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Nike+ Sportwatch GPS : Rennen für die Netzgemeinde

  • -Aktualisiert am

Die Uhr: die Nike+ SportWatch GPS dokumentiert anhand von Satellitendaten Bild: Hans-Heinrich Pardey

Wer mit der Nike+ SportWatch GPS unterwegs ist, hat für jede Joggingrunde ein virtuelles Publikum. Zusammen mit einem Schuhsensor misst sie die Zeit und meldet verbrannte Kalorien.

          Never Run Alone: Es mag persönliche Geschmacksache sein, ob man diese werbende Verheißung von Nike als Trost oder Albtraum empfindet. Übertrieben oder gar verkehrt ist der Slogan jedoch nicht: Wer mit der Nike+ SportWatch GPS unterwegs ist, hat für jede kleine Joggingrunde zumindest ein virtuelles Publikum. Der Träger dieser Uhr weiß möglicherweise nicht, wo er sich gerade befindet, denn der GPS-Empfänger wertet zwar Satellitensignale aus, aber die Werbung „mit TomTom-Navigation“ kann leicht falsche Vorstellungen erwecken. Außer Piepsern tönt die - in allen Menüpunkten lediglich englischsprachige - Uhr nicht. Keine Frauenstimme sagt beschwörend „Jetzt bitte wenden“. Die Uhr aber - sofern sie zunächst nach Satelliten suchen durfte - weiß ganz genau, wo sie ist, und das zeichnet sie auf.

          USB-Anschluss in der Armbandschnalle

          Und wenn sie daheim mit dem Teil ihrer Armbandschnalle, der einen USB-Stecker enthält, in die entsprechende Buchse des PCs gesteckt wird, macht sie sich sofort ins Internet auf. Sie lädt die Aufzeichnungen wer-weiß-wohin ins Netz, erneuert ihre GPS-Daten und lädt ihren Akku auf. Die Angabe zum Speicherort unserer Laufdaten ist bewusst so wolkig gewählt: Wohl begibt sich die Uhr zu Seiten, auf denen groß Nike steht und wo alles Mögliche anzusehen und auch zu kaufen ist. Aber gelegentlich versuchten diese Seiten koreanisch zu uns zu sprechen, was zwar verlorene Liebesmüh war, aber auch nicht vertrauensbildend wirkte.

          Zeiten von Runden, Kilometern oder Meilen stoppen

          Die Uhr (rund 200 Euro) funktioniert allein, braucht aber für ihr volles Leistungsspektrum einerseits Software und Internet-Zugang und andererseits weitere Komponenten wie den Schuhsensor von Nike und Apple oder einen Brustgurt mit Herzfrequenz-Sensor (Polar Wearlink+). Die Sportwatch GPS ist ganz aufs Laufen ausgerichtet, will also Zeiten von Runden, Kilometern oder Meilen stoppen, um schließlich verbrannte Kalorien zu melden. Die Aufzeichnung jedes Laufs quittiert sie mit irgendeiner aufmunternden Bemerkung. Man kann sich auch ans Laufen erinnern lassen. Im Internet steht zu lesen: „Durch Antippen der Oberfläche kannst du während des Laufs Runden zählen, dein Rücklicht aktivieren und entscheiden, welche Daten dir während des Laufs angezeigt werden.“ Gemeint ist hier die Hintergrundbeleuchtung der riesigen Ziffern, die sich auch bei heftigen Armbewegungen und ohne Brille gut ablesen lassen - was sich von der Datumsanzeige nicht sagen lässt.

          Auf Schritt und Tritt: Sensor im Schuh

          Routen sieht der Benutzer nur, wenn er sich im Netz zu Nikeplus.com begibt. Dort dreht sich das meiste um neue Produkte und darum, den inneren Schweinehund zu überwinden. Anhand mitgeteilter Laufleistungen wird man farblich eingruppiert. Und als Mitmacher in der „größten Lauf-Community der Welt“ soll man sich mit anderen Ziele setzen oder Strecken-Empfehlungen austauschen, um dann via Facebook oder Twitter Vollzug zu melden. Dort verzeichneten Leistungsexplosionen darf allerdings misstraut werden: Der Schuhsensor wird in den Fingern gedreht zum Kilometerfresser, die Sportwatch merkt nicht, wenn sie Fahrradfahrten als Läufe notiert. So martialisch und robust die Uhr wirkt, ihr Glas entstellte schon nach kurzer Zeit ein Sprung.

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