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Neues Fahrgeschäft im Europapark : Im Schwebeflug durch die Märchenwelt

  • -Aktualisiert am

Rollenspiele: Alt und Jung sind vergnügt Bild: Foto Hersteller

Im Königreich der Minimoys sind Junikäfer schon riesige Ungeheuer. Durch die neue Themenwelt im Europapark in Rust saust eine einmalige Bahn, mehr fliegend als fahrend.

          4 Min.

          Der Märchenwald im Europapark in Rust ist bei jüngeren Kindern sehr beliebt. Eher ruhig und etwas am Rand des Parks am Bach in einer verwunschenen Kastanienallee gelegen, hört er so manche Eltern dem Nachwuchs erzählen, Mama sei mit ihrer Mutter auch schon hier gewesen. So entstehen Traditionen. Seit eineinhalb Jahren versperrt ein geschickt kaschierter Zaun den Blick durch die Kastanien, doch es wäre nicht der Europapark, wenn es in der Absperrung auf der Brücke über das Flüsschen nicht ein paar Gucklöcher gäbe. Was dahinter wohl entsteht, versuchen die neugierigen Kinder zu erfahren.

          Mittlerweile ist das gut zu erkennen: Ein riesiger Bau mit einer begrünten Kuppel, flankiert von ebenfalls bepflanzten Wänden ragt über einem vielversprechenden, höchst ungewöhnlich gestalteten riesigen Tor auf. Und auf halber Höhe sieht man eine ebenfalls grüne Schiene wie für eine Achterbahn aus der Halle kommen, sich um die Kastanien drehen und auf der anderen Seite wieder im Dunkel des Gebäudes verschwinden.

          Hier ist eine neue Märchenwelt entstanden, und zwar die des französischen Regisseurs Luc Besson. Der hat seinen Kindertraum in drei Filmen über den Jungen „Arthur und die Minimoys“ verwirklicht und dazu eine Phantasiewelt im winzigsten Format verglichen mit der realen geschaffen. Mit Wichteln und Königreichen, einem König und einer Prinzessin und natürlich einem bösen Gegenspieler, gestaltet mit allem, was die digitale Trickfilmerei hergibt. Es geht um die Natur und um Nachhaltigkeit, um das Klein-Sein. Bereits seit einem Jahr konnten die Parkbesucher die originale Filmkulisse, anhand derer das Königreich der Minimoys digitalisiert wurde, im Gelände besichtigen. In den nächsten Wochen wird die neue Attraktion eröffnet, die aus einem zufälligen Kontakt mit Luc Besson entstand.

          Die Fahrt ist auch für Empfindliche kein Problem

          „Arthur im Königreich der Minimoys“ ist das aufwendigste Indoorprojekt in der Geschichte des Parks, rund 25 Millionen Euro hat sich die Besitzerfamilie Mack diese Märchenwelt auf einer Grundfläche von 3.500 Quadratmetern kosten lassen. Die hauseigenen Designer, Dekorateure und engagierte Künstler sind für die Szenerien zuständig, das Tochterunternehmen Mack Rides, das seit Jahrzehnten überall auf der Welt die spektakulärsten Fahrgeschäfte baut, hat die Bahn nicht auf die Schienen gestellt, sondern unter die Schienen gehängt. Dabei konnten die Konstrukteure auf ein System zurückgreifen, das sie bereits 2005 entwickelt hatten, aber aufgrund verbesserter Steuerungselektronik und Batterietechniken erst jetzt verwirklichen konnten.

          Autonomes Fahren: Die Gondeln sind flott unterwegs oder auch langsam, die Passagiere können sie drehen Bilderstrecke

          Damit in dieser neuen Märchenwelt nicht nur die Kleinen, sondern die ganze Familie hier auf ihre Kosten kommt, gibt es Arthur. In der Geschichte ist er der Protagonist, der auf einem Lichtstrahl in den winzigen unterirdischen Kosmos der Minimoys katapultiert wird, im Park trägt die neue Bahn diesen Namen. Mit ihr reisen die Gäste zu den Schauplätzen, die sie vielleicht schon aus Bessons Filmen kennen. Wenn nicht, wird ihnen die Geschichte über diverse Animationen und bewegte Darstellungen nahegebracht.

          Arthur ist so ungewöhnlich und einzigartig, dass noch nicht einmal klar ist, was genau er ist: Die Konstrukteure nennen es eine Themenfahrt mit Achterbahnelementen, eine Bahn für die ganze Familie: schnell genug, um auch größeren Kindern zu gefallen, aber nicht so schnell, dass Eltern oder Großeltern sich nicht trauen einzusteigen. Seine Einzigartigkeit besteht darin, dass die Wagen unter der Schiene hängen, was eine Art Fluggefühl vermittelt, dass sie sich drehen können, dass es eine dynamische Fahrt mit verschiedenen Geschwindigkeiten gibt, aber nie mehr als 31 km/h, was auf der 550 Meter langen Schienenstrecke auch für Empfindliche kein Problem ist, ebenso wenig wie die maximale Neigung von zehn Grad.

          Förderband sorgt für reibungslosen Ein- und Ausstieg

          Die Fahrt geht durch die Märchenwelt, die unter dem Dom aufgebaut ist, und zwar bis auf eine Höhe von 13,5 Metern, was schon mal zum Luftanhalten führt, denn man hat absolut nichts vor oder unter sich, und wechselt dann ins Freie, dreht ein paar Schleifen durch die Baumwipfel und saust dann wieder nach innen und an vielen Schauplätzen vorbei, wo stark vergrößerte Szenen eine genauere Vorstellung von den Minimoys-Königreichen vermitteln, denn die Detailfülle ist überwältigend, verstärkt durch unzählige Hightech-Spezialeffekte. Rund 850 riesige künstliche Mohnblumen, Blätter und Gräser „wachsen“ hier und vermitteln den Größenunterschied zwischen den Königreichen und der Realität, wenn man die rund 50 nachgebauten Filmfiguren in diesen Szenarien agieren sieht.

          Die Wagen sind zu Zügen für zwölf Passagiere zusammengestellt, drei Reihen zu je vier nebeneinander. Sieben Züge können gleichzeitig unterwegs sein. Der Reihenabstand der Sitze ist so groß, dass sich jede Viererformation drehen kann, etwa wenn sie zu einer Stelle kommt, die man genauer betrachten soll, und dazu wird der Zug stark abgebremst. Auf diese Weise ist jede Reihe mal die erste. Den kleinen Kick vermittelt dann die unerwartete Beschleunigung, und zwar aus jeder Lage: Die Wagen können sich seitwärts, rückwärts oder vorwärts in Bewegung setzen, immerhin mit bis zu 0,5 g an jedem Punkt der Strecke. Das ist einzigartig bei einem Fahrgeschäft, diese Art von Figuren zu fahren ist mit einer Achterbahn nicht möglich. Das wird noch getoppt durch eine interaktive Funktion: Die Passagiere können auf Knopfdruck ihren Wagen drehen lassen. Hier treten die Drehkränze in Aktion, an denen jeder Wagen hängt.

          Der Kinderfreundlichkeit dient dabei ein spezielles Sitzhaltesystem, so dass schon Vierjährige, wenn sie einen Meter groß sind, mitfahren können. Jede Runde dauert knapp fünf Minuten, der Wechsel der Passagiere geschieht fliegend: Zum ersten Mal ist in einem Fahrgeschäft des Parks am „Einsteigebahnhof“ ein Förderband installiert. Es hat die gleiche Geschwindigkeit wie die heranschwebende Bahn, und von dem aus steigen die Passagiere ein, nachdem die vorigen ausgestiegen sind, der Zug hält nicht. In 32 Sekunden läuft der Wechsel ab.

          Ein Königreich aus 5.500 Kubikmetern Beton

          Die Züge sind untereinander über W-Lan verbunden, es „weiß“ also jeder, wo die anderen gerade sind. Denn die Abstände können aufgrund der variablen Geschwindigkeiten zwischen 20 und 200 Meter schwanken. Kommt einer dem vorausfahrenden zu nahe, wird er sachte abgebremst. Und sollte tatsächlich einer mal irgendwo hängenbleiben, gibt es für jeden Zug eine Fernbedienung am Bahnhof, mit der er zurückgeholt werden kann. Rund 100 kW elektrische Energie braucht Arthur je Stunde, von denen ein beträchtlicher Teil über Rekuperation zurückgewonnen wird.

          Wer nach den ersten Eindrücken von den Minimoys-Königreichen noch weiter in dieser Welt verweilen will, kann das in der großen Halle tun, wo das unterirdische Reich aus 5.500 Kubikmetern Beton so gestaltet wurde, dass man immer versucht ist zu prüfen, ob das nicht doch ein echter Baum oder eine echte Wurzel ist. Hier gilt in höchstem Maß der alte Werbespot über Beton: Es kommt drauf an, was man draus macht. Schließlich muss auch das Minimoys-Königreich den feuerpolizeilichen Vorschriften genügen, von denen des TÜV ganz zu schweigen.

          Michael Mack, in achter Generation im Unternehmen als Geschäftsführer tätig und für dieses Projekt zuständig, freut sich auf die baldige Eröffnung, auch wenn sich der ursprünglich angepeilte Termin Anfang Juni nicht ganz halten ließ. Nicht nur, weil er dann den Kraftakt hinter sich hat, sondern auch, weil er mit der neunten Mack-Generation öfter mal in diese Märchenwelt eintauchen kann, denn „es gelingt mir immer wieder, mit Kinderaugen durch den Park zu gehen“. Und das sagt einer, der selbst im Park groß geworden ist.

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