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Pistenraupe ohne Diesel : Schneewalzer mit Wasserstoff

Wasserfarbe: Die diesellose Pistenraupe von Prinoth lernt laufen. Bild: Prinoth

Der Südtiroler Hersteller Prinoth will Pistenraupen bauen, die ganz ohne Diesel auskommen. Ein erstes Konzeptmodell probt schon einmal den Einsatz.

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          Pistenbully ist ein Gattungsbegriff wie Selters oder Tempo, aber den Tüftlern des in Sterzing ansässigen Herstellers Prinoth mit seiner bekanntesten (Seilbahn-) Marke Leitner schmeckt der Vergleich mit dem Mitbewerber trotzdem nicht so recht. Die Südtiroler nehmen nämlich für sich in Anspruch, besonders innovativ zu sein, und haben jetzt ein Schmankerl parat: Ihre Pistenraupen sollen eines nicht zu fernen Tages auf die Verbrennung von Dieselkraftstoff verzichten können und sich stattdessen von einer Wasserstoffbrennstoffzelle lokal emissionsfrei antreiben lassen.

          Holger  Appel

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Technik und Motor“.

          Ein Konzeptmodell macht erste Schneewalzversuche. Es trägt die Bezeichnung Leitwolf H-2-Motion und sei, sagt das Unternehmen, das erste mit Wasserstoff betriebene Pistenfahrzeug der Welt. In diesem Winter beginne die Testphase, der erste öffentliche Auftritt wurde mit dem Ski-Weltcuprennen in Alta Badia verbunden.

          Versprochen werden keinerlei Einbußen der für den Pistenbetrieb notwendigen technischen Eigenschaften, die am schneebedeckten Hang recht beachtliche sein müssen. Insbesondere die Kälte dürfte den Akkus zusetzen. „Die Fahrzeuge, sowohl Wasserstoff- als auch Elektropistenfahrzeug, sollten bei Stillstand in einer Garage abgestellt und aufgeladen werden. Dadurch bleiben die Hochvolt-Komponenten und Batterien konditioniert. „Die kalten Temperaturen sind für den Pistenfahrzeugeinsatz kein Problem und wurden in der Konzeption berücksichtigt“, sagt ein Techniker von Prinoth.

          Das Konzeptfahrzeug hat eine Motorleistung von 544PS und ein aus dem Stand heraus verfügbares Drehmoment von 2300 Nm, was danach klingt, als ließen sich damit Berge versetzen. Der Antrieb wird im Verbund von Brennstoffzelle und Elektromotor zur Verfügung gestellt. Sein möglicher Arbeitseinsatz wird mit vier Stunden Dauer angegeben. Wann eine Serienfertigung anlaufen könnte und wie hoch der Preisaufschlag sein wird, vermag Prinoth noch nicht zu sagen.

          Den Weg zu einer nachhaltigeren Pistenbearbeitung wollen die Südtiroler nicht nur auf einem Pfad beschreiten. Auch eine vollelektrische Raupe strebt an die Hänge. Dieses Konzeptfahrzeug heißt Husky E-Motion, ist ebenfalls in der Erprobung und soll im Jahr 2022 marktreif sein. Es bietet 270 PS und 1140Nm Drehmoment, seine 190-kWh-Batterie soll bis zu drei Stunden Einsatz ermöglichen. Auch hier wird vorerst kein Preis genannt, er liege derzeit noch höher als der herkömmlicher Raupen. Zur Orientierung: Eine mit Dieselmotor betriebene Pistenraupe in der angestrebten Oberklasse kostet 350.000 bis 400.000 Euro. Sobald die Skigebiete wieder öffnen dürfen, bemühen wir uns um eine Probefahrt.

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