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Offshore-Wind (1) : Der Windstrom kommt an Land

  • -Aktualisiert am

Offshore-Windpark „Alpha Ventus“: Jede Menge Lehrgeld Bild: dpa

Weit vor der Küste installierte Windparks lassen sich nicht mit klassischen Drehstromverbindungen an das Stromnetz an Land anschließen. Für sie müssen leistungsstarke HGÜ-Steckdosen gebaut werden. Bisher alles Einzelanfertigungen.

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          Im deutschen Offshore-Windgeschäft sind Erfolgsnachrichten die Ausnahme. Entsprechend schwer haben sie es, sich Gehör zu verschaffen. So hat man mit eher müdem Lächeln die kürzlich verkündete, 15 Prozent über dem Prognosewert liegende Stromausbeute (2011) des Forschungswindparks „alpha ventus“ zur Kenntnis genommen. Denn wer an dieses rund 45 Kilometer nördlich von Borkum im hier 30 Meter tiefen Wasser stehende Testfeld denkt, der erinnert sich vor allem an Pannen.

          Ganze drei Jahre später als ursprünglich geplant hat hier im Herbst 2009 das letzte der zwölf Windräder mit der Stromproduktion begonnen. Man hatte schlicht die Schwierigkeiten und die Komplexität des Projekts unterschätzt. Fast schon naiv hatte man anfangs versucht, die tonnenschweren, für die Standsicherheit der Windräder zuständigen stählernen Dreibeine auf einem kleinen Ponton stehend zum Einsatzort zu schleppen.

          Während der sich ewig lange hinziehenden Bauphase musste jede Menge Lehrgeld bezahlt werden, wie man auch beim ersten kommerziellen Windpark in der deutschen Nordsee nicht von Erfolgen spricht, sondern sich vielmehr seit Monaten die Hiobsbotschaften mehren. Mittlerweile droht dem Investor, dem Bremer Unternehmen Bard, gar die Zerschlagung, nachdem man im vergangenen Jahr händeringend nach einem Investor gesucht hatte. Vergeblich, wie sich herausgestellt hat.

          Weit hinter dem Zeitplan

          Vor allem technische Schwierigkeiten haben hier die Baukosten auf heute geschätzte knapp drei Milliarden Euro steigen lassen, über eine Milliarde Euro mehr als projektiert. Zudem liegt man weit hinter dem Zeitplan zurück. Schon im vergangenen Jahr hätte der Windpark Bard Offshore 1, der in der ersten Ausbaustufe mit 80 Windrädern bestückt werden soll, in Betrieb gehen sollen. Heute drehen sich zwar die ersten rund 20 der fünf Megawatt (MW) starken Anlagen, doch die vollständige Inbetriebnahme des 90 Kilometer vor der Küste liegenden Parks ist erst für Ende 2013 oder Anfang 2014 vorgesehen.

          Offshore-HGÜ-Plattform

          Damit kommen die hochgesteckten Ziele der Bundesregierung, mit Offshore-Windanlagen recht bald schon einen nennenswerten Anteil der deutschen Stromerzeugung abdecken zu können, dramatisch ins Rutschen. So hat das die Branchenentwicklung akribisch abbildende Bremer Marktforschungsunternehmen Wind-Research vor wenigen Tagen gemeldet, dass man das Ziel, im Jahr 2020 Windkraftanlagen mit einer Leistung von 10.000 MW (das sind rund 3000 Windräder) in Nord- und Ostsee am Netz zu haben, „mit Sicherheit verfehlen“ werde. Schuld daran seien vor allem die Verzögerungen beim Bau der für den Abtransport des Windstroms in Richtung Küste zuständigen Netzanbindungen. An 35 000 MW Offshore-Windleistung bis zum Jahr 2030, wie es der Plan der Politik vorsieht, wagt schon länger niemand mehr zu denken.

          Schwierigkeiten bereitet jedoch nicht allein die Technik. Auch die Finanzierung des mehrere Milliarden Euro schweren Großprojekts Offshore bereitet Probleme. Und das, obwohl den Investoren mehr als 20 Jahre eine recht üppige Vergütung (bis zu 19 Cent für die Kilowattstunde) für den erzeugten Windstrom garantiert wird und die für den Bau der Leitungen zuständigen Netzbetreiber (in der Nordsee ist das Tennet) mit kostenbezogenen Netzentgelten rechnen können.

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