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Badeofen im Test : Selbsthilfe für Warmduscher

  • -Aktualisiert am

Das kleine Anwesen im Spessart hat jetzt auch warmes Wasser Bild: Georg Küffner

Warmes Wasser ist ein Luxus und funktioniert problemlos, wenn man an die öffentliche Wasser- und Stromversorgung angeschlossen ist. Fehlt beides, muss man dennoch nicht aufs Warmduschen verzichten. Ein Selbstversuch.

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          Noch fließt kein Wasser. Was so nicht stimmt, denn kaltes strömt Tag und Nacht aus einer eigenen, zum Haus gehörenden Quelle. Und zwar von astreiner Qualität. Nur reicht der Druck, mit dem das Wasser aus der Leitung rinnt, gerade mal aus, es mit Mühe in den ersten Stock zu schicken, liegt doch die Quelle nur geringfügig höher als die zwei Zapfstellen, die man vor Jahr und Tag in diesem weit ab von einer öffentlichen Wasser- und Stromversorgung liegenden Anwesen installiert hat. Komfort sieht anders aus. An Dusch- und Badevergnügen, wie es nicht nur aus dem modernen Wohnungsbau nicht mehr wegzudenken ist, kann man unter diesen Umständen vergessen. Wirklich? Oder liefert die Technik ein Ausweg?

          Das ideale Gerät für diese rustikalen Randbedingungen ist der Kaldewei Badeofen Robusta. Dieser tonnenförmige, etwa mannshohe Boiler, den ältere Zeitgenossen aus Omas Badestube kennen und der von dem mittlerweile zum Edelausrüster von Badezimmern mutierten Hersteller aus dem westfälischen Ahlen aus 1,8 Millimeter starkem Stahlblech noch immer zusammengelötet wird. Mittlerweile ist er auch im Katalog des Nostalgie-Händlers Manufactum gelistet und kann für 750 Euro gekauft werden: Unterhalb des weiß emaillierten Tanks sitzt eine ausschamottierte Brennkammer. Gefeuert wird mit Holz, das zuvor auf Bleistiftlänge gekürzt werden muss. Das Prinzip hat sich bewährt und bietet den Vorzug, dass beim Erhitzen der 90 Liter Badewasser auch gleich der gesamte Raum warm wird.

          Mittlerweile ist er auch im Katalog des Nostalgie-Händlers Manufactum gelistet und kann für 750 Euro gekauft werden

          Wir haben den Robusta-Ofen gebraucht gekauft. Der spärlich rinnende Wasserzufluss konnte ihm nichts anhaben. Nur Heldentaten kann man unter diesen Umständen nicht erwarten. Wohliges Duschvergnügen konnte man vergessen. Was möglich war, war ein kontrolliertes Nassmachen mit anschließendem, langwierigem Entfernen von Schmutz und Seife. Doch besser so als gar nicht duschen war es auf alle Fälle - und wir hätten auch so weitergemacht, wäre da nicht ein unnachsichtiger Schornsteinfeger gewesen.

          Gegen den Robusta-Ofen hat er nichts, doch von der Rauchgasführung hat er seine ganz eigenen Vorstellungen: Mit dem von uns aufgesetzten (doppelwandigen) Edelstahlzug war er ganz und gar nicht einverstanden, hatte der doch einen Innendurchmesser von 100 Zentimetern, während das durch den Kaldewei-Boiler nach oben führende Flammrohr nur 80 Zentimeter stark ist. Wie also kehren, fragte unser Schornsteinfeger, habe er doch keinen Besen, der sich dem sich ändernden Querschnitt anpasse. Zudem entspreche „Kehren durch den Ofen“ nicht dem Regelwerk. Vorgeschrieben sei ein separat stehendes Abgasrohr, an das der Badeofen seitlich angeflanscht wird, mit Kehrtürchen inklusiv.

          Der Strom kommt mittlerweile vom Dach

          Eine teure Lösung. Weit über 1000 Euro wären für die Schornsteinfegerkonforme Lösung fällig geworden. Zu viel für ein aufgrund des schwachen Wasserdrucks nie völlig zufriedenstellendes Duschvergnügen. Die nachhaltige, CO2-neutrale Holzfeuerlösung hatte verloren. Gas, und zwar Flüssiggas aus der Flasche, musste her. Zudem galt es, dem Wasserdruck Beine zu machen, denn auch der einfachste Durchlauferhitzer funktioniert nur, wenn man ihm reichlich Wasser zuleitet. Drei bar sollte der Druck schon betragen, woraus sich gleich zwei Herausforderungen ergeben: Elektrischer Strom und eine Druckerhöhungsstation mit Wasservorratstank, so dass die (elektrische) Pumpe stets zuverlässig mit Nachschub versorgt wird und nicht Gefahr läuft, trockenzufallen.

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