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Porsche 911 GT3 von Lego : Teilchenbeschleuniger

  • -Aktualisiert am

325 km/h schnell donnert der Porsche 911 GT3 RS aus dem Technic-Programm durch die Vitrine. Bild: Peter Thomas

Das neue Spitzenmodell von Lego Technic bildet den Porsche 911 GT3 RS nach. Der Bausatz ist ganz große Oper in Lavaorange. Schade nur, dass nach der Montage eines nicht mehr zu sehen ist.

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          Lego lässt es mit Sportlichkeit ohne Kompromisse krachen: 325 km/h schnell donnert der Porsche 911 GT3 RS aus dem Technic-Programm durch die Vitrine. Zumindest behauptet das die Anzeige im Cockpit des mehr als einen halben Meter langen, dafür aber nur 17 Zentimeter flachen Plastik-Boliden (entspricht dem Maßstab 1:10) in knalligem „Lavaorange“. Doch der Uhrenladen (in der Mitte weist der Drehzahlmesser 8500 Touren auf) ist auch nur auf die entsprechenden Klötzchen aufgeklebt. Auf der Spielwarenmesse in Nürnberg hatte der aus mehr als 2700 Einzelteilen montierte Rennsportler Premiere - humorvoll inszeniert als Erlkönig im schwarz-weißen Tarnkleid. Die Serienversion (Artikelnummer 42056) kostet 299 Euro und kommt im knalligen orangeroten Lack daher.

          Wir haben den Sportwagen über mehrere Abende hinweg zusammengebaut. Dabei zeigte sich schnell, dass die Dänen diesmal ein etwas anderes Großmodell vorgelegt haben als die so erfolgreichen Kräne, Bagger und Lastwagen der Technic-Familie. Dieser Unterschied beginnt beim Porsche schon mit dem Auspacken: Üblich sind bei Lego die etwas nüchtern in ein großes Paket aus dünner Pappe gestopften Kunststoffbeutel: praktisch, aber nicht ästhetisch. Bei diesem Set hingegen erhält der Kunde eine aufwendig und edel gestaltete schwarze Box. Darin sind die Teile der vier Bauabschnitte nochmals in eigenen, ebenfalls wertig anmutenden Pappschachteln zusammengefasst. Die Ästhetik erinnert an die Verpackung von Sets der „Lego Architecture“-Serie - oder an Produkte von Marken wie Apple und Leica.

          Mehr als einen halben Meter lang. Bilderstrecke
          Mehr als einen halben Meter lang. :

          Ein Herzstück der Lieferung ist die sehr umfangreiche Bauanleitung. Das mehr als daumendicke Buch bringt unter anderem Exkurse zur Markengeschichte der Zuffenhausener Sportwagenbauer, zum Entstehen des Modells und zur Montage des realen 911 GT3 RS mit. Aufgelockert werden die vielen Seiten mit ihren zum Teil arg kleinteiligen Bauschritten durch stimmungsvolle Fotos aus der Produktion des Originals. Die Inszenierung ist große Oper: viele dramatische Höhepunkte, aber durchaus auch die eine oder andere Länge.

          Die hohe Authentizität des Modells erfahren wir schon bei der Konstruktion des Antriebsstrangs. Rad um Rad, Welle um Welle stecken wir nach Plan zusammen, bauen ein buntes und seidenweich laufendes Uhrwerk vom Motormodell bis zur Hinterachse zusammen. Der realen Krafterzeugung und -übertragung dient diese Maschinerie aber später nicht. Denn einen echten Motor weist die Miniatur nicht auf. Lego hat hier statt batterieelektrischem Fahrspaß auf dem Teppich wohl eher die ästhetische Präsentation des Großmodells auf dem Schreibtisch oder in der Vitrine zum Ziel. Den Spaß am Bauen schmälert das nicht.

          Offenheit mechanischer Systeme

          Aber warum nur müssen wir ein paar Bauschritte weiter dieses hochkomplexe Maschinentheater des Doppelkupplungsgetriebes unter einer schnöden Abdeckplatte verstecken, die sich nicht hochklappen lässt? Ansonsten zelebriert doch Lego geradezu die Offenheit mechanischer Systeme bei seinen Technic-Baukästen. Das beste Beispiel dafür sind die Motormodelle, die ohne Zylinderköpfe das flirrende Spiel der Kolben zeigen. Auch unser Modell hat einen halbwegs vorbildgerechten Sechszylinder-Boxermotor im Heck - sieht man eben später nur nicht mehr.

          Die Zielgruppe der erwachsenen Modellbauer wird diese Verschlossenheit weniger stören. Denn wer den Boliden einmal montiert hat, dem ist diese manchmal an Sisyphus gemahnende Erfahrung (tütchenweise identische Steckverbinder, die wir zum besseren Überblick in von der Gattin geliehene Auflaufformen entleeren) nicht mehr zu nehmen. Aber was ist mit der jüngeren Generation, die zu Kraftfahrzeugen und Lego ja durchaus eine ausgeprägte Affinität zeigt?

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