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Rasenmäher : Sie machen alles auf der Wiese nieder

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Der Prototyp des AS-Allmähers nutzte als Leitrad noch das Vorderrad eines Fahrrads Bild: Hersteller

Um Schmetterlinge zu schützen, soll nicht zu oft gemäht werden. Doch dann brauchts den Allmäher, der auch mit einem Meter hohen Gras fertig wird. Die Auswahl ist groß: Vom Kreisel- bis zum Schlägelmäher sind verschiedene Mähprinzipien erhältlich.

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          Mähfertig gedengelt, geschliffen und poliert: So beschreibt das auf in Kleinserien hergestellte Gerätschaften spezialisierte Kaufhaus Manufactum ihre für knapp 80 Euro angebotene „Sense Stahlrohrbaum“. Form und Herstellungsweise habe sich seit zwei Jahrhunderten kaum verändert. Auch die Qualität sei gleich geblieben. Wird doch für eine gute Schnitthaltigkeit (die Sense bleibt lange scharf) ein stark kohlenstoffhaltiger Spezialstahl eingesetzt, der sogenannte „Bröckel“, den man in 20 kalten und 12 warmen Bearbeitungsschritten in Form schlägt und ihm damit die geforderte Gefügestruktur beibringt.

          Wer eine Wiese und keinen handtuchgroßen Vorgartenrasen zu pflegen hat, dem ist durchaus mit einer Sense gedient. Vorausgesetzt, er kann damit umgehen. Das ist keineswegs trivial, wie der Eigenversuch ergeben hat. Die schlauen Hinweise, wie sie in Gartenzeitschriften wie „Landlust“ und „Mein schönes Land“ in steter Regelmäßigkeit auftauchen, helfen nur bedingt weiter, muss man unterschiedliche Bewegungen geschickt koordinieren können. Das ist nicht einfach, soll man die Sense doch nicht wie einen Rechen ziehen, sondern sie vielmehr mit einer lockenen Drehbewegung aus der Hüfte heraus in einem Halbkreis über den Boden gleiten lassen. Und zwar so, dass sich die Spitze nicht in die Erde bohrt, was fast zwangsläufig passiert, wenn man mal wieder einen Maulwurfshügel erwischt hat.

          Naturschutz rangiert an erster Stelle

          Das Mähen einer Wiese ist schweißtreibend. Nicht nur aus diesem Grund hat sich eingebürgert, diese Arbeit nur zwei-, maximal dreimal im Jahr in Angriff zu nehmen. Früher galt es, das Gras so lange wachsen zu lassen und erst abzuschneiden, wenn sich daraus hochwertiges Heu gewinnen ließ. Heute rangiert der Naturschutz an erster Stelle. Vor allem Schmetterlinge als „Sinnbild“ einer faszinierenden Natur sind auf Wiesen angewiesen, die nicht zurückgeschnitten werden. Denn wenn zu früh gemäht wird, fehlen die Futterpflanzen der Schmetterlinge. Das ist der Grund, warum das Tagpfauenauge, der Aurorafalter und der Kleine Fuchs immer seltener werden. Umweltschützer fordern deshalb Wiesenbesitzer auf, erst dann die Sense aus dem Schuppen zu holen, wenn die Schmetterlingsblumen wie Salbei, Flockenblume und Knautie verblüht sind.

          Das hat sich geändert, das Dreirad-Konzept ist geblieben

          Von derartigen Überlegungen hat sich Ende der fünfziger Jahre der schwäbische Tüftler Alfred Schefenacker vermutlich nur am Rande beeinflussen lassen. Ihm waren vielmehr die sich durch enge, steile Weinstockreihen quälenden Winzer aufgefallen, die mit herkömmlichen und damit fürs Flachland konzipierten Rasenmähern versuchten, dem hoch gewachsenen Gras beizukommen. Das gelang nur bedingt, und weil Traktoren wegen ihrer Größe und mangelnder Geländegängigkeit nicht eingesetzt werden konnten, musste etwas Neues erfunden werden: der Allmäher.

          Simpel und Robust

          Gemeinsam mit seinen Mitarbeitern entwickelte Schefenacker einen Hochgras-Mulchmäher, der seit mittlerweile 40 Jahren nahezu unverändert gebaut wird und sich nicht nur bei den Straßenmeistereien größter Beliebtheit erfreut. Die ist unter anderem seiner Wendigkeit geschuldet. Der Allmäher der AS-Motor GmbH & Co. KG aus Bühlertann (wenige Kilometer östlich von Schwäbisch Hall) rollt auf drei Rädern, davon eins vorn, so dass das Drehen auf der Stelle keine Probleme bereitet.

          Zudem ist das im typischen AS-orange eingefärbte Gerät extrem robust und seine Technik leicht zu durchschauen, was allfällige Wartungsarbeiten erleichtert. Doch das große Pfund, mit dem AS-Motor noch immer wuchert, ist der im eigenen Hause entwickelte und heute in überschaubaren Stückzahlen in einer Manufaktur aus wenigen Einzelteilen zusammengesetzte sechs PS (4,4 kW) starke Zweitaktmotor. Mit einer 25 Millimeter starken gehärteten Kurbelwelle und Aluminiumzylindern mit eingespritzer Gussbüchse erreichen die Aggregate hohe Laufzeiten und sind zudem durchzugsstark: Das von ihnen angetriebene (rotierende) Messer macht nieder, was ihm in die Quere kommt. Und zwar schneidet der Allmäher nicht nur ab: er zerteilt und mulcht damit das Schnittgut, so dass es als „Bodenveredler“ liegen bleiben kann. Damit das funktioniert, bedient man sich eines Kunstgriffs: Im oberen Bereich der Sichelhaube erzeugt das aerodynamisch geformte Messer einen Unterdruck, der das Gras nach oben zieht. Es kann so regelrecht zerfasert werden.

          Verschiedene Mähprinzipien

          Längst hat der Allmäher zahlreiche Partner im AS-Motor-Geräte-Angebot erhalten. Zum Beispiel kann man heute das Urmodell auch mit zugekauften Viertaktmotoren haben. Auch andere Mähprinzipien wurden aufgegriffen. So lässt sich mit Kreiselmähern (hier rotiert eine Scheibe mit Messern am äußeren Rand) das Gras ordentlich ablegen. Völlig anders arbeitet der Schlegelmäher: An einer quer zur Fahrtrichtung sich drehenden Walze angebrachte „Schlegel“ hauen kurz und klein, was ihnen unter kommt.

          Stolz sind die schwäbischen Tüftler auf ihr neustes Kind. Einen Allradantrieb-Aufsitzmäher, dem die Geländegängigkeit einer Bergziege nachgesagt wird. Dafür sorgt vor allem der extrem niedrige Schwerpunkt des 11.500 Euro teuren AS 940 Sherpa. Seine Kraft holt er aus einem 27 PS (20 kW) starken Zweizylindermotor, der sie über ein Hydrostatgetriebe stufenlos an die Räder weiterreicht.

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