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Skier von K2 im Test : Gib Gummi

Schwarz auf Gelb: Jeweils drei Dämpfungselemente an den Außenseiten des K2 Disruption 82 Ti. Bild: Wille

K2 hat kein Rennteam, will vom Rennsport weiterhin nichts wissen, aber in Zukunft trotzdem bei den ganz Schnellen mitmischen. Disruption heißt die Modellreihe, mit der das gelingen soll.

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          „Really cool shit.“ Müssen wir das übersetzen? Nein, müssen wir nicht. Lassen wir die Worte, mit denen die Leute von K2 ihre wichtigsten Neuheiten für die Skisaison 2020/21 anpreisen, einfach mal so stehen. Beim really cool shit handelt es sich um eine Baureihe von Pistenskiern, mit denen die Amerikaner ernsthaft im hochsportlichen Segment mitspielen wollen – nach langer Zeit mal wieder.

          Walter Wille
          Redaktion „Technik und Motor“

          Vor Jahrzehnten war K2 eine Rennmarke. Phil und Steve Mahre, die berühmten Zwillinge mit dem wenigen Haupthaar, stehen für eine erfolgreiche Ära in den späten siebziger, frühen achtziger Jahren. Lange her, längst vermarktet sich K2 vollhaarig als coole Marke, die Lifestyle und Lockerheit liefert durch Material für Freerider, Fans des Funparks und Freunde es unverkrampften Pistenfahrens.

          Eine Rückkehr in den Rennsport steht keineswegs zur Debatte. Nicht einmal ihre Racing-Historie wollen die Amerikaner nutzen, um für die neue Linie namens Disruption zu werben, obwohl sie anpeilen, damit auf dem Niveau der Rennmarken mitzuspielen, also Atomic, Head und Konsorten an die Bindung zu gehen. Nicht Renntechnik auf den Endverbraucher herunterbrechen, sondern das Thema von der entgegengesetzten Seite her angehen, lautet der Ansatz. Zielgruppe sind Skifahrer, die mit Rennsport nichts am Hut haben, dennoch das Spiel mit den Fliehkräften suchen und sich dem lässigen Image verbunden fühlen.

          Trotz Tiefschneesucht und Tourentrend ist das Pistensegment nach wie vor das bei weitem größte im Alpingeschäft. Rund 70 Prozent macht es aus, was erklärt, warum K2 attackiert. Noch nie gab es in der Firmengeschichte eine derart aufwendig inszenierte Produktpräsentation für Vertriebler, Händler und Fachjournalisten aus aller Welt wie jetzt in Garmisch-Partenkirchen. Star-DJ und wilde Show-Rennen auf einem Skicross-Parcours inklusive.

          Ein bewährtes, in der Branche gebräuchliches Mittel

          Die Disruption-Skier ersetzen die Charger- und Konic-Modelle, mit denen K2 bisher auf der Piste unterwegs war, ohne je an die Reputation der Weltcup-Hirsche heranzukommen. Ehemalige Rennfahrer waren an der Disruption-Entwicklung beteiligt, Kantengriff stand ganz oben im Lastenheft, gepaart mit Stabilität und Laufruhe, und das alles zur Steigerung des Kurvenvergnügens bei Hochgeschwindigkeit.

          Zur Beruhigung der Skier verwenden die Amerikaner im Fall der Spitzenmodelle der Baureihe jeweils eine Lage Titanal ober- und unterhalb des Holzkerns. Das ist ein bewährtes, in der Branche gebräuchliches Mittel in der Premium-Klasse. Bei K2 liegt das Metall als „I-Beam“ auf der Oberseite in der Mitte des Skis auf und reicht nur im Bindungsbereich bis an die Außenkanten. Weil das Metall zwar stabilisierend wirkt, jedoch Hochfrequenz-Vibrationen nicht in gewünschtem Maße tilgt, setzen die Konstrukteure auf zusätzliche Dämpfungselemente namens DMD (Dark Matter Damping). Das sind Karbon-Plättchen auf einer Gummischicht, die an Front und Heck oberhalb der Kante plaziert werden und feinste Schwingungen verringern sollen – mit dem Effekt, dass unangenehmes Rattern bei harter Kurvenfahrt unterbleibt und die Kante kontinuierlich Kontakt zum Schnee hält. Obendrein sollen im Bereich der Bindung verstärkte Seitenwangen Kantenhalt und Kontrolle verbessern.

          Das schwarze Scharf: MTi, sportliches Flaggschiff der Disruption-Reihe Bilderstrecke
          Im Test : Skier von K2

          Das Disruption-Sortiment umfasst zehn Typen, zwei davon speziell für Frauen. Sie unterscheiden sich durch mehr oder weniger straffe Abstimmung, durch Breite, Taillierung und Radius, decken ein recht weites Spektrum ab. Während die titanalbeplankten Top-Versionen Könnern schmackhaft gemacht werden, sind milder, ausgelegte Varianten mit I-Beam aus Karbon statt Metall für Einsteiger und Fortgeschrittene gedacht. Die Listenpreise reichen von 380 bis 850 Euro. Der Marktstart ist für Herbst 2020 vorgesehen, wobei „ausgewählte Händler“ die Neuen schon von Februar an verkaufen dürfen.

          Einige davon standen jetzt für erste Probefahrten bereit. Flaggschiff des Programms ist der 800 Euro kostende Disruption MTi mit 74 mm Mittenbreite und 18,2 Meter Radius. Auf der seit Sonntag stattfindenden Ispo wurde er mit einer „Gold“-Auszeichnung bedacht. Enorme Laufruhe, satte Straßenlage, direkter, dank leicht gerockerter Schaufel aber nicht bissiger Einzug über die Schaufel sind Merkmale des selbst bei hohem Tempo unerschütterlichen MTi. Wer eine eierlegende Wollmilchsau erwartet, wird sich wundern, sein Daseinszweck ist klar umrissen und eng abgesteckt: Spitzen talwärts richten, Gummi geben und auf einem Feuerschweif in langen Radien Richtung Tal glühen. Wer engere Bögen bevorzugt, wählt die stärker taillierte Variante STi, im Charakter einem aggressiven Slalomski ähnlich.

          Zwei weitere wollen wir noch erwähnen. Der Disruption 82 Ti (850 Euro) ist der typische Skiurlaubs-Allrounder, der mit unterschiedlichen Schneeverhältnissen zurechtkommt. Er weist nämlich die größte Mittenbreite von allen auf, ist dafür jedoch auch der Sturste der Familie. Wendiger, spielerischer gibt sich der etwas schmalere 78 Ti für 800 Euro, der einige angenehme Eigenschaften in sich vereint. Er ist weniger radikal aufs Bolzen ausgerichtet als MTI oder STi, weniger stoisch als der 82 Ti, stattdessen variabel nutzbar, von dynamischem, aber freundlichem Gemüt und breitentauglich. Unter den Disruptions unser Geheimfavorit.

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