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Prismenfernglas : Nicht nur für den Hochsitz

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Das Prismenfernglas Pirschler 8x56 nimmt man am besten in zwei Hände Bild: Hersteller

Das Prismenglas Pirschler 8×56 von Dresdenoptics ist mechanisch solide und optisch brillant. Bei Tag bietet das Glas ein scharfes und unverzerrtes Bild mit kaum wahrnehmbaren Farbsäumen. Aber vor allem die Dämmerungsleistung überzeugt - und der Preis.

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          Ferngläser - oder Feldstecher, wenn man dieses herrlich nostalgische Wort bevorzugt - bekommt man heute schon für ein paar Dutzend Euro. Aber kaum irgendwo sonst sieht sich der Käufer einer so großen Spannweite von Preisen und Qualitäten gegenüber wie hier. Das hat natürlich etwas mit den Verwendungszwecken zu tun: Ein Opernfreund, ein Flachland-Wanderer oder der Besucher einer Sportarena stellten bescheidenere Ansprüche an das Glas als ein Bergtourist, ein Vogelbeobachter oder gar ein Jäger auf dem Ansitz. Erst recht, wenn dann noch Dämmerung oder Nacht die letzten optischen Reserven forder. Und so bleiben die Spitzenprodukte kleine technische Meisterwerke fern von Massenware.

          Was für den Jäger taugt, kann auch andere Anwender glücklich machen. Und so repräsentiert das klassische Jagdglas 8×56 - achtfache Vergrößerung, 56 Millimeter Durchmesser des Objektivs, der dem Auge abgewandten Linsengruppe - eine beliebte Kombination aus hoher Dämmerungsleistung und noch vernünftiger Vergrößerung. Diese ist nämlich nicht automatisch besser, wenn höher: Denn jede Unruhe der haltenden Hand wirkt sich dann umso mehr auf die Stabilität des Bildes aus.

          Aus der Konfiguration 8×56 ergibt sich eine Austrittspupille, sozusagen der optische Ausgangs-Querschnitt, von sieben Millimetern: Mehr kann das menschliche Auge, speziell im Alter, ohnehin nicht ausnutzen. Wer nur bei Tag sein Fernglas einsetzt, braucht solche Werte ohnehin nicht und kommt mit weniger Gewicht - und Geld - davon. Aber als Referenz wird sich das klassische 8×56 jedenfalls anbieten.

          Laut Hersteller eine komplette Neuentwicklung

          Wir haben uns mit einem ansehnlichen 8×56-Glas beschäftigt, dem Produkt des jungen (2007 gegründeten), in der Nähe von Chemnitz ansässigen Unternehmens DDoptics Optische Geräte & Feinwerktechnik KG, kurz Dresdenoptics. Das Modell, laut Hersteller eine komplette Neuentwicklung, heißt Pirschler 8×56 HDX-DIA. Es ist Teil eines breiten Programms, das neben Ferngläsern in neun Baureihen auch Zielfernrohre, Spektive (monokulare Ferngläser) und Nachtsichtgeräte umfasst. In der zur mittleren Preislage des Herstellers gehörenden Pirschler-Serie - der Name verrät die Zielgruppe - ist es das Spitzenangebot. Es ist ein solides Dachkantprismenglas in der dieser Bauweise eigenen geraden Tubusform; dagegen hat die alternative Technik mit Porro-Prismen wegen ihres geknickten Strahlengangs die bekannte Gestalt mit eng stehenden Okularen und weiter auseinander liegenden Objektiven.

          Die Daten des Pirschler sind, soweit 8×56-bedingt, Standard aller solcher Gläser: Lichtstärke 49, Dämmerungszahl 21,2. Von der Optik und deren Güte abhängig sind andere Kennzahlen, und hier kann das sächsische Produkt mit einem ansehnlichen Sehfeld von 126 Metern (in 1000 Meter Entfernung) und einer Naheinstellungsgrenze von nur 2,3 Metern aufwarten. Das weithin als Referenz angesehene Zeiss Victory 8×56 FL bietet sogar 130 Meter Sehfeld auf, ist aber nicht leichter: 1220 statt der 1206 Gramm des Pirschler (ohne Objektivschutzgummis). Und es ist selbst im Internethandel kaum unter 1500 Euro zu haben, während Dresdenoptics 539 Euro berechnet (einschließlich Tasche von Lowe und Tragriemen von Niggeloh) und 30 Jahre Garantie verspricht.

          Halten mit nur einer Hand

          Der Jäger-Kundschaft kommt das Pirschler in vielen Details entgegen. Seine offene Brücke - laut Hersteller einzigartig bei einem 8×56 - erlaubt das Halten mit nur einer Hand, das Fokussierrad ist gut zu erreichen und dient auch zum Dioptrienausgleich zwischen den beiden Augen: Dazu wird es herausgezogen und dann zur Anpassung des rechten Okulars gedreht, beim Wiederhineindrücken wird die gewählte Einstellung fixiert. Die zur Dachkantprismen-Bauart gehörende Innenfokussierung sichert Wasserdichtigkeit des mit Stickstoff gefüllten Gehäuses aus schlagfestem Polycarbonat. Das komplett vergütete Abbe-König-Prismensystem braucht keine Verspiegelung und sichert so hohe Transmission des Lichts und Bildhelligkeit. Von 100 Metern Distanz an ist Nachfokussieren beim Pirschler 8×56 nicht mehr nötig („Smart Focus"), das Auge stellt sich dann selbsttätig auf Entfernungsunterschiede ein. Brillenträgern nützen versenkbare Augenmuscheln mit ihren vier leicht reproduzierbaren, da gerasterten Positionen.

          Bei Tag bietet das Glas ein brillantes, bis an die Ränder scharfes und unverzerrtes Bild mit kaum wahrnehmbaren Farbsäumen. Es liegt sehr gut in der Hand - oder besser in zwei Händen, denn die Einhandbedienung mit Durchgriff ist beim Gewicht des Geräts kaum praktikabel. Nicht ganz nachvollziehen konnten wir die Naheinstellungsgrenze, drei bis vier Meter sind realistischer als 2,3 Meter (und auch völlig ausreichend). Die Dämmerungsleistung ist verblüffend, auch die Autofokussierung jenseits von 100 Metern funktioniert durchaus. Insgesamt machen das Glas und seine Verarbeitung für den Preis einen tadellosen Eindruck, wir stehen nicht an, es ein Schnäppchen zu nennen - für den, der seine optische Leistung wirklich braucht.

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