https://www.faz.net/-gy9-ab6dq

Petroleumlampe Petromax : Es spratzelt, zischt und raucht

Rustikal: Die Petromax ist nicht umzubringen. Bild: Hersteller

Vor einem Jahrhundert hat die Petromax das Licht revolutioniert. Wir haben solch eine Petroleumlampe wiederentdeckt und in Betrieb genommen.

          4 Min.

          Das Leben im Einfamilienhaus hat Vor- und Nachteile, einer davon ist, dass man viel Platz hat. Der füllt sich im Laufe der Jahre mit allerlei Schätzen, die Gattin nennt das Krempel, sie warten auf Wiederentdeckung. Dazu bedarf es eines Anstoßes, das kann etwa ein unerwartetes Jubiläum sein. Er kommt in diesem Fall in Gestalt einer schlichten Mitteilung: Die Petromax wird 100 Jahre alt, das Patent wurde im April 1921 erteilt. Und damit die Presse weiß, worum es geht, sind ein paar Kleinteile beigelegt.

          Lukas Weber
          (Web.), Technik & Motor, Wirtschaft

          Da war doch was. Richtig, nicht ganz so lange her, aber immerhin vor drei Jahrzehnten bekam der Redakteur eine Original Petromax geschenkt. Nach anfänglicher Begeisterung ob der feinen Technik gingen die Strümpfe aus, und das Gerät geriet in Vergessenheit, weil der Max die Socken zum Glühen braucht. Licht in Form von LED-Leuchten ist halt viel einfacher, es lässt sich an- und ausknipsen, Petroleum ist nicht erforderlich. Aber das schwere Gerät hat seinen Reiz, wäre doch gelacht, wenn wir es nicht wieder zum Leben erwecken könnten. Also erst mal entstauben, neuen Glühstrumpf dran, Petroleum in den Tank, pumpen, pumpen und noch mal pumpen.

          Dafür gibt es einen Zieh- und Drückknopf, der leider nur bei jedem dritten Hub ein schmatzendes Geräusch erzeugt und sonst ins Leere fällt, statt Luft hineinzudrücken, obwohl das Leder am Ende der Stange zum Abdichten reich gefettet ist. Nach Minuten verzweifelter Arbeit die Kon­trolle am Manometer – da tut sich nichts. Bedienungsanleitungen sind etwas für Feiglinge, wofür war noch mal das blaue Rad? Ein halber Dreh, schon spritzt Öl in hohem Bogen durchs Wohnzimmer. Woraus wir den Schluss ziehen, dass erstens wohl doch Druck im System war und dass zweitens die Düse nicht verstopft ist. Den zarten Duft von Petroleum kannten wir schon vordem, er hängt tagelang in der Nase.

          Schräubchen und Dichtungen nicht mitgerechnet

          Dem Max werden wir es zeigen, jetzt soll er zerlegt, gereinigt, begutachtet und wieder zusammengefügt werden. Das fordert den Bastler, es sind mehr als zweihundert Bauteile – Schräubchen und Dichtungen nicht mitgerechnet. Dabei ist das Prinzip schlicht: Das Petroleum im Tank wird unter zwei bar Druck gesetzt, sobald das Ventil geöffnet wird, strömt es nach oben durch einen heißen Vergaser, wo es verdampft und weiter beschleunigt wird. Am Ende des Vergasers tritt es fast mit Schallgeschwindigkeit durch eine Düse aus und reißt Luft mit sich. Daher das zischende Geräusch. Luft und Brennstoff verwirbeln in einem Rohrbogen, das Gemisch entzündet sich im Freien und erhitzt das, was vom kunstseidenen Glühstrumpf nach dem ersten Anzünden übrig geblieben ist, bis zur Weißglut. Sie spendet das helle Licht. Es ist ein Gerüst aus Asche, das empfindlich gegen Erschütterungen und Verschleißteil Nummer eins ist. Die Hitze holt sich der Vergaser anfangs mit einem Schuss Spiritus aus einer kleinen Wanne oder durch einen Rapid-Zünder, der mit Petroleum aus dem Tank arbeitet. Ein Liter Öl reicht für etwa acht Stunden, nur gelegentlich muss nachgepumpt werden. Die HK 500 brennt so hell wie 500 Kerzen oder gar nicht.

          Weitere Themen

          Willys kleiner Enkel

          Fahrbericht Jeep Renegade : Willys kleiner Enkel

          Ein echter Jeep aus Italien? Das geht, der kleine Renegade glänzt mit viel Platz, reicher Ausstattung und vielen anderen Talenten. Als Plug-in-Hybrid ist er jetzt sogar auf der Höhe der Zeit.

          Topmeldungen

          Neue Nummer drei: Elise Stefanik im Januar 2020 nach Trumps Freispruch im Weißen Haus.

          Machtkampf der Republikaner : Aufstieg einer glühenden Trumpistin

          Die vergangenen Tage haben eindrücklich gezeigt: Auch nach der Wahlniederlage hat Donald Trump die Fraktion der Republikaner unter Kontrolle. Sein neuester Coup ist die Beförderung von Elise Stefanik.

          Nahost-Konflikt : Hamas feuern Raketen auf Jerusalem

          Gegen 18 Uhr Ortszeit wurden aus Gaza-Stadt Dutzende Raketen in Richtung Jerusalem abgefeuert – ein Zivilist wurde verletzt. Auf dem Tempelberg ist ein weithin sichtbares Feuer ausgebrochen.
          Cybergangster kommen nicht durchs Tor: Tankanlagen an einer Abzweigung im Pipeline-System von Colonial im Bundesstaat Alabama

          Hackerangriff auf Pipeline : Lösegeld für das schwarze Gold

          Eine Cyberattacke in den Vereinigten Staaten beeinträchtigt den Transport von Öl. Sollten die Folgen anhalten, könnten auch hierzulande Öl und Benzin nochmal teurer werden.
          Hat gut lachen: Hamburgs Interimstrainer Horst Hrubesch (rechts) klatscht mit HSV-Spieler Moritz Heyer ab.

          5:2 gegen Nürnberg : Mit Hrubesch läuft es beim HSV

          Mit Interimstrainer Horst Hrubesch siegt Hamburg gegen Nürnberg deutlich. Damit wahrt der HSV eine kleine Chance auf den Aufstieg. Doch auch Konkurrent Kiel holt gegen Hannover drei Punkte.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.