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Nike Zoom Vaporfly 4% Flyknit : Rucke di guh, Schub ist im Schuh

Preisempfehlung von sage und schreibe 250 Euro. Bild: Hersteller

Nike verspricht märchenhafte Laufzeiten mit seinem neuen Laufschuh. Vier Prozent schneller seien Läufer als mit dem Vorgänger. Wir sind damit mal losgerannt.

          Plötzlich stand Eliud Kipchoge in unserem Büro. „Lust auf ein kleines Läufchen“, fragte er, „morgen früh im Grüneburgpark?“ Kipchoge hatte jene roten Laufschuhe an, mit denen er im Herbst den Berlin-Marathon nicht nur gewonnen, sondern auch gleich einen neuen Weltrekord aufgestellt hatte. 2:01:39 Stunden für die 42,195 Kilometer. Für uns hatte er zudem seine Nike-Schuhe mitgebracht. Nun, man darf ja noch träumen von den Rekordzeiten des kenianischen Langstreckenläufers und Weltmeisters und dass er in Frankfurt an der Seite eines Amateurs laufen würde.

          Michael Spehr

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Aber das Paket mit den Nikes, das stand dann irgendwann tatsächlich im Büro, und jetzt muss man höllisch aufpassen, um nicht in die Marketing-Fänge des amerikanischen Sportartikelherstellers zu geraten. Denn die Laufschuhe versprechen etwas, was man ehrlicherweise einem Läufer nicht versprechen kann: Man laufe damit vier Prozent schneller als mit dem Vorgänger, und so heißt das Modell auch „Zoom Vaporfly 4% Flyknit“. Rund um den Berlin-Marathon im September waren die Schuhe kurz erhältlich, für eine Preisempfehlung von sage und schreibe 250 Euro, dann sofort vergriffen, und nun trat ein, was in Marketing-Lehrbüchern nicht schöner hätte formuliert werden können: Knappes Gut plus prominenter Name plus Weltrekord ergibt explodierende Preise auf Ebay und anderen Verkaufsbörsen.

          Mittlerweile ist der Nike wieder gut erhältlich, der hohe Preis bleibt. Wir sind den Schuh einige Monate gelaufen, und als Innovation gegenüber vorherigen Vaporfly-Modellen sticht das neue Obermaterial hervor. Dafür steht der Begriff Flyknit: Die gesamte Oberseite ist mit vielen kleinen Stichen aus einem einzigen Stück gearbeitet, die Ferse ist nur leicht verstärkt, das synthetische Material wirkt sehr leicht, und der Schuh fällt ziemlich schmal aus. Hier stößt man auf das erste Problem: Wir nahmen wie gewohnt den Laufschuh eine Nummer größer als den Straßenschuh und hatten prompt Probleme. Nach einigen Kilometern drückt es doch unangenehm. Das hatten wir uns anders vorgestellt.

          Nike nennt das Material Flyknit.

          Zum Sohlenaufbau verwendet Nike einen neuen Schaumstoff, der leicht, weich und dazu geeignet sein soll, einen Großteil der abgegebenen Energie zurückzugeben. Eingebettet in den Schaumstoff ist eine Platte aus Kohlenstofffasern zur Erhöhung der Steifigkeit und zur Erzeugung eines Schubeffekts. Mit diesen Optimierungen soll der Läufer mehr Tempo erreichen.

          Im praktischen Einsatz ließen wir den Marathon außen vor, dafür drückte der Nike zu stark. Gleich beim Anziehen spürt man indes das geringe Gewicht von 184 Gramm. Die Oberseite umschließt den Fuß gut und eng, das Material gefällt. Durch die Platte aus Carbonfasern wird tatsächlich Vortrieb generiert, es fühlt sich so an, als ob man auf Sprungfedern läuft. Mit höherer Geschwindigkeit scheint der Effekt stärker zu werden. Lassen sich auf diese Weise die versprochenen vier Prozent erreichen? Viele Athleten bestätigen das im Brustton tiefster Überzeugung, obwohl neben den Laufschuhen noch viele andere Parameter für ein gutes Abschneiden mit höherem Tempo entscheidend sind.

          Mit Eliud Kipchoge durch den Grüneburgpark laufend hätten wir gewiss neue persönliche Rekorde erreicht. So aber blieb der Eindruck, dass man mit den Nikes ganz gut schnell laufen kann, wenn alle anderen Rahmenbedingungen ebenfalls stimmen. Die Partnerin kaufte den Vaporfly gleich zwei Nummern größer als ihre Straßenschuhe, war mit dem Nike sehr zufrieden und absolvierte den Frankfurt-Marathon in einer schönen Zeit, ohne Blasen an den Füßen, und mit der Bemerkung, dass der Schubeffekt bis zum letzten Kilometer durchaus zu spüren sei. Der letzte Kilometer kommt übrigens für die Vaporfly schneller, als man denkt. Rechnet man großzügig mit einer Lebensdauer von 500 Kilometer, kostet jeder einzelne 50 Cent. Auch das ist ein Rekord.

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