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Neuer Volkssport : Grillen für Puristen

Wie schwarz die Wurst am Stecken wird, regelt der Unterarm – dazu braucht man keinen Rost Bild: plainpicture

Im Handel gibt es ein unüberschaubares Angebot an Utensilien, die für den Volkssport Grillen über offenem Feuer angeblich dringend notwendig sind. Aber was davon braucht man wirklich?

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          Werbung macht es sich manchmal einfach. Angeblich kann der Mensch ohne allen möglichen Plunder nicht leben, dann wieder soll man sich aber auf das Wesentliche beschränken. Drei Dinge braucht der Mann, hieß es, als solche Reklame noch erlaubt war: Feuer, Pfeife und den richtigen Tabak. In der Zeit der Rauchverbote qualmt fast nur noch der Gartengrill, aber wir wissen, dass zum Grillen auch nicht mehr notwendig ist. Den Tabak und die Pfeife kann man sogar weglassen, wenn man sie durch Würstchen und einen Rost ersetzt.

          Lukas Weber
          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Noch nicht einmal den zuletzt Genannten braucht man unbedingt. Da ist es erstaunlich, dass es noch immer Leute geben soll, die sich an ein so simples Vergnügen nicht herantrauen. Wie man Fleisch über offenem Feuer besser verdaulich macht, wussten schon unsere Urahnen, als sie es noch mit einem scharfkantigen Feuerstein zerteilten. Das kann also nicht schwer sein.

          Auf das Feuer kann man naturgemäß nicht verzichten

          Heute nennt man so etwas experimentelle Archäologie, wir haben es ohne wissenschaftlichen Anspruch einmal ausprobiert. Auf das Feuer kann man zum Grillen naturgemäß nicht verzichten, auf Streichhölzer schon, wenn man es selbst macht. Dafür gibt es von Waldläufern weise Ratschläge in Büchern, die einem draußen weiterhelfen sollen. Den meisten ist gemein, dass sie nicht funktionieren. Mit Reibholz und auch mit Bogen waren die Hände das Einzige, was wir zum Glühen brachten. Funkenerzeugung mittels Steinen war zwar hübsch, aber auch nicht erfolgreich.

          Für Eilige: Anzündhilfen können wir empfehlen
          Für Eilige: Anzündhilfen können wir empfehlen : Bild: Weber

          Immerhin, ein Brennglas tut es mit etwas Geduld. Die soll man zum Grillen ohnehin mitbringen, doch du beginnst nach kurzer Zeit, die Wolken zu hassen. Mit einem trockenen Starter – wir verwenden Verbandswatte – beginnt irgendwann ein dürres Feuer zu glimmen, das mit Reisig genährt sein will. Die Anzünder für den Kamin lässt der Naturbursche zu Hause: Harz, das aus Verletzungen am Stamm jeder Fichte herunterläuft, brennt so gut wie Trockenspiritus.

          Zwei Astgabeln und darüber ein Ast als Spieß

          Wenn wir schon mal im Wald sind, können wir uns auch gleich weiter versorgen. Wer sein Essen genießen will, lässt nach Möglichkeit sämtliches Holz liegen, an dem einmal Nadeln waren. Es kann dem Steak ein Aroma verleihen, das an alte Socken in Terpentin erinnert. Ohne Funken und einigermaßen regulierbar verbrennen aber Laubhölzer wie Birke und Buche. Sie geben Glut für die Folienkartoffeln – die Alufolie ließe sich durch feuchten Schlamm ersetzen, wird erzählt. Das haben wir nicht ausprobiert. Aber zwei Astgabeln und einen Ast als Spieß, lang genug für vier Hühnchen.

          Darunter ein Langfeuer, für das wir die Grasnabe ausgestochen haben. Es ruht auf einer Feuerinsel aus daumendicken Ästen, die Luft heranlassen und die Bodenfeuchtigkeit abhalten. Die Grassoden lassen sich nach vollendetem Werk wieder festtreten, das freut den Gartenbesitzer. Das Ganze geschah in jugendlichem Überschwang und war trotz dieser Finessen ein Reinfall. Solch ein naturbelassener Spieß will sich in den Hühnern drehen und nicht mit ihnen. Zu tief in die Gabel gehängt wird das Fleisch außen schwarz, während es innen roh bleibt, und die hölzerne in Fett getränkte Stange fängt an zu brennen. Zu hoch über den Flammen tut sich stundenlang nichts.

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