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Neue Seilbahn zur Zugspitze : Deutschlands höchste Baustelle

Kaum Platz: Der Baukran überragt das Gipfelkreuz und muss die gesamte Zugspitze mit Baumaterial versorgen Bild: dpa

Zur Zugspitze soll Ende 2017 eine moderne Seilbahn hinaufführen, die gleich mehrere technische Rekorde bricht. Die Konstruktion der neuen Bergstation auf dem Gipfelgrat ist gewagt und fordert die Bauherren heraus.

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          Das Wetter hat es bislang gut gemeint mit Martin Hurm. Sommerhitze gibt es auch auf der Zugspitze. Der Schneefall, der im Juli üblicherweise zumindest einmal erfolgt, ist ausgeblieben. Bei einer Durchschnittstemperatur von minus 4 Grad reicht oben auf fast 3000 Meter Höhe schon leichter Niederschlag - und Deutschlands höchster Berg ist bezuckert. In diesem Juli wäre damit auch der Baukran eingeschneit gewesen. Die Arbeiten auf Deutschlands höchster Baustelle hätten über Tage ruhen müssen.

          Rüdiger Köhn
          (kön.), Wirtschaft

          So aber hat Hurm wertvolle Zeit gewonnen. Er ist Betriebsleiter Seilbahnen und Lifte der Bayerischen Zugspitzbahn Bergbahn (BZB) und damit Projektleiter für den Bau der neuen Eibsee-Seilbahn. Der Zeitplan ist so ehrgeizig wie das gesamte technisch anspruchsvolle Projekt. „Drei Jahre, das ist sportlich“, sagt der Bayer. „Es geht um jeden Tag.“ Denn im Dezember 2017 sollen die neuen Gondeln fahren, die 120 Fahrgäste aufnehmen können statt der bislang 44 Passagiere in der 1963 gebauten „alten Dame“. Vorbei ist es dann mit Wartezeiten von bis zu zweieinhalb Stunden. Mehr als eine halbe Stunde sollen die Besucher der Zugspitze nicht mehr Schlange stehen - und ein noch größeres Abenteuer erleben.

          Während der Auffahrt werden sie mit 1945 Meter nicht nur den größten Gesamthöhenunterschied einer Seilbahn auf dieser Welt erleben. Statt über zwei Stützen überqueren sie mit der Gondel nur noch einen Träger. Der wiederum ist mit 127 Meter nicht nur deutlich höher als die 100 Meter in den Himmel ragenden Türme der Frauenkirche in München. Es wird auch die höchste Pendelbahnstütze überhaupt sein. Das freie Spannfeld ist mit 3213 Meter so lang wie sonst nirgendwo.

          Bis es so weit ist, muss sich Projektleiter Hurm dem Schicksal ergeben. „Es geht nur mit dem Wetter, nicht gegen das Wetter.“ Jeweils sieben Monate, von Mai bis November, sind für die Bauarbeiten in diesem, im nächsten und übernächsten Jahr eingeplant. Hauptbaumonate sind Juni bis September, in denen mit Hochdruck im und am Fels gearbeitet werden muss. In den anderen Monaten ist alles möglich, vom Sturm bis zum Wintereinbruch.

          Der höchste Punkt Deutschlands: ein Baukran

          Der Zeitplan ist ambitioniert. In diesem Jahr sollen die Felsabtragungen, die Ankerbohrungen für die Befestigungsanlagen sowie die Betonarbeiten im Bereich der Gipfelstation durchgeführt werden. Nächstes Jahr stehen die Arbeiten an der Bergstation und der Neubau der Talstation im Mittelpunkt. Für die neue Seilbahnstütze erfolgen Erd- und Betonarbeiten. 2017 schließlich werden die alten Einfahrtsgebäude auf dem Gipfel abgebaut. Der Neubau wird abgeschlossen, die Seilbahnstützen werden aufgestellt, die alten Stützen abgerissen.

          Hilfe von der alten Seilbahn für die neue Bilderstrecke
          Hilfe von der alten Seilbahn für die neue :

          Dass der Betrieb der alten Bahn dann eingestellt werden muss, ist klar. Von Mai 2017 an wird der traumhafte Blick während der Auffahrt über die bizarre Felsen- und Gerölllandschaft entlang der steilen Klippen nicht mehr möglich sein. Die Besucher müssen mit der Zahnradbahn durch den Tunnel und mit der Gletscherbahn hinauf zur Zugspitze. Rechtzeitig wird ein neuer, zusätzlicher Zug eingesetzt, um mit dem höheren Passagieraufkommen fertig zu werden.

          „Es ist kein Platz da oben“, muss sich Hurm mit einer anderen Widrigkeit anfreunden. Gerade einmal für den Baukran ist Platz gefunden. Er ist auf 2950 Meter errichtet worden und kann mit seinem Ausleger das auf 2962 Meter Höhe stehende goldene Gipfelkreuz um 13 Meter überragen. Der Kran ist die Drehscheibe, um Beton, Stahl oder Glas zu verteilen. Die Materialseilbahn - die Lebensader für Deutschlands höchste Baustelle - muss dafür alles anschleppen. Sie fährt parallel zur Seilbahn. Ursprünglich war die Materialbahn auf der Südseite des Gipfels, also auf dem Gletscher geplant gewesen.

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