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Neue Stoffvarianten : Mit Jeans zum Joggen

Jeanstypische Webart sorgt für Robustheit

Der zweite Schritt war, die Fasermischungen für verschiedene Tragesituationen zu optimieren. Flexibilität, Gewicht und haptische Eigenschaften variieren je nachdem, ob das Kleidungsstück für die Pilatesstunde, den Bergsteiger oder eine Alltagsaktivität gedacht ist, bei der es reicht, sportlich auszusehen. Die jeanstypische Webart sorgt für Robustheit, mit Verfahren wie dem patentierten Isko Pop wird die Struktur der Baumwollfasern so verändert, dass sie sich besonders weich anfühlt. Spezielle Behandlungen sorgen dafür, dass die Stoffe wasser- und schmutzabweisend sind.

So entstanden Produktlinien für Stadtmenschen, die sich frei bewegen und bei einem Regenschauer nicht nass bis auf die Haut zur Arbeit kommen wollen, und für modebewusste Sportler, denen es beim Klettern und Wandern unter freiem Himmel auf Materialeigenschaften wie Wärmedämmung, Schutz vor Wind, Schmutz, Sonne und Wasser ankommt. Kleidung, die vom Brunchen in der Stadt bis zum Campen in den Bergen in Form bleibt, ist das Versprechen.

„Die Leute suchen solche Vielseitigkeit“, sagt Baris Ozden, Produktmanager von Isko. Sein Entwicklungsteam sehe es auf Blogs und höre es von den Trendforschern in den großen Städten. Ozden glaubt, dass Sport- und Modebusiness immer mehr zusammenwachsen. Die Kooperationen mit großen Herstellern haben für Selbstbewusstsein gesorgt: Für Replay hat Isko einen Stoff entwickelt, der leicht und elastisch ist, sich dem Träger bei jeder Bewegung anpasst und zu einer klassisch aussehenden Jeans verarbeitet wurde. Inzwischen zeigen Northface und der vom Sporttrend profitierende Yogakleidungshersteller Lululemon Interesse. In Zukunft, heißt es bei Isko, solle die gemeinsame Entwicklungsarbeit mit den Herstellern vertieft werden. Am liebsten würden die Entwickler dann auch die Endverbraucher mit ihren Technologien erreichen. Dass daraus etwas wird, bleibt unwahrscheinlich.

Inzwischen ist es in der Nische auch eng geworden: Die türkische Weberei Orta Andalu beschäftigt sich ebenfalls mit funktionaler Jeanskleidung. Auch sie entwickelt Hybridmischungen aus Baumwolle, Elasthan und Polyester, die Wärme und Feuchtigkeit regulieren. Orta macht vor allem mit seiner Ökobilanz Werbung: Es hat sich herumgesprochen, dass bei der Bewässerung von Baumwollfeldern und der Produktion von Jeans Unmengen an Wasser verbraucht werden. Je weniger Baumwolle, desto besser, argumentiert Orta mit Blick auf seine teilweise recycelten Synthetik-Fasern.

Vaude wiederum hat auf der Sportartikelmesse Ispo seine erste Jeans mit Eigenschaften einer Funktionshose präsentiert. Das neue Stück, gewebt aus Elasthan und den sogenannten Hightech-Fasern der Firma Primaloft, die Vaude auch bei anderen Sportklamotten einsetzt, ist Teil der „Urban Life Collection“. Im Bund sind reflektierende Streifen angebracht, sonst sieht sie recht ansehnlich aus. Groß war die Enttäuschung bei Vaude auf der Ispo, als sie keinen der begehrten Newcomer Awards bekam. Denn der Hersteller hat schon seit 2005 Fashion Fabrics im Sortiment, sportliche Kleidung also, die modischen Standards entspricht, und will diesen Bereich weiter ausbauen. Es sei schwierig mit attraktiven Funktionshosen, sagt Produktmanager Mato Novogradec. Aber diesmal greife der Jeans-Bonus, und wer als Fahrradfahrer erst einmal erlebe, wie der Regen anders als bei einer Baumwolljeans von den Beinen abperle, wie kein vollgesaugter Stoff an ihnen kleben bleibe, der müsse spätestens dann ihren Reiz erkennen. Die Hose wird in Sportläden hängen, bei Zalando und Globetrotter zu haben sein.

„Jeans geht immer“, sagt Novogradec, was so viel heißt wie: Da lässt sich nicht viel falsch machen. Wie gut, wenn man von einer Tradition profitieren kann.

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