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Neue Seilbahnbauten : Gipfelstürmer

Der Auenfeldjet verbindet die Skigebiete Warth-Schröcken und Lech Bild: Thomas Walch

Skigebiete stehen in harter Konkurrenz zueinander, kämpfen mit immer moderneren, komfortableren Anlagen um Urlauber. Vor allem zählt: Größe. Über zwei aufsehenerregende Seilbahnbauten in Österreich.

          7 Min.

          Die Geschichte vom Pfarrer Johann Müller kennt in den Dörfern Warth und Schröcken jedes Kind. Wobei: Viele Kinder gibt es nicht in den kleinen Walsergemeinden. In Schröcken haben sie noch ein paar mehr als in Warth, wo erst die Schule und dann der Kindergarten geschlossen wurde. Mangels Kindern. Das verwaiste Schul- und Kindergartengebäude wird jetzt für eine Ausstellung zum Fremdenverkehr in der Gegend genutzt.

          Walter Wille

          Redaktion „Technik und Motor“

          Man erfährt: 400 Einwohner, 250.000 Gästeübernachtungen im Jahr. Der Tourismus ist die Lebensgrundlage im „schneereichsten Skigebiet Europas“ mit im Durchschnitt elf Metern weiße Pracht je Winter. Er muss die Zukunft sichern, Wachstum schaffen, damit vielleicht wieder mehr junge Einheimische bleiben, statt immer nur dahin abzuwandern, wo Ausbildungs- und Arbeitsplätze zu finden sind.

          Warth-Schröcken mit seinen modernen, bis auf 2.000 Meter Höhe führenden Anlagen ist ein feines, kein kleines, aber auch kein großes Skigebiet. Im Wettstreit der Wintersportregionen jedoch zählt heute neben der Schneesicherheit vor allem eins: Größe. Viele Liftanlagen, viele Pistenkilometer - das zieht, das steigert Übernachtungszahlen und Verweildauer.

          Der frühe Freerider aus Warth

          Der Pfarrer Müller aus Warth blieb nicht in erster Linie wegen seines Wirkens als Seelsorger in Erinnerung. Er ging als Skipionier vom Hochtannberg in die Geschichte ein. Im Jahr 1894 las er in einer Zeitschrift, dass sich in Norwegen und Schweden Menschen mit Hilfe von Holzlatten an den Füßen auch in meterhohem Schnee gut fortbewegen konnten.

          Wie praktisch, dachte sich der Gottesmann und bestellte sich welche, damals noch nicht bei Ebay. Bald hielt er sie in der Hand, ein Novum, etwas, das bis dahin weit und breit noch niemand gesehen hatte.

          In Lech fädeln sich die Kabinen des Auenfeldjets auf das Seil einer bestehenden Sesselbahn ein

          Um nicht ausgelacht zu werden, übte und stürzte Hochwürden nach Einbruch der Dunkelheit. Der erste größere Ausflug führte Johann Müller übers Hochplateau des Auenfelds zu seinem Kollegen in Lech, dem Walserdorf auf der anderen Seite der Berge, von dem man wegen der Schneemengen im Winter oft lange abgeschnitten war.

          Die Tour muss ein abenteuerlich einsames Erlebnis im Pulver gewesen sein. Der Pfarrer war sozusagen ein früher Freerider. Bald fand er Nachahmer. Doch bis zum Aufblühen des Tourismus, bis zur Ära effizienter Bergbahnen und des Massenbetriebs auf präparierten Pisten sollte es noch eine halbe Ewigkeit dauern.

          Zwei Skigebiete verbinden sich

          Der erste Lift der Region, ein Schlepper, ging 1953 in Schröcken in Betrieb. Jahrzehntelang existierten die bekannten Skigebiete der Gegend getrennt nebeneinanderher: hier das beschauliche, bodenständige Warth-Schröcken, dort Lech und Zürs, lebhaft und mondän. 40 Jahre lang gab es Pläne für eine Verknüpfung beider durch eine Seilbahn. Aus unterschiedlichsten Gründen kam das Projekt nicht voran. Nun jedoch ist es verwirklicht, in Gestalt des Auenfeldjets, einer Verbindung, die dem Pfarrer Müller auf seinem Weg zum Kollegen in Lech eine große Hilfe gewesen wäre.

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