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Rauchwarnmelder im Test : Damit können Sie Ihr Leben retten

  • -Aktualisiert am

Viel Zeit bleibt nach dem Ausbruch des Feuers nicht mehr. Bild: Picture-Alliance

Vernetzte Rauchwarnmelder mit zentraler Steuerung heben den häuslichen Brandschutz auf ein neues Niveau. Aber wie kompliziert ist solch eine Anlage?

          Das Pfeifkonzert auf Knopfdruck ist gewaltig: Vom Heizungskeller über die Küche bis zum Schlafzimmer ertönen schrille Warntöne. Die Botschaft freut uns: In Sachen häuslichem Brandschutz ist alles in Ordnung – das hat der Testlauf der frisch installierten, funkvernetzten Rauch-, Kohlenmonoxid- und Hitzewarnmelder ergeben.

          Doch der Reihe nach. Alles hat jüngst mit einer Frage zur Geisterstunde begonnen: Wo bitte piept es denn bloß? Wieder einmal hatte einer der Rauchwarnmelder bei nächtlich-kühlen Temperaturen irgendwo im Haus das Wehklagen über die in seinem 9-Volt-Block sinkende Spannung begonnen. Also angespannt auf den nächsten Warnton lauschen, das Geräusch lokalisieren und den schwächelnden Melder identifizieren. Dann den Melder abschrauben und die Batterie erneuern. Der Zehnerpack 9-Volt-Batterien liegt griffbereit im Flurschränkchen.

          Ähnliche Szenarien kennen viele Menschen. Denn in den vergangenen 14 Jahren haben Rauchwarnmelder in ganz Deutschland immer stärker Einzug in Wohnungen und Häuser gehalten. Vorgeschrieben ist ihre Installation in den verschiedenen Landesbauordnungen. Rheinland-Pfalz ging mit der Verordnung von Rauchwarnmeldern in Neubauten ab dem Jahr 2003 voraus. Gleich drei Bundesländer folgten 2005 (Hamburg, Hessen, Schleswig-Holstein). Seitdem haben alle anderen Länder nachgezogen. Schlusslicht war die Bundeshauptstadt Berlin mit Stichtag zum 1. Januar 2017.

          Das Netzwerk der Warnmelder wird von einer zentralen Bedieneinheit gesteuert.

          Ähnlich unkoordiniert geht es bei der Nachrüstung in Bestandsbauten zu: Während Baden-Württemberg hier nur ein Jahr von der Anordnung für Neubauten verstreichen ließ, gaben vielen andere Länder den Haushalten bis zu zehn Jahre Zeit. Die immer noch ausstehenden Stichtage gelten (jeweils zum Dezember) für Bayern (2017), Thüringen (2018), Berlin sowie Brandenburg (beide 2020). Und in Sachsen ist sogar bis heute noch keine Vorschrift für die Nachrüstung in Sicht.

          Bewohner einer Immobilie sollten sowieso nicht auf die gesetzliche Vorschrift warten, sondern schon aus Gründen des Selbstschutzes aktiv werden und Rauchwarnmelder installieren. Denn diese sind vor allem im Schlaf echte Lebensretter. Denn dann reagiert der menschliche Geruchssinn nicht und kann somit auch die typischen Brandgerüche nicht wahrnehmen. Der schrille Warnton weckt dagegen und bewahrt vor dem lebensgefährlichen Einfluss der Rauchgase (insbesondere Kohlenmonoxid, aber auch Kohlendioxid, Blausäure, Chlorwasserstoff und Schwefeloxide).

          Wie gut das Prinzip funktioniert, macht der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) deutlich: Nach seinen Angaben hat sich seit Anfang dieses Jahrhunderts die Zahl der Menschen, die in Deutschland durch Brände sterben, halbiert. Das ist exakt der Zeitraum, in dem die Pflicht zur Installation von Rauchwarnmeldern sukzessive eingeführt worden ist.

          Eingebunden sind neben den Rauchwarnmeldern auch Hitzewarnmelder in der Küche.

          Zurück zu unserem nächtlich nervenden Warnmelder: Wir haben das zum Anlass genommen, die Technik komplett zu erneuern und sie dabei in dreierlei Hinsicht zu ertüchtigen: Statt der 9-Volt-Blöcke haben die neuen Geräte fest eingebaute Lithium-Langzeitbatterien mit zehn Jahren Lebensdauer (üblich sind hier Spannungen um 3 Volt). Zudem werden nun nicht mehr nur die für Schwelbrände typischen Rauchpartikel photoelektrisch erkannt (so funktionieren in Deutschland alle handelsüblichen Rauchwarnmelder), sondern wir haben auch Warngeräte für Kohlenmonoxid (im Heizungskeller und am Kaminofen) sowie Hitze (in der Küche) ins Haus geholt. Schließlich fiel die Entscheidung auf eine Funkvernetzung der Warnmelder.

          Entsprechende Lösungen, die alle drei Voraussetzungen erfüllen, bieten verschiedene Hersteller. Wir haben uns die Produkte des irischen Unternehmens Ei Electronics näher angeschaut. Nach Großbritannien ist Deutschland der zweitwichtigste Markt für das Unternehmen. Der Rauchwarnmelder Ei 650 W mit passendem Funkmodul Ei 600 MRF kostet im Internet einzeln ab 85 Euro. Wir brauchen sechs Stück für Schlaf- und Wohnräume sowie den Flur als Fluchtweg. Dazu kommen zwei CO-Warnmelder Ei 208i DW mit Funkmodul Ei 200 MRF und ein Hitzewarnmelder Ei 603 TYC mit Auslösebereich bei 58 Grad Celsius plus Funkmodul für die Küche. Auch diese drei Warnmelder kosten jeweils ab 85 Euro. Schließlich ergänzt ein Alarmcontroller Ei 450 (rund 80 Euro) das Set.

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