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„Régates Royales“ in Cannes : Die elitärste Art, viel Geld zu verfeuern

Gut Holz: Begegnung der Big Boats mit Gaffelsegeln (die mit vier statt drei Ecken) Bild: Nico Krauss

Wer Geld hat, und richtig viel davon, leistet sich auch heute noch eine große klassische Yacht. Eilean ist eine davon. Gehen wir mal an Bord.

          Eilean ist schön. Wunderschön. Aber sie hat keine Chance. Nicht an diesem Tag.

          Walter Wille

          Redaktion „Technik und Motor“

          Das Schiff, das mal ein Wrack war, träumt im Septemberlicht vor sich hin. Im alten Hafen von Cannes hängen sämtliche Flaggen schlaff herunter, den ganzen Morgen schon. Startverschiebung. Die Crew lümmelt auf Segelsäcken herum, nimmt noch einen Kaffee und ist cool. Die Spezies unter südlicher Sonne gerösteter Segler zeichnet sich durch betont lässige Körpersprache aus, durch ein Lächeln, das nur jene lächeln, die ein Leben führen, wie es andere gern täten, durch Bewegungen in Zeitlupe. So lange jedenfalls, bis der Countdown beginnt. Dann geht’s rund.

          Noch ist es nicht so weit. Die vielen Schaulustigen schieben sich weiter die Mole entlang. Es wird geknipst, bis die Speicherkarte glüht: honigfarbener Mastenwald vor mediterranem Himmelblau, das Schimmern von Bronze, der Glanz von Messing, Holzverarbeitung in Vollendung, Formen aus der goldenen Ära des Yachtbaus, komponiert von Herreshoff, Fife, Camper & Nicholson, Olin Stephens. Das sind die Mozarts und Beethovens des Yachtbaus. Auf Moonbeam IV, 80 Tonnen Historie auf 35 Meter Länge, vor 100 Jahren in Schottland getischlert, quäkt ein Dudelsack.

          Eine Woche lang wird die Vergangenheit gelebt

          Natürlich haben auch moderne kantige, aggressive Kohlefaser-Titan-Neigekiel-Yachten ihren Reiz. Schneller sind sie eh. Doch im Vergleich zu einem der berühmten Klassiker wirken sie wie Verwaltungsgebäude von Apple neben einer gotischen Kathedrale. Eilean, die 22-Meter-Ketsch von William Fife III aus dem Jahr 1936, ragt nicht einmal heraus aus der Flotte der 70 versammelten Traditionsyachten, weder durch ihre Größe noch durch ihre Pracht. Bei den Régates Royales, wo eine Woche lang Vergangenheit gelebt und der Vergänglichkeit getrotzt wird, sind alle prächtig.

          Pflege und Erhalt der alten Tanten verschlingen Unsummen. Dennoch wird hart gesegelt. Mit Altair beispielsweise, dem 33-Meter-Gaffelschoner von 1931, mit Nan of Fife, dem 1896 gebauten 19-Meter-Gaffelkutter, mit der noch vier Jahre älteren Marigold, die mit kerzengeradem Steven, lang überhängendem Heck sowie der Abwesenheit jeglicher Winschen und Elektrik das viktorianische Zeitalter repräsentiert. Zwei Anwesende laufen unter deutscher Flagge: das zierliche Sonderklasse-Boot Tilly XV, mit dem Prinz Heinrich anno 1912 vor Kiel den Samoa-Pokal holte, und der Zwölfer Trivia von 1937. Auf der amerikanischen Manitou, der ebenfalls 1937 fertiggestellten 18-Meter-Yawl, gibt es noch die Schusswaffen-Verstecke aus jener Zeit, in der sie als „schwimmendes White House“ John F. Kennedys diente. Die Monroe war an Bord.

          Die Monroe - pah! Wir haben auf Eilean gleich mehrere auffallend junge, auffallend attraktive Damen im Crew-T-Shirt an Bord. Nur zur Dekoration? Irrtum.

          Ergreifende Geschichten hinter den Yachten

          Gegen Mittag kommt Bewegung in die Luft und in die Schar der Segler, es geht los. Andrew Cully, Skipper der Eilean, ist klar, dass nicht viel zu holen sein wird an diesem Tag. Sein 50-Tonnen-Zweimaster aus Burma-Teak auf Eisen-Gerippe wurde einst als Fahrtenkreuzer entworfen und nicht als Rennpferd. Er tritt in der Klasse der vor 1950 gebauten „Vintage Yachts“ mit Bermuda-Rigg an, die Konkurrentinnen wiegen zum Teil weniger als die Hälfte. Dorade beispielsweise, das Stephens-Design von 1930, zählt zu den Schnellen, auch die 16-Meter-Yawl Skylark von 1937 oder der 1930 von Alfred Mylne gezeichnete 19-Meter-Rennkutter The Blue Peter. Der Erfinder der Zigaretten-Rollmaschine war einer seiner früheren Besitzer.

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