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Offshore-Wind (1) : Der Windstrom kommt an Land

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Diese Technik ist keineswegs neu. Bereits 1954 hat Asea in Schweden eine erste HGÜ-Leitung gebaut. Mittlerweile gibt es weltweit 150. Die leistungsstärkste mit einer Kapazität von 6400 MW findet sich momentan im Südwesten Chinas, wo man mit dieser Technik den Strom des Wasserkraftwerks Xiangjiaba über 2071 Kilometer nach Schanghai transportiert. Fast alle diese Anlagen arbeiten mit der klassischen, mit Thyristoren arbeitenden Umrichtertechnik, die für den Abtransport des 100 Kilometer vor der Küste geernteten Windstroms nicht taugt, „springen“ die Thyristoren doch nur an, wenn ihnen ausreichend viel Blindleistung zur Verfügung steht. Und genau das können die Windräder nicht garantieren, fällt deren Leistung während einer Flaute doch auf null zurück.

„Unerwartete Zusatzkosten“

Als mit Borwin1 im Jahr 2007 die erste HGÜ-Steckdose (mit einer Kapazität von 400 MW) in Auftrag gegeben wurde, hatte nur der Konzern ABB eine passende Lösung parat und bekam den Zuschlag. Dessen „HGÜ-Light“-Technik nutzt anstelle von Thyristoren moderne Leistungstransistoren (Insulated Gate Bipolar Transistors), die aus dem Stand heraus hochgefahren werden können. Damit ist die Stromverbindung „schwarzstartfähig“, wie Techniker sagen. Und im Vergleich mit den Thyrostoren bietet die neue Technik den Vorteil, deutlich weniger Platz zu benötigen. Entsprechend kompakter fallen die Umrichterstationen aus - ein relativer Begriff. Denn mit einer Grundfläche von 50 auf 35 Meter und einer Höhe von 25 Meter erreichte auch der erste Offshore-Schaltkasten schon stattliche Ausmaße. Damit ihm auch Großwellen nichts anhaben können, hat man ihn auf ein 20 Meter aus dem Wasser ragendes Fachwerkgerüst (Jacket) gestellt.

Siemens bietet mit „HGÜ Plus“ mittlerweile auch eine offshoretaugliche Anschlusstechnik an. Vier der bisher von Tennet bestellten sieben Nordsee-Steckdosen kommen von dem Münchner Technologiekonzern und haben dessen Bilanz gewaltig durcheinandergewirbelt. Der Grund sind „unerwartete Zusatzkosten“ und erhebliche Verzögerungen im Projektablauf. So kann die Plattform Helwin 1, die den Windpark Nordsee Ost an das Netz auf dem Festland anschließen soll, nicht wie geplant in diesem Jahr in Betrieb gehen. Und wie Tennet vor wenigen Tagen gemeldet hat, wird sich auch die Fertigstellung der Plattform Borwin 2 verzögern. Man rechnet nun damit, dass erst im Jahr 2014 diese beiden „Schaltkästen“ Windstrom werden gleichrichten können.

Unterschätzt hat man bisher die Schwierigkeiten bei der Montage der HGÜ-Steckdosen. Um auch bei schlechterem Wetter und höheren Wellen arbeiten zu können, wird ABB seine dritte Anlage (Dolwin 2) nicht vom Kran auf ein zuvor am Meeresboden abgestelltes Jacket setzen. Vielmehr projektiert man gerade eine schwimmfähige Plattform, die an den Aufstellort geschleppt und hier abgesenkt werden kann. Das ist eine Technik, die im Offshore-Öl- und Gasgeschäft längst erprobt ist. Mit ihr kann man ein deutlich größeres „Wetterfenster“ für die Montage nutzen und ist nicht länger auf windarme Sommertage angewiesen.

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