag übernimmt. Die Säge ist ein gefährliches Werkzeug, Übung unter Anleitung dringend empfehlenswert, Schutzkleidung obligatorisch. Allein Holz machen geht gar nicht, ein Partner dient der Sicherheit. Die Motorsäge wird mit sauber verbrennendem Alkylatbenzin betrieben, das fast dreimal so teuer ist wie normales. Oder mit Strom. Seitdem die erstaunlich leistungsfähige leichte Akkusäge im Einsatz ist, liegen die große Motor- und die schwere Elektrosäge weitgehend ungenutzt im Keller. Um das Holz gleich im Wald kleinzusägen, reicht aber eine Akkuladung nicht. Das geht nur mit Zweitakter. Wichtiger als die Wahl der Marke - führend sind Stihl und Husqvarna - ist ein guter Händler um die Ecke. Er ist daran zu erkennen, dass er dem Neuling geduldig erklärt, warum die ersehnte Kettensäge für ihn eine Nummer zu groß ist.

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