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Profirennrad Merida im Test : Nicht nur für Helden mit 300 Watt

  • -Aktualisiert am

Leichtes Spiel: Das Rennrad Merida ist ein Hauch von Nichts. Bild: Martin Häußermann

Wer sich ein bisschen wie ein Profi auf der Tour der France fühlen will, kann zu diesem Rad greifen. Es ist ziemlich teuer, aber was tut man nicht alles für die Verbesserung der persönlichen Bestzeit.

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          Es gibt vieles, was den Radsport attraktiv macht. Unter anderem, dass man sich ein bisschen wie ein Profi fühlen darf, auch wenn man nicht ständig mit 300 Watt in die Pedale treten kann. Das leitet sich aus dem Reglement des Radsportverbandes UCI ab, wonach die Helden der Landstraße nur Fahrräder nutzen dürfen, die für jedermann erhältlich sind. Also haben wir mit dem Merida Scultura Team ein Stück Tour de France zu uns eingeladen. Schließlich eignet sich der Renner, den das Team Bahrain Victorious fährt, als Bergziege, für schnelle Abfahrten und ist obendrein eines der günstigeren Bikes im Peloton.

          Das galt zumindest für die Zeit, als es bei uns war. Da standen noch – wie beispielsweise beim Canyon Aeroad CFR (Teambike von Movistar, Arkea-Samsic und Alpecin-Fenix) – vier Neunen vor dem Eurozeichen. Inzwischen ist der Tausender-Zähler des Merida um eins nach oben gesprungen. Was aber immer noch ein Trainingsrad günstiger ist als das Specialized S-Works Tarmac SL7 (Team Bora-Hansgrohe), für das stolze 14.500 Euro aufgerufen werden.

          Unverändert ist aber die Anzeige der Waage geblieben. Mit 6,9 Kilogramm in Rahmengröße S gehört das Scultura zu den Leichtgewichten im Feld. Der Testfahrer leider nicht. Dennoch fühlt er den Hauch von Nichts unter dem Sattel und fühlt sich angespornt, tüchtig in die Pedale zu treten. Jeden dieser Tritte quittiert das Bike mit spontanem Vortrieb. Das liegt nicht nur am steifen Carbonrahmen und am noch steiferen Tretlager, sondern auch am widerstandsarmen Laufradsatz Vision Metron 45 SL sowie den Rennreifen Continental GP 5000 S TR.

          Knapp 11.000 Euro sind zu investieren

          Das alles hilft nach unserem Eindruck nicht nur in der Ebene, sondern auch bergauf. Die elektronische Schaltung Shimano Dura Ace Di2 sorgt für schnelle, präzise Gangwechsel, 52 und 36 Zähne am vorderen Kettenblatt sowie eine 12-Gang-Kassette mit 11/30 Zähnen sorgen dafür, dass auch der mäßig trainierte Fahrer eine Zehn-Prozent-Steigung meistert und auf leicht abschüssiger Straße auf Tempo 50 kommt, zugegebenermaßen im Windschatten.

          Bergab wird es noch besser. Der Geradeauslauf ist hervorragend, allerdings ist bei Seitenwind Konzentration angesagt. Und immer zwei Hände am Lenker. Die hervorragend dosierbaren Shimano-Bremsen brauchen wir kaum, die CNC-gefrästen Alukühlrippen an den Bremssätteln eigentlich gar nicht. Das mag an großen Alpenpässen anders sein, doch im Schwäbischen und auch im Tannheimer Tal bremst man nicht so viel. Vielmehr schwingt man mit diesem superhandlichen Rennrad durch die Kurven wie ein Slalomläufer durch einen rund gesetzten Kurs. Das zaubert einem ein breites Grinsen ins Gesicht.

          Daran ändert auch der schmale Rennsattel nichts. Beim ersten Blickkontakt schien der Prologo Scratch M5 noch dem Reiter zuzurufen: „Warte ab, ich quäl dich.“ Das war aber eine Missinterpretation. Tatsächlich ermöglichten uns Sitzgelegenheit und Sitzposition 100-Kilometer-Touren ohne nennenswerte Beschwerden. Von der 30 Kilometer langen Hausrunde ganz zu schweigen. Mit dem Scultura verbesserten wir hier übrigens mehrfach die persönliche Bestzeit. Was beweist, dass hervorragendes Material auch mediokre Fahrer schneller macht. Ob man nun knapp 11.000 Euro investiert, um dieses Ziel zu erreichen, oder einfach mehr trainiert, muss letztlich jeder für sich entscheiden. Vermutlich ist die Kombination aus beidem die Ideallösung.

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