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Quarzuhren : Es muss nicht immer Kaviar sein

  • -Aktualisiert am

Zusatzfunktionen satt: Die Junghans glänzt als Funkuhr, die Tissot mit einer Funktionssteuerung über das berührungsempfindliche Uhrenglas Bild: Martin Häußermann

Frei nach Johannes Mario Simmel wollen wir an dieser Stelle ein Plädoyer für Quarzuhren halten. Nicht für x-beliebige, sondern für Markenprodukte wie die Junghans Aviator MF oder die Tissot T-Touch Expert.

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          Der Mann ist ein Uhrenfreund und Genießer. Er nennt einen sehr feinen Chronographen Schweizer Provenienz sein Eigen. Der Mann ist aber auch Golfer, Segler und IT-Fachmann mit Sinn für pragmatische Lösungen. Folgerichtig stellte er die Frage: Was ist die freizeit- und alltagstaugliche Ergänzung zu meinem Chronographen, den ich nicht auf dem Golfplatz oder dem Boot strapazieren will? Natürlich muss so eine Uhr wasserdicht sein - mindestens bis 10 bar. Robustheit bei Gehäuse - samt Saphirglas - und Uhrwerk ist gefragt, aber keine martialische Optik, schließlich soll die Uhr auch mal im Büro getragen werden. Auf jeden Fall muss sie eine analoge Anzeige haben, gern auch die eine oder andere Zusatzfunktion wie Chronograph oder zweite Zonenzeit, der Preis sollte unter 1000 Euro liegen.

          Zum Glück ist der Mann zwar Mechanikfan, aber kein Dogmatiker, so dass wir ihm ungestraft auch Quarzuhren empfehlen können. Schließlich sind deren batteriebetriebene Schrittschaltmotoren praktisch unempfindlich gegen Schläge wie beim Abschlag auf dem Golfplatz. In die engere Auswahl kommen die Junghans Aviator MF und die Tissot T-Touch Expert, beide im Fachgeschäft für rund 750 Euro zu haben. Das ist kein Schnäppchenpreis für Quarzuhren, doch haben unsere beiden Kandidaten einiges zu bieten.

          Hoch komplizierter Handgelenkscomputer

          Nehmen wir die Junghans. Ihr Edelstahlgehäuse mit teils polierten, teils mattierten Flächen und das elegant integrierte Stahl-Gliederband mit Doppelfaltschließe sorgen für den ersten positiven Eindruck. Das sieht nicht nur hochwertig aus, es zeugt auch von gewissenhafter Verarbeitung. Auch nach vierwöchiger Tragezeit stellen wir keine sichtbaren Kratzer oder gar Beschädigungen fest. Wie der Name Aviator verrät, pflegt Junghans mit dieser Uhr seine Tradition als Hersteller von Fliegeruhren. Wobei der aeronautische Look sehr zurückhaltend erscheint. Zum einen in Form eines Drehrings, der dem legendären Bundeswehrchronographen aus den 1960er Jahren nachempfunden ist. Dieser Ring ist nur gegen den Uhrzeigersinn drehbar, die 60er-Teilung graphisch sehr dezent. Dagegen verkörpert das Zifferblatt Fliegeruhren-Tugenden im besten Sinn: schwarzer Grundton, große, weiße Ziffern und Indices, was beste Ablesbarkeit garantiert.

          Höchste Genauigkeit gewährleistet ein Quarzuhrwerk mit Funktechnik, die Junghans seit Jahrzehnten einsetzt und kontinuierlich weiterentwickelt. Dieses Uhrwerk zeigt aber nicht nur eine Zeit an, sondern gleich zwei. Die funkgesteuerte Zeit wird analog mit Stunden-, Minuten- und Sekundenzeiger indiziert, daran gekoppelt die Anzeige von Wochentag, Datum und Monat in einem Ausschnitt in der oberen Zifferblatthälfte. Ein zweites Fenster darunter zeigt die zweite Zonenzeit digital. Wahlweise erscheint dort auch die Zeit, an der wir von der Uhr geweckt werden wollen, die gestoppte Zeit des Chronographen - inklusive Zwischenzeitanzeige - oder der gewählte Funksender. Auch ein Countdownzähler mit eindringlichem Warnton bei null ist dabei. Die Vielzahl der beschriebenen Funktionen mag den Eindruck erwecken, es handele sich hier um einen hoch komplizierten Handgelenkscomputer. Nun, so schlimm ist es nicht, aber ein gründliches Studium der Bedienungsanleitung schadet gewiss nicht. Nach weniger als einer halben Stunde lesen und ein bisschen herumspielen verstehen wir die Funktionalität dieses schicken Zeitmessers. Die Steuerung erfolgt über vier Drücker am Gehäuserand, wobei die beiden rechten blockiert werden können, um nicht Uhr-, Weck- oder Stoppzeit versehentlich zu manipulieren. Dazu dient ein Bedienelement, das bei einer mechanischen Uhr Krone heißt und das in Vierteldrehungen den gewünschten Zustand (blockiert oder freigegeben) herstellt - und der Junghans nebenbei das Erscheinungsbild einer „normalen“ Uhr verpasst, die trotz der vielfältigen Bedienelemente bis 10 bar druckfest ist.

          Berührungsempfindliche Bereiche des Glases

          Eine ganz normale Uhr, das ist die Tissot T-Touch Expert sicherlich nicht. Und das nicht nur wegen der fehlenden Krone. Diese Uhr - ein Klassiker unter den Quarzuhren und seit zehn Jahren erfolgreich im deutschen Markt - hat ein einzigartiges Einstellsystem, die Modellbezeichnung T-Touch (to touch = berühren) lässt es ahnen. Alle Funktionen lassen sich mit Hilfe des berührungsempfindlichen Uhrenglases einstellen, und zwar folgendermaßen: Ein kurzer Druck auf den Drücker an der 3-Uhr-Position aktiviert das Glas, bestätigt durch ein kleines „T“-Symbol in der LCD-Anzeige. Jetzt sind die sieben berührungsempfindlichen Bereiche des Glases einsatzbereit. Über den Sensor in der Glasmitte werden alle Funktionen rund um Uhrzeit und Datum angewählt.

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