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Outdoor-Kleidung : Was fasern die da?

Houdini-Pulli aus Polartec Power Air Bild: Hersteller

Mikroben und Plastik-Recycling sollen die Outdoor-Industrie aus dem Umwelt-Schlamassel befreien. So sehen die Vorschläge der Hersteller aus.

          Alljährlich tief im Winter ist die Ispo der bunte Tummelplatz im Zeichen des Gutdraufseins und der Lust aufs Draußensein. Viele Große der Outdoor-, Berg- und Skiindustrie versammeln sich auf dem Münchener Messegelände. Es geht um Natur, aber naturgemäß vor allem ums Geschäft. Der Kampf um Kundengunst und Marktanteil wird hart ausgetragen, aber glücklicherweise auch mit einer gewissen Lockerheit, Gelassenheit und einem Freibier. Denn auf einer internationalen Sportartikelmesse soll der Spaß nicht zu kurz kommen.

          Walter Wille

          Redaktion „Technik und Motor“

          Allerdings rückt der Ernst immer mehr in den Vordergrund. Umweltverschmutzung, Ressourcenschonung, Recycling beschäftigen die Hersteller und Anbieter von Funktionstextilien. Das köchelt seit einigen Jahren, doch haben diese Themen, wie vergangene Woche deutlich wurde, die Ispo jetzt voll erfasst. In manchem Unternehmen heißt es offen: Wir sind schuldig, haben zu lange vor den Problemen die Augen geschlossen, so kann es nicht weitergehen.

          Keiner will den Zug verpassen. Reihum wird die Wiederverwertung von Plastikflaschen oder alten Fischernetzen gepriesen für Stoffe, Membranen, Laminate, mit solchem Eifer plötzlich, dass es fast schon wieder aufgesetzt wirkt. „Die Branche hat die Chance, eine Vorreiterrolle einzunehmen und ein Zeichen zu setzen, bevor gesetzliche Bestimmungen uns die Entscheidung abnehmen“, sagte Arne Strate, Generalsekretär der European Outdoor Group. „Darüber hinaus ist Nachhaltigkeit heute auch ganz einfach ein Geschäftsmodell.“

          Biologisch abbaubarer Schuh Bilderstrecke

          Geworben wird mit dem korrekten Weg der Wolle vom Schaf in die Fabrik, der ethisch vertretbaren Gänsedaune für die Jacke. Die Eliminierung von wasser- und schmutzabweisenden Flourcarbonen zur Imprägnierung der Obermaterialien von Kleidungsstücken schreitet voran, Recycling-Kreisläufe werden auf den Weg gebracht. Jedoch hat, wie Rüdiger Fox, Geschäftsführer des Unternehmens Sympatex aus Unterföhring, feststellte, die Branche eine „Achillesferse“: Mikroplastik. Und eben von Plastik war diesmal viel die Rede. Sympatex, bekannt für wasserdichte, atmungsaktive Membransysteme und Lagenlaminate, hielt eine Pressekonferenz eigens zu diesem Thema.

          Das Unternehmen verwies darauf, dass Abrieb bei der Nutzung und das Waschen von Funktionstextilien zum Abgang winziger Plastikteilchen in den Wasserkreislauf führten: „Wir als Industrie sind Teil des weltweiten Mikroplastikproblems und Mitverursacher der Verschmutzung in der Umwelt und den Gewässern.“ Um das Ausmaß zu erforschen und Lösungen herbeizuführen, ist Sympatex nach eigenen Angaben Partnerschaften mit diversen staatlichen und nichtstaatlichen Organisationen eingegangen.

          1,7 Millionen Teilchen beziehungsweise 219 Milligramm

          Beispielsweise nahmen im Zuge einer Studie Wissenschaftler des italienischen Instituts IPCB-CNR Testreihen mit Polyester-T-Shirts vor und stellten fest, dass beim Waschen von einem Kilogramm davon in der Waschmaschine 550 000 Mikrofasern freigesetzt wurden, entsprechend 125 Milligramm. Unter Laborbedingungen waren es 1,7 Millionen Teilchen beziehungsweise 219 Milligramm. Sympatex lässt seit Herbst vergangenen Jahres seine Polyesterlaminate sowohl aus recycelten als auch nicht recycelten Ausgangsmaterialien untersuchen, um herauszufinden, wie sich die Mikrofasermengen beim Waschvorgang verringern lassen.

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