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Outdoor-Marke Páramo : Ein Fell für zwei

Páramo klingt nicht britisch, ist es aber Bild: Hersteller

Die Outdoor-Marke Páramo hat ihre eigenen Prinzipien, setzt auf Umweltfreundlichkeit und Ideen aus der Tierwelt. So kommt besonders atmungsaktive Kleidung zustande.

          Briten haben die Angewohnheit, manches anders zu machen als andere. Fahren links, schießen Tore, die keine sind, beschließen Austritte, die nichts werden, geben unschuldigen Kindern den Namen Archie. Auch in der Outdoor-Industrie scheint es eine Neigung zu geben, eigene Wege zu beschreiten. Zumindest für das 1977 von Nick Brown ins Leben gerufene Unternehmen Nikwax gilt das.

          Walter Wille

          Redaktion „Technik und Motor“

          Als reisefreudiger Wandersmann suchte Brown damals nach einer Lösung, seine Lederstiefel trocken zu halten. Mit Regen und hoher Luftfeuchtigkeit kennt man sich aus auf der Insel, und so kam es, dass Brown sein eigenes Imprägnierwachs entwickelte. Daraus entstand das Unternehmen Nikwax, das seit nunmehr 42 Jahren Wasch- und Imprägniermittel für Outdoor-Bekleidung anbietet.

          Unterm Dach von Nikwax gründete der Engländer Anfang der neunziger Jahre zudem die Marke Páramo und wurde dadurch zusätzlich zum Bekleidungshersteller. Páramo klingt nicht britisch, ist es aber, und wieder wurde das Anderssein zum Prinzip erkoren. Brown verzichtete beispielsweise auf den Einsatz von Membran-Folien und getapten Nähten und schaute sich stattdessen in der Natur um. Die Idee zu „Nikwax Analogy“, wie er das ertüftelte Gewebesystem nannte, für das ein dicht gestricktes Fleece aus Ober- und Unterfell verwendet wird, kam der Überlieferung nach beim Betrachten von Tierfell.

          Nikwax nimmt für sich in Anspruch, von Anfang an Fluorchemikalien verbannt zu haben und auch sonst dem Umweltgedanken frühzeitig gefolgt zu sein. Auf Recycling und die Möglichkeit, Produkte einfach zu reparieren statt wegzuwerfen, sei stets Wert gelegt worden, heißt es, sämtliche CO2-Emissionen würden durch Spenden zur Regenwald-Aufforstung ausgeglichen. Der Greenpeace-Detox-Kampagne trat Páramo nach eigener Darstellung 2016 als erster Outdoor-Ausrüster überhaupt bei. Von sozialem Engagement zeugt die Tatsache, dass mehr als 80 Prozent der Páramo-Kollektion in Kolumbien in Produktionsstätten der Miquelina-Stiftung aus Bogotá genäht wird. Die von einer Ordensfrau gegründete, als gemeinnützig anerkannte Organisation beschäftigt den Angaben zufolge mittlerweile 200 Frauen, die aus schwierigen Verhältnissen stammen, und bildet jedes Jahr einige hundert weitere aus. Wem das wichtig ist, der achte auf den Schriftzug „Made in Colombia“.

          Leichte Windjacke aus der Ostro-Serie im Einsatz Bilderstrecke

          In der Velez-Jacke von Páramo entdeckten wir ein solches Etikett. 390 Euro verlangt der Hersteller für das Kleidungsstück, das beispielsweise zum Wandern, Klettern, Skitourengehen genutzt, oder einfach im Alltag bei kühlerem Wetter getragen werden kann. Für sommerliche Temperaturen ist es ungeeignet, weil einem rasch zu warm wird, trotz eines ausgeklügelten, effizienten Belüftungssystems. Das besteht aus langen Lüftungsreißverschlüssen an den Vorderseiten der Oberarme – sehr nützlich etwa beim Radfahren – sowie den ungewöhnlichen, zweistufig konstruierten Brusttaschen links und rechts, die ebenfalls zur Belüftung verwendet werden können: Hinter dem äußeren Reißverschluss, der einen Lüftungsschlitz öffnet, kommt ein zweiter Reißverschluss zum Vorschein, mit dem man einen deutlich größeren Luftschacht öffnet, der wahlweise als geräumige Brusttasche genutzt werden kann.

          Das eigentlich Besondere allerdings ist die zweilagige „Analogy“-Bauweise der Jacke mit einer dünnen, imprägnierten Außenschicht aus Polyester-Mikrofaser und einem darin eingehängten Innenfutter, dem „Fell“. Während die äußere Hülle einen gewissen Windschutz bietet und dank Imprägnierung – die nach dem Waschen erneuert werden muss – Wasser abperlen lässt, dient das Fleece im Innern als „Pump Liner“, als „Pumpe“, die Feuchtigkeit nicht nur als Wasserdampf nach außen zu leiten vermag, sondern auch in flüssiger Form, also als Schweiß und Kondenswasser, nach außen drückt. Umdenken ist gefordert: Steht man auf dem Gipfel und beginnt zu frieren, zieht man, sofern mitgebracht, eine zusätzliche Primaloft-Jacke nicht unter, sondern über die Velez, um deren Atmungsaktivität nicht zu beeinträchtigen.

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