https://www.faz.net/-gy9-718ef

Offshore-Wind (1) : Der Windstrom kommt an Land

  • -Aktualisiert am

Unerfreuliche Gemengelage

Doch das alles reicht nicht, denn bei unsicheren Planungsdaten und dem Risiko, dass ein aus der Spur geratenes Schiff einen gesamten Windpark eventuell für Monate vom Netz nimmt, lassen sich nur schwer Finanzierungen konstruieren und Versicherer finden. Diese unerfreuliche Gemengelage versucht man gerade zu entspannen: So will man eine gemeinsam vom Netzbetreiber, den Windparkprojektierern, den „Strippenziehern“ und den Genehmigungsbehörden erarbeitete (verbindliche) Generalplanung hinbekommen, die Grundlage für alle Haftungsfragen sein soll. Kommt es trotzdem zu Verzögerungen oder versagt die Technik, fließt Geld. So bekommt der Windradbetreiber, so sieht es das vorliegende Konzept des Bundwirtschafts- und des Bundesumweltministeriums vor, ab dem elften Stillstandstag 90 Prozent der gesetzlich festgeschriebenen Einspeisegebühr - die von der Solidargemeinschaft der Stromkunden klaglos (bisher) bezahlt wird.

Das kann sich ändern. Dagegen wird mit großer Sicherheit die Vorgabe der zuständigen Genehmigungsbehörde Bestand haben, die Offshore-Windräder mit ihren Nabenhöhen von bis zu 140 Metern so weit vor der Küste ins Wasser zu stellen, dass sie die am Ufer spazierenden Urlauber nicht zu Gesicht bekommen. Entfernungen von über 100 Kilometer und Wassertiefen bis zu 40 Meter sind technisch in den Griff zu bekommen, was freilich keine triviale Aufgabe ist. Das gilt auch für das Anlanden des weit vor der Küste erzeugten Windstroms, was, durchaus nachvollziehbar, nicht mit den für den elektrischen Anschluss von Kohle- oder Gaskraftwerken üblichen (Höchstspannungs-) Freileitungen möglich ist.

Offshore-Windräder müssen mit in den Meeresboden eingegrabenen Seekabeln an ein nah an der Küste gelegenes Umspannwerk angeschlossen werden. Das ist zwar aufwendiger als das Anschließen gleich starker städtischer Blockheizkraftwerke, die etwa in der gleichen Liga spielen, aber immer dann noch eine vergleichsweise leichte Übung, wenn der Windpark nicht allzu weit draußen liegt. Das gilt etwa für das Testfeld Alpha Ventus und den lediglich 15 Kilometer vom Land entfernt installierten Ostsee-Windpark Baltic 1, wo sich seit dem Frühjahr 2010 21 Räder mit einer Leistung von jeweils 2,3 MW drehen.

Keineswegs neue Technik

In beiden Fällen konnten die Parks mit klassischen Drehstromverbindungen mit den lokalen Stromnetzen verbunden werden. Denn bei eher kurzen Distanzen bereitet der Kondensatoreffekt noch keine Probleme, der bei eng zusammenliegenden Phasen eines Wechselstromkabels zwangsläufig auftritt und umso größer ausfällt, je länger das Kabel, die Spannung und die Frequenz der Spannung sind. Nachteilig bei dieser Technik sind zudem induktive Verluste. Sie entstehen, da nach jedem Phasendurchgang des Wechselstroms sich ein Magnetfeld um den Leiter herum aufbaut, das beim nächsten Phasendurchgang wieder zusammenbricht und dabei eine Spannung induziert, die genau der Spannung entgegengerichtet ist, die übertragen werden soll.

Offshore-Windgeschäft: Erfolgsnachrichten sind die Ausnahme

Für weit draußen liegende Windparks taugt diese Technik nicht. Deren Strom muss als hochgespannter Gleichstrom an Land geschafft werden, was den Vorteil bietet, dass dabei kapazitive und induktive Widerstände nicht existieren, denn nur beim ersten Stromdurchfluss bauen sich hier ein elektrisches und ein magnetisches Feld auf. Damit gibt es beim Gleichstrom, theoretisch zumindest, auch keine Spannungsobergrenze für dessen Transport, was den Vorzug bietet, dass sich die Verluste einer Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragung (HGÜ) in engen Grenzen halten.

Weitere Themen

Topmeldungen

Christine Lagarde auf der Pressekonferenz in Frankfurt

EZB-Präsidentin Lagarde : Zinsentscheid mit einem Lächeln

Die neue Präsidentin der Europäischen Zentralbank, Christine Lagarde, stellt sich erstmals nach einer Ratssitzung der Presse. Den Zinssatz lässt sie unverändert, doch ihr Stil unterscheidet sich deutlich von dem ihres Vorgängers Draghi.

Europa League im Liveticker : 2:1 – Frankfurt dreht das Spiel

Guimarães geht gegen die Eintracht mit einem umstrittenen Tor in Führung, dann aber profitieren die Frankfurter erst von einem Patzer, ehe sie ein zweites Mal treffen. Wer setzt sich am Ende durch? Verfolgen Sie das Spiel im Liveticker.
Das nächste „große Ding“? Auch IBM forscht im Bundesstaat New York an Quantencomputern.

Bahnbrechende Technologie : Im Quantenfieber

Unternehmen treiben die Quantentechnologie voran – nicht nur mit Computern, die Unglaubliches leisten. Thales aus Frankreich will Vorreiter sein.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.