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Ostern : Das Ei mit Hasenöhrchen liegt im Trend

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Eierfärben im großen Stil. Wer zu Hause natürlich färben möchte, sollte bestimmte Gemüsesorten vorrätig haben. Bild: dpa

Ist schon fast ein bisschen spät. Aber Ostereier lassen sich schnell besorgen und bemalen. Man muss dazu viel wissen. Alles über Farben, Eischale und Zwiebelbäder.

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          Jetzt ist schon wieder Ostern. Und Sie haben vergessen, Eier zu färben. Was ist zu tun? Lassen Sie es sich von einem Fachmann für Huhn und Ei erklären. Zunächst war es gut von Ihnen, nicht fertig gefärbte Eier gekauft zu haben. Sie sind etwas für phantasielose Menschen und übermäßig durchsaftet. Gibt es einen Bauernhof oder Legehennenbetrieb in der Nähe, fragen Sie nach weißschaligen Eiern der Größenklasse M (Gewicht mit Inhalt 53 bis 63 Gramm). Die versprechen größtmögliche Stabilität, wenn ein Kind das Ei leerpustet. Aber auch alle anderen Eier, gelegt von Wachtel, Strauß oder Auerhahn, eignen sich. Eier von seltenen Singvögeln und dem Specht dürfen nicht verwendet werden.

          Deutsche Eier werden auf Geheiß der Aufsichtsbehörden in die Handelsklassen A und B eingeteilt. Zum Bemalen eignet sich Güteklasse A, denn hier sind die Schalen staatlich garantiert schadenfrei. Man darf auch guten Gewissens Eier aus Bodenhaltung auswählen.

          Mit Zwiebeln und Roter Beete

          „Es ist das Osterfest alljährlich, doch für den Hasen recht beschwerlich“, sagte schon Wilhelm Busch (Schriftsteller). Auch für den Bastler! Das Ausblasen mittels beidseitiger Einstiche ist mühsam. Also besser das gekochte Ei färben. Nur dann lässt es sich nachher auch verzehren. Außerdem gehen Eier beim Auspusten des Inneren oft kaputt, und es gibt Streit in der Familie.

          Natürlich haben Sie auch wieder versäumt, Farbe zu kaufen. Nehmen Sie also Zwiebeln und kochen das Ei im dichten Sud bis zu zehn Minuten lang; das gibt eine kräftig braundunkle Färbung, mit Roter Bete wird das Ei so rot, wie es unsere Vorväter verspeisten. Rot waren die Eier früher nach dem Vorbild priesterlicher Röcke der Ostermessen. „Ebenso war das Ei, besonders das rot gefärbte, das Osterei, als fruchtbringende Kraft und als Opfer für die Erde geeignet. Am Osterfeste stellten die Bauern auf einen Tisch ein Gefäß mit Weizenkörnern, sie verbargen darin ein Ei“, hielt Felix Haase (1939) fest. Ja, er hieß wirklich so.

          Das pflanzliche Farbbad gibt blasse Ergebnisse, aber dafür sind sie natürlich und liegen somit sehr im Trend. Ist noch Zeit, wählen Sie die Variante „Sorbisches Osterei“. In einer Anleitung auf faz.net ermutigt Kursleiterin Bärbel Lange aus Brandenburg dazu auch Laien. Sie glaube, heißt es, „fest daran, dass jeder die Fähigkeit besitzt, die Technik auszuüben und so ein einzigartiges Meisterwerk zu erzeugen“. Frau Lange unterrichtet Interessierte von 4 bis 80 Jahren.

          Kugelschreiber und Wachsmalstifte besser nicht verwenden

          Das Sorbische Ei geht so: Ein Muster mit dem Bleistift vorzeichnen, kleine Punkte aus Wachs mit Federkielen auftragen, in Farbe tunken, trocknen lassen, über Kerzenflamme Wachs erweichen, abreiben, fertig. Es eignen sich Frühlingsmotive. Auch lassen sich Hasenöhrchen aus Papier ausschneiden und dem Ei kokett aufsetzen – ein pfiffiges Neuarrangement tierischer Symboliken.

          Verwendet man ein braunes Ei, lassen sich mit einer Nadel (Vorsicht, Kinder!) weiße Muster einkratzen. Auch das kann schön aussehen. Idee: Zickzacklinien. Dann möchte es auch in Ihrer Familie wohl zugehen wie im Kinderbuch „Die Häschenschule“ (1924), wo es heißt: „Seht, wie ihre Augen strahlen, wenn sie lernen Eier malen. Jedes Häslein nimmt gewandt einen Pinsel in die Hand, färbt die Eier, weiß und rund, mit den schönsten Farben bunt. Wer’s nicht kann, der darf auf Erden / nie ein Osterhase werden.“ Es geht einfach. Man kann Filzstifte nehmen, Bleistift, Kleber nehmen, Bindfäden, Filz, Stoff, Zeitungspapier. „Federn und Eier sind wunderbare Materialien, mit denen man sein Haus dekorieren kann“, rät Diplom-Textildesignerin Hanna Erhorn (34). „Auch Schummeln ist erlaubt“, teilt das Webportal Geschenke.de mit, „wer nicht so geschickt im Freihandzeichnen ist, der paust passende Ostermotive einfach aufs Ei und malt dann munter drauflos. So ist das Ostereierbemalen auch für ungeübtere Hände kein Problem.“ Aber Obacht vor Kugelschreiber und Wachsmalstift: die Schale des Eis ist durch sie bruchgefährdet. Vom Verwenden giftiger Lacke raten Experten ab.

          Die Deutsche haben seit je eine besondere Beziehung zum Ei. Die Intensität nimmt zu. Genau 231 Stück im Jahr verleiben sie sich ein (plus 0,7 Prozent), meldete das Statistische Bundesamt anlässlich Ostern, etwa die Hälfte als Schalen-Ei, die andere in Form von Kuchen, Nudeln, Pfannkuchen, Eierlikör et cetera. Der Durchschnittsverzehr erhöht sich am Ostertag signifikant. In ordentlichen Familien findet das gemeinsame Bemalen schon an den Vortagen statt. Kurzentschlossene sollten wissen, dass man Eier zum Ausblasen auf Schaschlikspießen befestigt.

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